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Aspirin® ist Rivaroxaban in der Prävention von venösen Thromboembolien nach Knie-oder Hüftgelenkersatz nicht unterlegen

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Wirksamkeit und Sicherheit von Aspirin® versus Rivaroxaban in der Prävention venöser Thromboembolien nach einem Hüft- oder Kniegelenksersatz?

Hintergrund:

Es ist »state of the art« nach einer Hüft- oder Kniegelenkersatzoperation eine Zeit lang, mindestens zwei Wochen, eine medikamentöse Prävention venöser Thromboembolien zu empfehlen. Teilweise werden diese Massnahmen bis zu einem Monat empfohlen. In der Regel werden Antikoagulantien, Vitamin-K-Antagonisten oder die neuen Medikamente, verschrieben. Es gibt Hinweise aus verschiedenen Studien, dass auch Aspirin® (wesentlich kostengünstiger) einen präventiven Effekt hat. Bisher wurde aber der präventive Effekt von Aspirin® noch nie mit einem Antikoagulans bei Patienten nach Hüft- oder Kniegelenkersatz verglichen.

Einschlusskriterien:

  • Alle Patienten mit einer elektiven unilateralen Knie- oder Hüftgelenkersatzoperation; erste Operation oder Revisionsoperation

Ausschlusskriterien:

  • Patienten mit einer Knochenfraktur der unteren Extremität in den 3 Monaten vor Operation
  • Patienten mit einem Malignom

Studiendesign und Methode:

Randomisiert, doppelt verblindet

Studienort:

15 Zentren in Kanada

Interventionen:

  • Alle Patienten erhielten am Tag der Operation (frühestens 6 Stunden nach Wundverschluss) oder am ersten postoperativen Tag bis zum fünften postoperativen Tag 10 mg Rivaroxaban.
  • Danach erhielt eine Gruppe der Patienten Aspirin® (81 mg/d) und die andere Gruppe Rivaroxaban (10 mg/d). Patienten nach Kniegelenkersatz erhielten die Medikamente für weitere 9 Tage (insgesamt zwei Wochen) und Patienten nach Hüftgelenkersatz erhielten die Medikamente für weitere 30 Tage, also insgesamt 35 Tage.

Outcome:

Primärer Outcome

  • Symptomatische venöse Thrombose im Bereich der unteren Extremität und/oder Lungenembolie innerhalb von 90 Tagen nach der Operation
  • Relevante Blutung

Sekundäre Outcomes

  • Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall, Wundinfekt

Resultat:

  • 3’753 Patienten erfüllten die Kriterien für eine Teilnahme an der Studie und 3’427 davon konnten randomisiert werden.
  • Gut 1’800 Patienten erhielten einen Hüftgelenkersatz und etwas mehr als 1’600 Patienten einen Kniegelenkersatz.
  • Das mittlere Alter betrug etwa 63 Jahre, knapp weniger als die Hälfte waren Männer.
  • Eine symptomatische venöse Thrombose und/oder Lungenembolie in den ersten 3 Monaten nach der Operation trat bei 0.64% (11 von 1’707) in der «Aspirin®-Gruppe» und bei 0.70% (12 von 1’717) in der «Rivaroxaban-Gruppe» auf (kein signifikanter Unterschied).
  • Relevante Blutungen traten bei 0.47% (8 Patienten) in der «Aspirin®-Gruppe» und bei 0.29% (5 Patienten) in der «Rivaroxaban-Gruppe» auf (kein signifikanter Unterschied).
  • Symptomtische venöse Thrombosen in den Unterschenkelvenen (Poplitealvenen nicht betroffen) bei 8 Patienten in der «Aspirin®-Gruppe» und bei 5 Patienten in der «Rivaroxaban-Gruppe».

Kommentar:

  • Bei Umstellung der Thromboseprophylaxe fünf Tage nach der Operation – Hüft- oder Kniegelenkersatz – von Rivaroxaban auf das wesentlich kostengünstigere Aspirin® (etwa um den Faktor 20) verändert sich der Outcome nicht. Aspirin® ist Rivaroxaban nicht unterlegen.

Literatur:

Anderson DR et al. Aspirin or Rivaroxaban for VTE Prophylaxis after Hip or Knee Arthroplasty. New Engl J Med 2018; 378: 699-707