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Für die Diagnose einer COPD braucht es eine Spirometrie

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Ermöglicht bei Patienten mit Verdacht auf eine COPD die Durchführung einer Spirometrie die Verbesserung der Prognose dieser Patienten?

Hintergrund:

Ein definierendes Kriterium der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist die Einschränkung des exspiratorischen Flusses. Dieser Nachweis wird in der Regel mit einer Lungenfunktion erbracht werden. In der Praxis wird die Lungenfunktion bei 30 bis 50% aller Patienten mit einem Verdacht auf eine COPD durchgeführt. Patienten werden allein aufgrund der klinischen Einschätzung behandelt. Dies führt zum Teil zu Über- oder Untertherapie und möglicherweise zu negativen Konsequenzen.

In dieser Studie wird untersucht ob die Durchführung einer Lungenfunktion bei Patienten mit Verdacht auf eine COPD zu einem besseren Outcome führt (verglichen zu keiner Lungenfunktion)?

Einschlusskriterien:

  • Alle Patienten älter als 43 Jahre, bei denen ein Arzt zwischen 2005 und 2012 die Diagnose einer COPD stellte. (die Definition was als „von einem Arzt gestellte Diagnose einer COPD“ genau ist, ist im Artikel detailliert beschrieben)

Ausschlusskriterien:

  • Patienten mit einer Lungenvolumenreduktionsoperation
  • Nicht versicherte Patienten

Studiendesign und Methode:

Longitudinale Studie, populationsbasiert, 2002 bis 2005 in Ontario/Kanada; die notwendigen Daten wurden aus verschiedenen Datenbanken in Ontario extrahiert. Alle Menschen sind in diesen Datenbanken erfasst.

Studienort:

Kanada

Intervention:

  • Wurde eine Lungenfunktion durchgeführt (Spirometrie vor oder nach Bronchodilatation) innerhalb einer definierten Zeit um die Diagnosestellung?

Outcome:

Primärer Outcome

  • Hospitalisation wegen COPD
  • Gesamtsterblichkeit (Zahlen zu Sterblichkeit wegen COPD sind sehr ungenau)

Resultat:

  • Fast 67000 Patienten mit einer COPD wurden in der Datenbank identifiziert.
  • Bei weniger als der Hälfte (41%) der Patienten wurde eine Spirometrie durchgeführt.
  • Unter Einschluss aller bekannter Einflussfaktoren auf den Outcome und statistischer Adjustierung dafür ist die Hospitalisationsrate bei Patienten mit einer durchgeführten Lungenfunktion um 9% tiefer als bei jenen ohne Lungenfunktion.
  • Patienten, bei denen eine Lungenfunktion gemacht wurde, erhielten mehr langwirksame Bronchodilatatoren verschrieben.
  • In einer Subanalyse fanden die Autoren noch heraus, dass die Assoziation zwischen der Durchführung einer Lungenfunktion und dem verbesserten Outcome nur bei Patienten bei denen die Diagnose in einem ambulanten Setting gestellt wurde, nachweisbar war.

Kommentar:

  • Diese Studie ist in einem ehrenhaften Journal mit relativ hohem Impact-Factor publiziert; ich erlaube mir aber doch die Frage zu stellen, was soll so eine Studie?
  • Wenn bei Patienten mit Symptomen oder klinischen Zeichen einer COPD die Diagnose einer COPD entweder verifiziert oder ausgeschlossen werden soll, dann braucht es – nach den derzeitigen diagnostischen Kriterien – die Ergebnisse einer Spirometrie.
  • Wenn man den weiteren Verlauf einer asymptomatischen COPD positiv beeinflussen kann schiene bei diesen Patienten eine Spirometrie plausibel. Wenn aber die Empfehlung mit dem Rauchen aufzuhören die einzige Massnahme ist um den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen, dann ist eine Spirometrie nicht nötig. Das weiss man auch ohne Spirometrie, dass Rauchen den Bronchien schadet.

Literatur:

Gershom A. et al. Outcomes of patients with chronic obstructive pulmonary disease diagnosed with or without pulmonary function testing. CMAJ 2107; 189: E530