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Erhöhter Rheumafaktor, erhöhtes Risiko einer rheumatoiden Arthritis

Verfasser: Johann Steurer ,

Frage:

Welche prognostische Bedeutung hat ein zufällig festgestellter erhöhter Rheumafaktor?

Hintergrund:

Die frühe Diagnose einer rheumatoiden Arthritis ist wichtig, da mit den heute verfügbaren Therapien irreversible Schäden der Gelenke verhindert oder zumindest massiv verzögert werden können. Damit kann eine Progression der Krankheit verhindert werden. Der Rheumafaktor ist einer der Teile im Puzzle der Diagnose einer rheumatoiden Arthritis. Ein erhöhter Rheumafaktor ist weder beweisend für die Diagnose noch kann eine rheumatoide Arthritis bei Patienten mit normalen Rheumafaktorwerten ausgeschlossen werden. 80% aller Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis haben letztendlich einen erhöhten Wert, aber bei Beginn der Krankheit haben nur etwa 40% der Patienten einen erhöhten Rheumafaktor. Was man bisher nicht weiss, ist welchen prognostischen Wert ein zufällig erhöhter Rheumafaktor  bei Menschen ohne Gelenkprobleme hat.

Das Ziel der Studie ist zu prüfen, ob Menschen mit einem zufällig festgestellten erhöhten Rheumafaktor ein erhöhtes Risiko für eine rheumatoide Arthritis haben.

Einschlusskriterien:

  • Zufallsstichprobe von Einwohnern Dänemarks, die für die Copenhagen City Heart Study rekrutiert wurden

Ausschlusskriterien:

  • Patienten mit bekannter rheumatoider Arthritis

Studiendesign und Methode:

Kohortenstudie; den zu Beginn der achtziger Jahre (1981-83) in die Studie eingeschlossenen Menschen wurde Blut entnommen und 2009 bis 2010 wurde in den Blutproben der Rheumafaktor bestimmt. Da in Dänemark alle Menschen und Krankheiten zentral registriert werden, konnten alle Menschen nachbeobachtet und jene mit einer rheumatoiden Arthritis identifiziert werden.

Studienort:

Dänemark

Resultat:

  • Von 9712 Menschen wurden die Rheumafaktoren bestimmt. Die Nachbeobachtungszeit dauerte 28 Jahre; insgesamt heisst das 187 654 Personenjahre Beobachtungszeit.
  • Bei 183 Teilnehmern der Studie wurde im Verlauf eine rheumatoide Arthritis diagnostiziert, das mediane Alter bei Diagnosestellung war bei 70 Jahren.
  • Die mediane Zeit nach Blutentnahme bis zur Diagnosestellung: 15 Jahre bei denen mit einem Rheumafaktor < 25 IU/ml, 12 Jahre bei denen mit einem Wert zwischen 25 und 50 IU/ml, und 7 Jahre bei denen mit Werten über 50 IU/ml.
  • Das Risiko des Auftretens einer rheumatoiden Arthritis in Abhängigkeit vom gemessenen Wert: (verglichen mit den Menschen mit einem Rheumafaktor bis 25 IU/ml); bei Werten zwischen 25 und 50 IU/ml war das Risiko um das vierfache, bei Werten zwischen 50 und 100 IU/ml um das sechsfache und bei Werten über 100 IU/ml um das 26-fache erhöht.
  • Das höchste Risiko für eine rheumatoide Arthritis haben Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahre, Raucherin, Rheumafaktor über 100 IU/ml. Deren Risiko in den folgenden Jahren an einer rheumatoiden Arthritis zu erkranken ist 32%.
  • Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie; bisher nahm man an, dass mit zunehmendem Alter auch der Wert des Rheumafaktors ansteigt. Das konnte in dieser Studie nicht bestätigt werden.
  • Auch das Risiko an anderen Erkrankungen aus dem rheumatoiden Formenkreis zu erkranken war bei Menschen mit einem erhöhten Rheumafaktor erhöht; Sjögren Syndrom, Lupus erythematodes und Sklerodermie.

Kommentar:

  • Es ist dies die erste Studie, welche die prognostische Bedeutung eines erhöhten Rheumafaktors bei Menschen ohne Gelenkprobleme untersucht hat und klare Ergebnisse liefert.
  • Die Ergebnisse können nicht als Argument für ein breites Screening der Bevölkerung genommen werden, aber ein erhöhter Rheumafaktor sollte „im Auge“ behalten werden.

Literatur:

Nielsen SF et alii. Elevated rheumatoid factor and long term risk of rheumatoid arthritis: a prospective cohort study. BMJ 2012; 345:e5244 doi