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Statin-Nebenwirkungen sind nicht selten. Statine werden aber nach Wiederbeginn der Therapie meist gut toleriert

Verfasser: Johann Steurer ,

Frage:

Wie häufig und aus welchen Gründen werden Statine in der Routinepraxis abgesetzt?

Hintergrund:

Der präventive Effekt von Statinen auf kardiovaskuläre Ereignisse ist unbestritten. In randomisierten Studien ist die Nebenwirkungsrate bei etwa 5 bis 10% aller Patienten. Da nach Absetzen der Statine das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis wieder ansteigt, stellt sich die Frage ob bei Auftreten von Nebenwirkungen die Statine abgesetzt werden müssen oder sollen und ob mit der Therapie nach einer gewissen Zeit wieder begonnen werden kann. Zur Klärung der Frage wie oft Statine in der Routinepraxis abgesetzt werden, wie oft Nebenwirkungen auftreten und was bei einer erneuten Statingabe (Rechallenge) passiert, wurde diese Studie durchgeführt.

Einschlusskriterien:

  • Alle Patienten, denen an zwei akademischen Institutionen in Boston in der Zeit zwischen Anfang 2000 und Ende 2008 ein Statin verschrieben wurde.

Ausschlusskriterien:

  • Patienten mit fehlenden demographischen Angaben

Studiendesign und Methode:

Retrospektive Kohortenstudie; die Daten wurden aus den elektronischen Datenbanken extrahiert.

Studienort:

Boston

Resultat:

  • In den elektronischen Datenbanken wurden 134 263 Patienten mit mindestens einer Statinverschreibung identifiziert. Wegen fehlender Daten konnten fasst 27 000 Patienten nicht in die Analyse eingeschlossen werden.
  • Atorvastatin war das am häufigsten verschriebene Statin, gefolgt von Simvastatin. 5% der Patienten nahmen auch ein Fibrat ein.
  • Fast 40% der Patienten hatten ein koronare Herzkrankheit oder einen Diabetes mellitus.
  • Knapp mehr als die Hälfte (53%) der Pateinten setzten mindestens einmal im Verlauf die Statine ab. Die Gründe waren im Nachhinein nicht mehr alle rekonstruierbar.
  • Bei 17% aller Patienten, die Statine einnahmen, wurde eine Statin-Nebenwirkung in den Krankengeschichten vermerkt. Myalgien oder Myopathien waren die am häufigsten Genannten. Nur 0,006% hatten eine Rhabdomyolyse und bei 0.06% wurden Gedächtnisstörungen festgestellt.
  • Bei 60 % der Patienten mit einer Statin-Nebenwirkung wurde das Statin abgesetzt. Bei mehr als der Hälfte der Patienten bei  denen das Statin abgesetzt wurde, wurde nach einer bestimmten Zeit (keine genauen Angaben) wieder mit einer Statintherapie begonnen, in 40% erhielten die Patienten die gleiche Substanz. Über 90% dieser Patienten nahmen ein Jahr nach Wiederaufnahme immer noch ein Statin. Dies spricht dafür, dass das Statin dann toleriert wurde.

Kommentar:

  • Ein klares Resultat dieser retrospektiven Studie ist, verglichen mit den Ergebnissen randomisierter Studien, der höhere Prozentsatz an Nebenwirkungen. (17% versus 5 bis 10%).
  • Nebenwirkungen sind ein Grund für das Absetzen der Statine, in den meisten Fällen sind aber nicht Nebenwirkungen der Grund für das Absetzen.
  • Bei den meisten Patienten, bei denen nach Absetzen wegen Nebenwirkungen wieder mit einer Statintherapie begonnen wurde (rechallenge), entweder mit der gleichen oder einer anderen Substanz, wurde das Statin toleriert.

Literatur:

Zhang H et al. Discontinuation of statins in routine care settings. Ann Intern Med 2013;158:526-34