Glossar

Prätestwahrscheinlichkeit und Posttestwahrscheinlichkeit (pretest probability, posttest probability)

Prätestwahrscheinlichkeit: Die geschätzte Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient an einer gewissen Krankheit leidet, bevor Zusatzinformationen aus einem diagnostischen Test vorliegen. Die Prätestwahrscheinlichkeit wird geschätzt aus der Prävalenz der Erkrankung für die betreffende Altersgruppe, anamestischen Daten (z.B. Risikofaktoren) sowie aus den Befunden der klinischen Untersuchung.

Posttestwahrscheinlichkeit: Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung nach Vorliegen von Testergebnissen.

Beispiele: Hat ein 65 jähriger Raucher mit Hypertonie belastungsabhängige retrosternale Schmerzen, so ist die (klinisch geschätzte) Prätestwahrscheinlichkeit vor der Fahrradergometrie für eine koronare Herzkrankheit hoch (z.B. 70%). Die Posttestwahrscheinlichkeit für eine koronare Herzkrankheit steigt bei signifikanten ST-Senkungen auf nahezu 100% an. Hat eine 20 jährige, sonst gesunde Frau retrosternale Schmerzen, so ist die Prätestwahrscheinlichkeit für eine koronare Herzkrankheit vor einer Fahrradergometrie tief (z.B. 10%). Treten während der Ergometrie ST-Senkungen auf so handelt es sich möglicherweise um ein falsch positives Testresultat. Mit anderen Worten: Die Posttestwahrscheinlichkeit hat sich in diesem Fall nicht wesentlich erhöht.