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Ein visueller Assoziationstest verbessert die Vorhersage einer Demenz

Verfasser: Annika Achter,

Frage:

Verbessert ein visueller Assoziationstest (VAT) zusätzlich zur Änderung im Mini Mental Test über den Verlauf von 2 Jahren die Vorhersagekraft einer Demenzentwicklung nach 4 bis 6 Jahren?

Hintergrund:

Der Mini-Mental Status (MMS) ist weit verbreitet für das Screening der kognitiven Einschränkung. Die Bedeutung einer Verschlechterung im MMS Score von zum Beispiel 2 Punkten ist unklar. Der Visuelle Assoziations Test (VAT) kann in 3 Minuten einfach durchgeführt werden und testet die assoziative Erinnerung und ist sensitiv um die Neugedächtnis (anterograde Gedhächtnisstörung) zu testen. Inwiefern die beiden Teste die Entwicklung einer Demenz vorhersagen können ist nicht vollständig geklärt. 

Einschlusskriterien:

  • Alle Patienten die in der Prevention of Dementia by Intensive Vascular Care (preDIVA) Studie teilnahmen

Ausschlusskriterien:

  • Demenz bei Screening definiert als MMS Score von 24 oder tiefer oder klinischem Verdacht
  • Demenzdiagnose vor der 2-Jahreskontrolle oder innerhalb von 3 Monaten nach dieser Kontrolle

Studiendesign und Methode:

Sekundäranalyse der preDIVA Studie, einer cluster-randomisierten Studie, in der eine Intervention durch Pflegefachpersonen durchgeführt wurde.

Erfasst wurden der MMS score (max. 30 Punkte) sowie der VAT Test bei Einschluss und nach 2 Jahren. Der VAT bestand aus 6 Hinweiskarten (z.B. Affe ohne Schirm) und 6 Zielkarten (z.B. Affe mit Schirm in der Pfote) mit ungewöhnlichen visuellen Assoziationen. Den Patienten wird zuerst die Hinweiskarte, dann die Zielkarte und dann noch einmal die Hinweiskarte gezeigt mit der Frage was fehlt (der Schirm). Die maximal erreichbare Punktezahl ist 6, 1 Punkt für jeden richtig erinnerten Hinweis. 

Als Prädiktoren wurde die Veränderung des MSS zwischen Baseline und nach 2 Jahren (Zu- oder Abnahme der Punktzahl) und ein normaler VAS Score von 6 (perfekter VAT) vs. ≤5 Punkte (nicht-perfekter VAT) mittel logistischer Regression analysiert.   

Studienort:

Die Patienten wurden in Holland in Hausarztpraxen rekrutiert.

Outcome:

Primärer Outcome

  • Diagnose einer Demenz: basierend auf den Gesundheitsakten, dem kognitiven Status nach 2, 4 und 6 Jahren wurden von einem unabhängigen und verblindeten Komitee analysiert. Wenn die Diagnose einer Demenz gestellt wurde, wurde diese nach einem Jahr reevaluiert

Resultat:

  • Aus der ursprünglichen Studie (preDIVA) wurden, nach Ausschluss von 14 Patienten aufgrund einer bereits bestehenden Demenzdiagnose, 22648 Patienten (98.4%) analysiert. 
  • Das Durchschnittsalter war 73.7 Jahre, 54.9% waren Frauen, der MMS bei Studieneinschluss lag bei 29 Punkten, das Bildungsniveau war tief bei 22.0%, mittel bei 62.2% und hoch bei 13.7%.
  • Während einer durchschnittlichen Follow-up Dauer von 6.7 Jahre wurden 157 Demenzdiagnosen (5.9%) neu gestellt.
  • Patienten, bei denen der MMS um 2 Punkte abnahm, hatten eine Odds Ratio (OR) von 3.55 (95% Konfidenzintervall (95% CI) 2.51-5.00) eine Demenz zu entwickeln.
  • Wurde die MMS Abnahme von 2 Punkten mit einem nicht-perfekten VAT kombiniert, dann war das Demenzrisiko mehr als verdoppelt (OR 9.55 95% CI 5.89-15.41). Mit anderen Worten, lag eine Abnahme im MMS von 2 (Demenzrisiko 10%) bzw. 3 Punkte (Demenzrisiko 21%) vor, lag das Demenzrisiko bei einem nicht-perfekten VAT bei 21% bzw. 29% verglichen zu Patienten mit stabilem MMS.
  • Nahm der MMS 2 oder 3 Punkte und der VAT war perfekt, dann war das Demenzrisiko verglichen zu Personen, bei denen der MMS stabil war unverändert.
  • Bei stabilem MMS aber nicht-perfektem VAT war das Risiko für eine Demenz verdoppelt (12.2%).

Kommentar:

  • Die Vorhersage einer Demenz durch Veränderung im MMS ist in der klinischen Praxis schwierig. Der visuelle Assoziationstest (VAT) ist ein einfacher, schneller und gut umzusetzender Test zur Detektion von Problemen in der anterograden Erinnerung.
  • Diese grosse Studienkohorte zeigt, wie der VAT helfen kann, Patienten mit einem erhöhten Risiko von Patienten mit einem nicht erhöhten Risiko für eine Demenz zu unterscheiden. Nimmt der MMS score ab und ist der VAT normal, dann liegt kein erhöhtes Demenzrisiko vor.
  • Leider wurde in der Studie der in der Schweiz häufig verwendete MOCA Test nicht verwendet. Daher ist unklar, inwiefern der VAT im Vergleich zum MOCA Test in der Praxis abschneiden würde. Der VAT hat sicher den Vorteil, dass er unabhängig vom Bildungsgrad eingesetzt werden kann.

Literatur:

Jongstra S et al. Improving Prediction of Dementia in Primary Care. Ann Fam Med. 2018; 16: 206-210.