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Akute Pyelonephritis bei Frauen: 7 Tage orale Therapie mit Ciprofloxacin

Verfasser: Johann Steurer ,

Frage:

Ist bei Frauen mit einer akuten Pyelonephritis eine 7-tägige Therapie mit Ciprofloxacin gleich effektiv wie eine 14-tägige Therapie?

Hintergrund:

Die zunehmende Resistenzentwicklung gegenüber Antibiotika ist ein weltweit zunehmendes Problem. Massnahmen gegen die Resistenzentwicklung wären, erstens, eine strenge Indikationsstellung, und zweitens, eine Verkürzung der Behandlungsdauer. In Schweden z.B. sind 13% der bei Urininfekten nachweisbaren E. coli resistent auf Ciprofloxacin. Bei akuter Pyelonephritis wird heute oft eine zweiwöchige Therapie empfohlen. Bis heute gibt es keine gut durchgeführte Studie, die den Effekt einer ein- ,mit einer zweiwöchigen Therapie verglichen haben.

Einschlusskriterien:

  • Mindestens 18 Jahre alte Frauen mit klinisch begründetem Verdacht auf eine Pyelonephritis,
  • ausserhalb des Spitals erworben
  • Fieber von mindestens 38°C und mindestens eines der folgenden Symptome; Flankenschmerzen, Druckschmerz im kosto-vertebralen Winkel,  Dysurie, häufiger Harndrang oder Wasserlassen

Ausschlusskriterien:

  • Schwangerschaft, inadäquate Kontrazeption, systemische Antibiotikatherapie in den vergangenen 72 Stunden, Hypersensitivität gegenüber Fluoroquinolonen, und andere.

Studiendesign und Methode:

Randomisiert, kontrollierte Studie

Studienort:

21 Zentren in Schweden

Interventionen:

  • Gruppe 1: Ciprofloxacin 500 mg zweimal täglich; zu Beginn konnte das Medikament auch intravenös (400 mg) verabreicht werden. Ob Patientinnen zu Beginn hospitalisiert wurden oder die Behandlung ambulant durchgeführt wurde, war dem behandelnden Arzt überlassen. In der zweiten Woche ebenfalls zweimal täglich Ciprofloxacin.
  • Gruppe 2: Patientinnen in dieser Gruppe erhielten in der ersten Woche auch Ciprofloxacin und in der zweiten Woche ein Placebopräparat.
  • Die Patientinnen wurden vor der definitiven Diagnose (Urinbefund und Bakterienwachstum) randomisiert. Daher wurden Frauen ausgeschlossen bei denen keine akute Pyelonephritis diagnostiziert werden konnte (geringes Bakterienwachstum, keine Urinprobe vor der Ciprofloxacintherapie u.a.) oder eine verringerte Empfindlichkeit gegenüber Ciprofloxacin nachgewiesen wurde.

Outcome:

Primärer Outcome

  • Klinische Heilung (komplettes Verschwinden der Beschwerden und kein erneutes Auftreten während der Nachbeobachtung) 10 bis 14 Tage nach Beendigung der aktiven Therapie und 42 bis 63 Tage nach Beendigung der Einnahme des aktiven Medikamentes
  • Bakteriologische ‚Heilung’: Eradikation der Bakterien und kein Rezidiv (genau definiert)

Sekundäre Outcomes

  • Nebenwirkungen

Resultat:

  • 248 Frauen mit einer Vermutungsdiagnose einer akuten Pyelonephritis wurden in die Studie eingeschlossen. 69 Frauen (28%) mussten danach wieder ausgeschlossen werden, weil sie die notwendigen Kriterien nicht erfüllten.(Diagnose falsch, keine signifikante Bakteriurie, Bakterien waren resistent oder vermindert empfindlich gegen Ciprofloxacin)
  • Das mittlere Alter der in der Studie verbleibenden Frauen war um die 43 Jahre, bei ca. 15% handelte es sich um rezidivierende Infekte, etwa 5% waren Diabetikerinnen, CRP-Werte im Mittel über 100; fast ein Drittel der Patientinnen hatte positive Blutkulturen.
  • In beiden Gruppen lag die klinische Heilungsrate bei 97% 14 Tage und bei 93% sechs bis acht Wochen nach Abschluss der Therapie.
  • In beiden Gruppen kam es in der Nachbeobachtungsphase (10 bis 63 Tage nach Stopp von Ciprofloxacin) bei je vier Patientinnen zu einer asymptomatischen Bakteriurie, aber bei keiner wurde eine Antibiotikatherapie gestartet.
  • In beiden Gruppen keine gravierenden Nebenwirkungen.

Kommentar:

  • Eine einwöchige Therapie mit Ciprofloxacin bei Frauen mit einer akuten Pyelonephritis ist einer zweiwöchigen Therapie ebenbürtig.

Literatur:

Sandberg T et alii. Ciprofloxacin for 7 days versus 14 days in women with acute pyelonephritis: a randomized, open-label and double-blind, placebo-controlled, non-inferiority trial. Lancet 2012;380: 484-90