Springe zum Inhalt: Artikel

Eigenblutinjektionen bei Tendinopathie der Achillessehne - kein messbarer Effekt

Verfasser: Stefan Markun,

Frage:

Welches ist die Wirksamkeit von Injektionen mit Eigenblut bei Tendinopathie der Achillessehne?

Hintergrund:

Die Tendinopathie der Achillessehne betrifft mehr als die Hälfte der Mittelstreckenläufer und führt bei bis zu 16% der Betroffenen dazu, dass die ausgeübte Sportart nicht weiter verfolgt werden kann. Die Krankheit betrifft jedoch nicht nur Sportler, bei einem Drittel der Fälle besteht kein Zusammenhang mit einer körperlichen Belastung. Zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten wurden bisher postuliert, der beste Wirksamkeitsnachweis ist bisher für das exzentrische Krafttraining gelungen, welches bislang als die empfehlenswerteste Therapie gilt. Die Injektion von Eigenblut in oder neben die Achillessehne ist eine neue und zunehmend populäre Therapieoption, die Datenlage zu deren Wirksamkeit ist jedoch beschränkt.

Einschlusskriterien:

  • >18 jährige Patienten mit erstmaliger Tendinopathie im mittleren Bereich der Achillessehne
  • Beschwerden seit mindestens drei Monaten
  • Bestätigung mittels Ultraschall

Ausschlusskriterien:

  • Bilaterale Symptome der Achillessehen
  • Andere Diagnosen wie z.B. Insertiopathie der Achillessehne
  • Status nach Ruptur der Achillessehne
  • Vorbehandlung der Krankheit mit anderen Interventionen als exzentrisches Krafttraining

Studiendesign und Methode:

Prospektive Studie mit 1:1 Randomisierung. Für die Intervention waren die Patienten, sowie die Ärzte, die den Outcome bewerteten verblindet.

Studienort:

Neuseeland

Interventionen:

  • Bei allen Patienten wurde Blut entnommen zur eventuellen Injektion, zusätzlich wurde bei allen Patienten das exzentrische Krafttraining für mindestens 12 Wochen empfohlen.
  • Interventionsgruppe: Vor dem Patienten verdeckte Injektion von 3ml unbehandeltem Eigenblut im Bereich der Tendinopathie bei Studienbeginn und erneut einen Monat später
  • Kontrollgruppe: Vor dem Patienten verdeckte Insertion einer Injektionsnadel ohne Injektion im Bereich der Tendinopathie bei Studienbeginn und erneut einen Monat später

Outcome:

Primärer Outcome

  • Änderungen im VISA-A Score (validiertes Instrument zur Messung des Schmerzes und der Funktion bei Tendinopathie der Achillessehne, Werte zwischen 0-100, je höher, desto beschwerdefreier), erhoben beim Patienten durch einen verblindeten Auswerter nach 1,2,3 und 6 Monaten

Sekundäre Outcomes

  • Patienteneinschätzung zur gewohnten Belastbarkeit zurückgefunden zu haben
  • Einhaltung des verordneten exzentrischen Krafttrainings

Resultat:

  • 53 Patienten, 28 davon Männer konnten in die Studie eingeschlossen werden (26 in die Interventionsgruppe, 27 in die Kontrollgruppe).
  • In der Interventionsgruppe verbesserten sich die Patienten während der Studie um durchschnittlich 18.7 Punkte im VISA-A Score, in der Kontrollgruppe betrug die Verbesserung 19.9 Punkte. Für den primären Outcome konnte somit keine Wirkung der Intervention nachgewiesen werden.
  • Die sekundären Outcomes der Gruppen unterschieden sich ebenfalls nicht signifikant voneinander.
  • Es sind keine unerwünschten Wirkungen der Injektionen aufgetreten

Kommentar:

  • Es wäre denkbar, dass bereits eine viel geringere Menge an Blut ausreichend für einen Therapieerfolg ist. Eine geringe Menge an Blut, wurde auch beim trockenen Nadelstechen in der Kontrollgruppe frei. Wäre dies bereits eine ausreichende Menge würde dies bedeuten, dass auch die Kontrollgruppe von einem spezifischen Therapieeffekt profitierte, und deshalb kein Unterschied zwischen den Gruppen gezeigt werden konnte.
  • Auch ist es möglich, dass kein Therapieeffekt in der Interventionsgruppe stattgefunden hat, da es sich bei der Intervention nicht um ein wirksames Behandlungsprotokoll handelte. So wurden die Injektionen nicht in die Achillessehne gesetzt, sondern daneben und ohne Ultraschallsteuerung. Auch ist nicht bekannt, ob das gewählte Protokoll mit zwei Injektionen im Abstand von einem Monat eine ausreichende Handhabung der Eigenblutbehandlung darstellt. Es kommt also infrage, dass andere Anwendungsarten von Eigenblutinjektionen wirksamer sind als die untersuchte. Das gewählte Protokoll wurde von den Autoren allerdings in Anlehnung an die gängige Praxis gewählt.
  • Zur weiteren Klärung der Wirksamkeit von Eigenblutinjektionen müssten somit noch weitere Protokolle gegeneinander getestet werden. Gezeigt wurde hier allerdings bereits, dass eine zweimalige Injektion von 3ml Eigenblut im Abstand von einem Monat im Bereich der Achillessehne keinen messbaren Effekt auf die Tendinopathie hat. Ob angesichts dieser Daten weitere Anstrengungen unternommen werden, die noch offenen Fragen zu beantworten wird sich zeigen.

Literatur:

Bell KJ, Fulcher ML, Rowlands DS, Kerse N. Impact of autologous blood injections in treatment of mid-portion Achilles tendinopathy: double blind randomised controlled trial.

BMJ. 2013;346:f2310