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Glutamin verbessert Symptome des Reizdarmsyndroms, das nach enteraler Infektion auftrat

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Wirksamkeit und Sicherheit von Glutamin, verglichen mit Placebo, bei Patienten mit einem Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe nach enteraler Infektion

Hintergrund:

Ein Reizdarmsyndrom (Abdominalschmerzen, Blähungen) mit Diarrhoe kann die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Die therapeutischen Möglichkeiten sind beschränkt und die Wirksamkeit oft unbefriedigend. Bisher ist keine wirksame Therapie beschrieben bei Patienten mit Reizdarmsyndrom (mit Diarrhoe) das nach einem enteralen Infekt aufgetreten ist. Pathogenetisch scheint dabei eine Hyperpermeabilität der Darmwand eine Rolle zu spielen.
Glutamin ist eine Aminosäure und ist für den Energiehaushalt der Zellen relevant. Ein Mangel an Glutamin führt zu einer Atrophie des Darmwandepithels und zu einer Hyperpermeabilität. Diese Hyperpermeabilität, die Mitverursacherin des Durchfalls ist, kann mit Glutamin verringert werden.
In dieser Studie wird die Wirksamkeit von oralem Glutamin, verglichen zu Placebo, bei Patienten mit einem Reizdarmsyndrom (mit Diarrhoe), das nach einem enteralen Infekt auftrat, untersucht.

Einschlusskriterien:

  • 18 bis 72-jährige Patienten mit einem Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe, welche die Rome II Kriterien erfüllten
  • Dokumentierte enterale Infektion (klinisch; Stuhlkulturen waren nicht erforderlich) im Jahr vor Einschluss in die Studie
  • Erhöhte intestinale Permeabilität (bestimmt mit dem Laktulose/Mannitoltest; Verhältnis der Urinkonzentrationen der beiden Substanzen nach oraler Einnahme einer definierten Dosis nach einer bestimmten Zeit)

Ausschlusskriterien:

  • Inflammatorische Darmerkrankungen, Zöliakie
  • Überempfindlichkeit gegen Glutamin
  • Eingeschränkte Nieren- und/oder Leberfunktion, Schwangerschaft und noch andere

Studiendesign und Methode:

Randomisierte Studie

Studienort:

An zwei Zentren in USA

Interventionen:

  • Gruppe 1: Glutamin-Pulver, 5 g oral, drei Mal täglich, für 8 Wochen
  • Gruppe 2: Placebo-Pulver (Whey-Protein, das ist ein Molkeproteinprodukt) im gleichen Rhythmus

Outcome:

Primärer Outcome

  • Reduktion von ≥ 50 Punkten im IBS-SS (irritable bowle syndrome severity score). Eine Reduktion um 50 oder mehr Punkte wird als klinisch relevant angesehen.

Sekundäre Outcomes

  • Stuhlfrequenz, Stuhlform und intestinale Permeabilität

Resultat:

  • Fast 300 Patienten wurden gescreent, 115 wurden in die Studie eingeschlossen.
  • Das mittlere Alter lag bei gut 30 Jahren, zwei Drittel waren Frauen, der mittlere IBS-SS score lag bei 300 Punkten, die durchschnittliche Stuhlfrequenz pro Tag war etwas höher als 5.
  • Der primäre Endpunkt, eine Verbesserung des IBS-SS Scores um mehr als 50 Punkte, war bei 80% der Patienten in der Glutamin-Gruppe beobachtbar und in der Placebogruppe bei 6% der Patienten.
  • Die mittlere tägliche Stuhlfrequenz sank in der Glutamin-Gruppe von etwas mehr als 5 auf knapp unter 3; in der Placebogruppe blieb die Frequenz konstant bei über 5 Stuhlentleerungen pro Tag.
  • Ebenso verbesserte sich die Form des Stuhls in der Glutamin-Gruppe und die Permeabilität nahm deutlich ab, und blieb gleich in der Placebo-Gruppe.
  • In beiden Gruppen traten keine gravierenden Nebenwirkungen auf, die häufigsten in der Publikation angegebenen Nebenwirkungen waren Abdominalschmerzen und Blähungen. Beides sind aber auch Symptome des Reizdarmsyndroms (Bedeutung bleibt unklar).

Kommentar:

  • Bei Patienten mit einem Reizdarmsyndrom (mit Diarrhoe), das nach einer enteralen Infektion auftrat und eine Hyperpermeabilität nachweisbar war, scheint orales Glutamin einen relativ stark positiven Effekt zu haben.
  • Es werden grössere Studien folgen und dann wird sich herausstellen, ob die Wirksamkeit so gross ist wie in dieser Studie.

Literatur:

Zhou Q et al. Randomised placebo-controlled trial of dietary glutamine supplements for postinfectious irritable bowel syndrome. Gut 2018. doi: 10.1136/gutjnl-2017-315136.