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COPD - Hohe Dosen inhalativer Steroide über Jahre erhöhen das Frakturrisiko

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Erhöhen inhalative Steroide bei Patienten mit COPD das Risiko für Frakturen der Hüfte oder der oberen Extremitäten?

Hintergrund:

Inhalative Steroide werden Patienten mit einer COPD relativ häufig verschrieben, obwohl diese nach den »Guidelines« vorwiegend nur Patienten mit rezidivierenden Exazerbationen verschrieben werden sollten. Verschiedene Studienergebnisse weisen darauf hin, dass eine länger dauernde inhalative Steroidtherapie einen negativen Einfluss auf die Knochendichte hat. Es gibt auch Studien, die den Effekt auf die Frakturrate untersucht haben. Deren Ergebnisse sind inkonsistent und vor allem wurde nicht untersucht, ob die Frakturrate bei Frauen und Männern unterschiedlich ist.

In dieser Studie wird an einer grossen Kohorte von Patienten mit COPD die Inzidenz von Frakturen (Hüfte und obere Extremität) geschlechterspezifisch untersucht.

Einschlusskriterien:

  • Patienten mit einer COPD älter als 55 Jahre
  • Mit drei oder mehr Verschreibungen von »respiratorischen« Medikamenten (genau definiert)

Studiendesign und Methode:

Fall-Kontroll-Studie; Die für die Studie notwendigen Daten sind in Datenbanken der Versicherer gespeichert. In der Synthese der Daten und dem Vergleich zwischen den »Fällen« und den »Kontrollen« wurden berücksichtigt; der Schweregrad der COPD, die Verschreibung oraler Steroide, andere Frakturen im Jahr vor Einschluss und andere Komorbiditäten.

Studienort:

Provinz Quebec

Definition von »Fällen«:

  • Erste Fraktur der Hüfte oder Fraktur im Bereich der oberen Extremität

 Definition von »Kontrollen«:

  • Für jeden »Fall« wurden aus der grossen Kohorte bis zu 20 »Kontrollpatienten« (gematcht nach Alter und Geschlecht) nach dem Zufallsprinzip ausgesucht.

Resultat:

  • Die Kohorte bestand aus 240’110 Teilnehmern
  • Während der gut fünfjährigen Nachbeobachtungsdauer wurden 19’396 Fälle, also Patienten mit einer Fraktur, identifiziert (9’868 Hüftfrakturen, 4’707 Humerusfrakturen, 4’821 Radius- und Ulnafrakturen.
  • Das mittlere Alter der Kohorten-Mitglieder lag bei 75 Jahren und 72% waren Frauen.
  • Die Therapie mit inhalativen Steroiden war – über alle Patienten gesehen – nicht mit einer höheren Rate an Frakturen assoziiert – die Rate war in den ersten 4 bis 5 Jahren, verglichen mit denen die keine Steroide inhalierten, nicht erhöht.
  • In der Gruppe mit einer inhalativen Dosis von >1’000 mg Flutikason (oder Äquivalent bei einem anderen inhalativen Steroid) und einer Einnahme von länger als 4 Jahren war das Risiko für Frakturen gering bis moderat erhöht – verglichen zu denen, die keine Steroide inhalierten.
  • Dieser Anstieg war sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu beobachten.

Kommentar:

  • Diese Studie liefert Hinweise, dass bei längerem Gebrauch von inhalativen Steroiden in hohen Dosen (1’000 mg Flutikason oder Flutikason-Äquivalente) das Risiko von Frakturen – Hüfte und obere Extremität – moderat ansteigt.
  • Bei kleineren Dosen scheint das Risiko, zumindest in den ersten 4 Jahren, nicht erhöht zu sein.

Literatur:

Gonzalez AV et al. Long-term Use of Inhaled Corticosteroids in COPD an the Risk of Fracture. Chest 2018; 153: 321-328.