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Diazepam bei akuten Rückenschmerzen: kein Nutzen

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Wirksamkeit und Sicherheit von Diazepam, zusätzlich zu nicht-steroidalen Analgetika, bei Patienten mit akuten (nicht-radikulären) Rückenschmerzen?

Hintergrund:

Bei einem Teil der Patienten mit akuten Rückenschmerzen verschwinden die Schmerzen und die Funktionseinschränkungen langsam und bei einem Teil werden die Schmerzen chronisch. Patienten, die wegen akuten lumbalen, nicht-radikulären Rückenschmerzen den Arzt, oft die Notfallstation, aufsuchen, werden in der Regel nicht-steroidale Analgetika verschrieben. Zusätzlich werden oft Benzodiazepine verschrieben, obwohl deren Wirksamkeit bisher kaum untersucht wurde und es keine belastbaren Hinweise auf deren Wirksamkeit bei diesen Patienten gibt. In USA wird Diazepam bei über 300 Tausend Konsultationen/Jahr wegen akuten Rückenschmerzen verschrieben.
In dieser Studie wird die Wirksamkeit von Diazepam, zusätzlich zu nicht-steroidalen Analgetika, untersucht.

Einschlusskriterien:

  • 21- bis 69-jährige Patienten, die wegen akuten Rückenschmerzen (unterhalb Skapula bis obere Glutealfalte)
  • klinische Diagnose von nicht-traumatischen, nicht-radikulären muskuloskeletalen Rückenschmerzen
  • Einschränkung der Funktion infolge Schmerzen (quantifiziert mit dem Roland-Morris Disability Score, der Score-Wert musste mindestens 5 betragen; das ist keine besonders stark ausgeprägte Funktionseinschränkung)

Ausschlusskriterien:

  • Dauer der Schmerzen länger als zwei Wochen; oder eine Frequenz der Schmerzen von mindestens einmal pro Monat.

Studiendesign und Methode:

Randomisiert, verblindet

Studienort:

Ein Spital in New York

Interventionen:

  • Gruppe 1: Naproxen 2 x 500 mg/d; Diazepam 5 mg Tabletten, ein oder zwei Tabletten zweimal pro Tag. Die Teilnehmer wurden angewiesen zuerst eine der Diazepamtabletten zu nehmen und wenn sich die Beschwerden innert 30 Minuten nicht merklich besserten, noch eine zweite Tablette Diazepam zu nehmen.
  • Gruppe 2: Naproxen 2 x 500 mg und entsprechende Placebos

Outcome:

Primärer Outcome

  • Unterschied in der Verbesserung im Roland-Morris Disability Score nach 7 Tagen; eine Verbesserung um 5 Punkte gilt als klinisch relevante Verbesserung.

Sekundäre Outcomes (eine Woche und drei Monate nach Einschluss in die Studie)

  • Intensivste Schmerzen in den letzten 24 Stunden (schwer, moderat, leicht, keine Schmerzen)
  • Häufigkeit von Rückenschmerzen in den vergangenen 24 Stunden
  • Häufigkeit von Analgetikagebrauch in den vergangen 24 Stunden
  • Zufriedenheit mit der Behandlung
  • Tage bis sie an die Arbeit zurück konnten nach dem Besuch der Notfallstation
  • Häufigkeit von Arztbesuchen

Resultat:

  • 545 Teilnehmer wurden für die Eignung an der Studie untersucht; 114 konnten randomisiert werden. Die häufigsten Gründe für die Nicht-Eignung waren: Dauer der Beschwerden länger als 2 Wochen, oder rezidivierende Episoden von Rückenschmerzen, radikuläre Schmerzen.
  • Das durchschnittliche Alter betrug 36 Jahre, gut die Hälfte waren Männer, die mittlere Dauer der Beschwerden 72 Stunden in der einen Gruppe (mit Diazepam) und 48 Stunden in der anderen Gruppe (ohne Diazepam).
  • In beiden Gruppen verbesserte sich der Score (Roland Morris) um 11 Punkte; weder statistisch noch klinisch war ein Unterschied nachweisbar.
  • Auch bei den sekundären Outcomes war kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen nachweisbar.
  • Auch bei den Nebenwirkungen war kein Unterschied vorhanden, in der Diazepamgruppe waren die Teilnehmer etwas müder.

Kommentar:

  • Aufgrund dieser Studie ist der Effekt von Diazepam bei Patienten mit akuten Rückenschmerzen nicht anders als der von Plazebo.

Literatur:

Friedman BW et al. Diazepam is no better than placebo when added to Naproxen for acute low back pain. Ann Emerg Med. Doi.org/10.1016/j.annemergmed.2016.10.002