Springe zum Inhalt: Artikel

Das alpha-Fetoprotein erlaubt keinen sicheren Ausschluss eines hepatozellulären Karzinoms

Verfasser: Peltenburg Michael,

Frage:

Welches sind die Test-Charakteristika des alpha-Fetoproteins (AFP) zur Diagnose eines hepatozellulären Karzinoms bei Patienten mit einer Hepatitis C?

Epidemiologischer Hintergrund:

Patienten mit einer Hepatitis C haben ein 2% Einjahres- und ein 7% bis 14% Fünfjahres-Risiko ein hepatozelluläres Karzinom zu entwickeln. Die mittlere Überlebenszeit nach Diagnosestellung beträgt 4.3 – 20 Monate. Ein systematisches Screening wird nicht empfohlen. Das AFP wird von Ärzten jedoch häufig bei Kontrolluntersuchungen von Patienten mit Hepatitis C zum Screening verwendet.

Einschlusskriterien:

Artikel, die folgende Kriterien erfüllten

  • Randomisierte, kontrollierte Studien, Kohortenstudien, Fallkontrollstudien
  • AFP-Test zur Diagnose eines hepatozellulären Karzinoms bei Patienten, die an Hepatitis C erkrankt waren, unabhängig von einer Zirrhose.
  • Informationen über Sensitivität und Spezifität des AFP zur Diagnose eines hepatozellulären Karzinoms

Ausschlusskriterien:

  • nicht gesicherte Hepatitis-Aetiologie
  • weniger als 50% der Studienpopulation mit Hepatitis C
  • Duplikate

Goldstandard:

Als Goldstandard wurden für diese systematische Übersichtsarbeit die Computer-Tomographie, die Magnet-Resonanz Untersuchung, eine Histopathologie und ein erkrankungsfreies Intervall von mehr als 2 Jahren akzeptiert. Der Ultraschall wird kontrovers beurteilt und wurde nicht als Goldstandard gewertet. Die Autoren weisen auch darauf hin, dass das CT nur fraglich als Goldstandard verwendet werden sollte und begründen so auch die mangelnde Validität ihrer Ergebnisse.

Studiendesign:

Systematische Übersichtsarbeit

Resultat:

1239 Studien wurden identifiziert und 23 Artikel als relevant herausgefiltert.

5 Studien erfüllten alle Einschlusskriterien.

Von der Analyse wurden 18 ausgeschlossen:

  • 5 Fallstudien ohne Kontrollgruppe,
  • 6 Studien, da die Mehrzahl der Patienten keine Hepatitis C hatten
  • 1 Studie, die die Aetiologie der Hepatitis nicht bei allen Patienten gesichert hatte
  • 6 Studien gaben keine Auskunft über Sensitivität oder Spezifität des AFP in ihrer Population.

Als Cutoff-Wert für das AFP wurde ein Spiegel von 20μg/L akzeptiert, der in allen 5 Studien verwendet worden war.

  • Sensitivität 41% - 65%;
  • Spezifität 80% - 94%
  • Positive Likelihood Ratio: 3.1 – 6.8
  • Negative Likelihood Ratio: 0.4 – 0.6

Bei einem Cutoff-Wert von> 200 μg/L, einem Wert der als spezifisch für ein hepatozelluläres Karzinom angesehen wird, wurden folgende Werte gefunden:

  • Sensitivität 20 % - 45 %;
  • Spezifität 99% - 100%
  • Positive Likelihood Ratio: 29 - ∞
  • Negative Likelihood Ratio: 0.6 – 0.8

Die Autoren diskutieren ausführlich die unterschiedlichen Bias, die vom jeweiligen Design der analysierten Studie abhängen und stellen die Validität der Ergebnisse in Zweifel. Sie können deshalb keine zusammenfassende Schätzung der Sensitivität und Spezifität berechnen.

Screening asymptomatischer Patienten mit Hepatitis C

  • Hepatozelluläres Karzinom Prävalenz 5 %
  • Vortestwahrscheinlichkeit für ein hepatozelluläres Karzinom 5 % - 12 %
  • AFP-Wert von > 20 μg/L: Posttestwahrscheinlichkeit für ein hepatozelluläres Karzinom 14 % - 25 %.
  • AFP-Wert von ≤ 20 μg/L Posttestwahrscheinlichkeit für ein hepatozelluläres Karzinom 2 % - 3 %.

Test bei Hochrisikopatienten ( Leberknoten, Leberversagen)

  • AFP-Wert < 200 μg/L erlaubt keine Aussage
  • AFP-Wert ≥ 200 μg/L sehr starker Hinweis für ein hepatozelluläres Karzinom

Kommentar:

  • Ein normaler AFP-Wert bei einem asymptomatischen Patienten mit Hepatitis C erlaubt es nicht, ein hepatozelluläres Karzinom ohne weitere Analysen (Ultraschall, CT, MRI) auszuschliessen.

Literatur:

Gupta S et al. Test Characteristics of α-Fetoprotein for Detecting Hepatocellular Carcinoma in Patients with Hepatitis C. A Systematic Review and Critical Analysis. Ann Intern Med. 2003;139:46-50