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Entfernung von Metall-Implantaten an Füssen und Unterschenkeln: Präoperative Antibiotikumgabe reduziert Wundinfektrisiko nicht wesentlich!

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Präventiver Effekt – Reduktion des Wundinfektrisikos – einer Antibiotikagabe vor Metallentfernung an den Füssen, Sprunggelenken oder Unterschenkeln?

Hintergrund:

Bei der Behandlung von Patienten mit Frakturen werden oft Metall-Implantate verwendet, die nach einer bestimmten Zeit, beim Grossteil der Patienten, wieder entfernt werden. Komplikationen dieser Operationen sind lokale Infekte. Heute wird bei der Implantation der Metallteile eine Prophylaxe mit Antibiotika empfohlen, da damit die Wundinfektionsrate mehr als halbiert werden kann.

Unklar ist ob auch bei der Entfernung der Metall-Implantate eine Antibiotikaprophylaxe wirksam und damit sinnvoll ist. Die Rate an postoperativen Wundinfektionen nach Entfernung der Metallstücke schwankt je nach Studie zwischen 0% und 20%. Dabei ist die Infektionsrate bei Operationen unterhalb des Knies höher als an den oberen Extremitäten.

In dieser Studie wird die Wirksamkeit einer Antibiotikaprophylaxe bei Entfernung eines Metallimplantates unterhalb der Kniegelenke untersucht.

Einschlusskriterien:

  • 18 bis 75-jährige Patienten bei denen ein Metall-Implantat im Bereich des Fusses, des Sprunggelenks oder Unterschenkels entfernt wurde.

Ausschlusskriterien:

  • aktiver Wundinfekt oder Fistel
  • antibiotische Behandlung wegen einer anderen Infektion zum Zeitpunkt der Implantatentfernung
  • Reimplantation von Material in der gleichen Operation
  • Cephalosporin-Allergie, Schwangerschaft,

Studiendesign und Methode:

Randomisiert, doppelt verblindet

Studienort:

19 Spitäler in den Niederlanden

Interventionen:

  • Gruppe 1: Cefazolin 1’000 mg in 0.9%-Kochsalzlösung 15 bis 60 Minuten vor Inzision.
  • Gruppe 2: 0.9%-Kochsalzlösung 15 bis 60 Minuten vor Inzision

Outcome:

Primärer Outcome

  • Wundinfektion in den 30 Tagen nach der Metallentfernung; differenziert nach oberflächlicher und tiefer Infektion (nach den Kriterien des ‘Center for Disease Control’, CDC)

Sekundäre Outcomes

  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
  • Funktionellere Outcome und Patientenzufriedenheit

Resultat:

  • 500 Patienten wurden eingeschlossen; von 470 Patienten konnten die Daten analysiert werden.
  • Bei gesamthaft 66 Patienten (14.0%) trat eine Wundinfektion auf, 58 oberflächliche Infektionen und 8 tiefe Wundinfektionen.
  • In der mit Cefazolin behandelten Gruppe trat bei 13.2% eine Wundinfektion auf in der ohne Cefazolin bei 14.9%. Der Unterschied ist minimal und statistisch nicht signifikant
  • Bei den sekundären Outcomes waren ebenfalls keine relevanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen feststellbar.

Kommentar:

  • Die Rate von 14% Wundinfektionen nach Entfernung von Metallimplantaten unterhalb des Kniegelenks ist laut den Autoren der Studie überraschend hoch.
  • Mit einer einmaligen präoperativen Verabreichung eines Breitbandcephalosporins kann die Rate an Wundinfektionen nicht gesenkt werden.
  • Ein Ergebnis ist aber bedenkenswert: die Zahl tiefer Infektionen war in der Gruppe, die Cefazolin erhielt, deutlich geringer als in der Gruppe, die nur Kochsalzlösung erhielt. Der Unterschied war statistisch knapp nicht signifikant, aber die Studie war auch nicht auf diesen Endpunkt angelegt. Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen!
  • Wundinfektionen sind für den Patienten sehr unangenehm; diese Infektionen kosten auch; die Therapie, laut Literatur, einer oberflächlichen Infektion kostet annähernd 2000 USD, die Behandlung einer tiefen Infektion über 20'000 USD.

Literatur:

Backes M et al. Effect of antibiotic prophylaxis on surgical site infections following removal or orthopedic implants used for treatment of foot, ankle, and lower leg fractures. A randomized clinical trial. JAMA 2017; 318: 2438-2445.