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Der diagnostische Wert des H.pylori Tests bei Patienten mit Verdacht auf peptische Ulzera in die Allgemeinpraxis ist anamneseabhängig.

Verfasser: Lucas Bachmann,

Frage:

Entwicklung eines Scores zur Identifizierung von Patienten mit peptischen Ulzera. Messung des diagnostischen Beitrages des H. pylori Tests zusätzlich zur Information aus der Anamnese.

Einschlusskriterien:

  • Dyspepsiesymptome während mindestens 2 Wochen vor Konsultation beim Allgemeinpraktiker

Ausschlusskriterien:

  • Schwangerschaft
  • Gewichtsverlust
  • Anaemie
  • Dysphagie
  • Magenblutung
  • Erbrechen
  • Chirurgischer Eingriff im Magen

Studiendesign:

Cross-sectional Studie

Studienort:

Daten aus 3 Studien die in Allgemeinpraxen in Utrecht (NL) durchgeführt wurden.

Methode:

  • Die Anamnesedaten und die Testresultate des H.pylori Tests wurden von allen Patienten registriert und mit den Daten des Goldstandards Endoskopie ergänzt.
  • Aus den Anamnesedaten (Alter, Geschlecht, medizinische Vorgeschichte, Rauchgewohnheit, aktuelle Symptome) wurden anhand von Regressionsmodellen die relevanten Informationen identifiziert. Zudem wurde der Beitrag des zusätzlichen H.pylori Tests im Anschluss an Anamnesefragen bestimmt.
  • Die identifizierten Variablen aus der Anamnese wurden mit Punkten gewichtet um einen Score zu entwickeln.

Outcome:

  • Identifizierung von Patienten mit peptischem Ulkus anhand der Information aus Anamnese allein oder aufgrund zusätzlichem H. pylori Test.

Resultat:

  • Von den 612 Patienten der 3 Studien waren die vollständigen Daten bezüglich Anamnese bei 565 Patienten erhältlich. Davon hatten 38 ein endoskopisch gesichertes Ulkus. Das Ulkus war bei 22 (58%) der Fälle H.pylori positiv.
Diagnostische Variablen Odds Ratio 95% Konfidenzintervall
Früheres peptisches Ulkus 6.4 3.1-13.5
Rauchen 2.2 1.2-4.3
Schmerzen bei leerem Magen 3.0 1.5-6.2
nichtinvasiver H.pylori Test 3.1 1.6-6.0
  • Der Zuwachs der diagnostischen Information des H.pylori Tests nach den Anamnesefragen wurde anhand der Vergrösserung der Fläche unter der ROC Kurve bestimmt. Die Fläche unter der ROC Kurve gilt als globales Mass des diagnostischen Wertes eines Tests oder einer Testserie. Die ROC Kurve ohne H.pylori Test war 0.71 (0.62-0.81) und mit Test 0.75 (0.62-0.81). Dieser Anstieg war statistisch nicht signifikant.
  • Für den Score wurde die Information „Früheres peptisches Ulkus“ mit 2 gewichtet, die anderen Anamnesevariablen mit 1.
  • Patienten mit erhöhtem Risiko hatten einen Score von ³ 2 (high risk), Patienten mit einem tiefen Risiko < 2 (low risk). Wenn der H. pylori Test statt bei allen Patienten nur bei den Hochrisikopatienten eingesetzt wird, erhöht sich die Rate an korrekt diagnostizierten von 1:7 auf 1:3.

Kommentar:

  • Die selektive Verwendung des H.pylori Tests bei Patienten mit einem Risikoscore von ³ 2 in der Allgemeinpraxis reduziert die Anzahl von unnötig Behandelten.
  • Die Stärke der Studie ist die Evaluation der diagnostischen Bedeutung einer Testserie. Die Resultate betonen den diagnostischen Wert der Anamnese.
  • Die Vermischung von Daten aus 3 Studien, in welchen verschiedene H.pylori Tests verwendet wurden, ist nicht unproblematisch. Der diagnostiche Wert des Tests kann dadurch unterschätzt werden.
  • Der Score sollte in einem anderen Patientengut validiert werden, bevor allgemeingültige Schlüsse gezogen werden können.

Literatur:

Weijnen F. et al., Testing for Helicobacter pylori in dyspeptic patients suspected of peptic ulcer disease in primary care: cross sectional study. BMJ 2001;323:71-5