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Benigne Prostatahyperplasie: Transurethrale Resektion oder Embolisation der Prostataarterien?

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Vergleich der Wirksamkeit der transurethralen Resektion der Prostata versus Embolisation der Prostataarterien bei Patienten mit benigner Prostatahyperplasie.

Hintergrund:

Die benigne Prostatahyperplasie ist eine häufige Erkrankung und die bisher einzig wirksame Therapie, wenn konservative Massnahmen nichts mehr nützen, ist die transurethrale Resektion der Prostata (TURP). Nach einer transurethralen Resektion bleiben doch bei mehr als einem Drittel der Patienten Restbeschwerden bestehen und benötigen weitere medizinische Behandlungen.
Aus diesem Grund suchte man nach Alternativen und im Jahre 2000 wurde beim ersten Patienten eine Embolisation der Prostataarterien durchgeführt. In der Zwischenzeit wurde diese Methode bei über 1’000 Patienten angewandt. Die Wirksamkeit wurde in mehreren Studien untersucht. Die Qualität der Studien war unterschiedlich gut und die Ergebnisse waren ebenfalls sehr unterschiedlich.

In dieser randomisierten Studie wird die Wirksamkeit der beiden Methoden – TURP und Embolisation – miteinander verglichen.

Einschlusskriterien:

  • Älter als 40 Jahre mit einer Indikation für eine TURP
  • Prostatavolumen zwischen 25 und 80 ml; mit Ultraschall bestimmt
  • Symptome der Prostatahyperplasie, erfasst mit dem »International Prostate Symptoms Score« (IPSS); Patienten hatten einen Score von mindestens 8 Punkten; die Scores des IPSS liegen zwischen 0 und 35 Punkten; ≤7 Punkte: milde Symptome; 8 bis 19 Punkte: moderate Symptome; ≥20 Punkte: schwere Symptome
  • Urinfluss-Rate von weniger als 12 ml/s oder Harnretention

Ausschlusskriterien:

  • Ausgeprägte Arteriosklerose vor allem der Beckenarterien
  • Neurogene Dysfunktion im unteren Harntrakt
  • Urethrastenose, Blasendivertikel, eingeschränkte Nierenfunktion (glomeruläre Filtrationsrate <60 mL/min.
  • Präoperativ diagnostiziertes Prostatakarzinom

Studiendesign und Methode:

Randomisierte, nicht verblindete Studie (non-Inferiorität)

Studienort:

St.Gallen

Interventionen:

  • Gruppe 1: Embolisation der Prostata-Arterien; transfemoraler Zugang unter Lokalanästhesie
  • Gruppe 2: TURP unter Spinalanästhesie oder Vollnarkose

Outcome:

Primärer Outcome

  • Veränderungen im IPSS nach 12 Wochen im Vergleich zum Wert vor dem Eingriff

Sekundäre Outcomes

  • Urin-Flow, Urinrestemenge nach Wasserlösen, Lebensqualität, erektile Funktion,
  • Komplikationen und Nebenwirkungen

Resultat:

  • Von den 144 für die Eignung zur Teilnahme an der Studie untersuchten Patienten konnten 103 randomisiert werden.
  • Das mittlere Alter lag bei 65 Jahren, der IPSS bei etwa 18 Punkten, das Volumen der Prostata betrug 52 ml; fast alle Patienten (85%) erhielten schon eine medikamentöse Therapie zur Linderung der Symptome der Prostatahyperplasie.
  • Verbesserung im IPSS nach 12 Wochen um 9.2 Punkte in der Gruppe mit Embolisation der Prostataarterien und um 10.8 Punkte nach TURP; der Unterschied ist statistisch nicht signifikant.
  • Bei den sekundären Endpunkten waren die Ergebnisse unterschiedlich. Hinsichtlich der Lebensqualität waren keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen vorhanden, ebenfalls bei der erektilen Funktion. Störungen der Ejakulation waren allerdings überraschend hoch in der Embolisation-Gruppe.
  • Bei den funktionellen Parametern war die TURP der Embolisationstherapie überlegen; Verbesserung im Urinfluss von 15.3 ml/s versus 5.2 ml/s. Abnahme des Resturins nach Urinieren 200 ml versus 86 ml; Abnahme des Prostatavolumens 30.3 ml versus 12.2 ml.
  • Die postoperativen Schmerzen waren in der Embolisation-Gruppe ausgeprägter als in der TURP-Gruppe.
  • Komplikationen oder Nebenwirkungen der beiden Therapieformen; in der Embolisation-Gruppe traten halb so viele Komplikationen auf als in der TURP-Gruppe (36 versus 70). Das Risiko mindestens eine Komplikation zu erleiden war in beiden Gruppen in etwa gleich gross. Das heisst, dass bei Patienten in der TURP-Gruppe, wenn eine Komplikation auftritt gleich mehrere auftreten.

Kommentar:

  • Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass bei Patienten mit einer symptomatischen Prostatahyperplasie die Embolisationstherapie eine Alternative zur TURP sein kann.

Literatur:

Abt D et al. Comparison of prostatic artery embolisation (PAE) versus transurethral resection of the prostate (TURP) for benign prostatic hyperplasia: randomised, open label, non-inferiority trial.