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Hepatitis B Impfung führt zu langem Immunschutz

Verfasser: Eichler Klaus,

Frage:

Wie gut ist bei Kindern und jungen erwachsenen Männern der Immunschutz 10 Jahre nach erfolgter Hepatitis B Grundimmunisierung?

Hintergrund:

Hepatitis B ist eine häufige Ursache für akute und chronische Leberentzündungen, Leberzirrhose und das hepatozelluräre Karzinom. Nach WHO-Empfehlungen wird eine Hepatitis B Impfung (Grundimmunisierung) bei Kindern oder Jugendlichen empfohlen. Es gibt wenig Daten, wie lange der Immunschutz in Ländern mit niedriger Infektionsdichte anhält und ob und wann es eine Auffrischimpfung braucht.

Einschlusskriterien:

  • Zufällig ausgewählte Kinder von Hepatitis B-negativen Müttern aus neun italienischen Provinzen, die zwischen 1992 und 1993 im Rahmen der gesetzlichen Impfverordnung in Italien eine komplette Hepatitis B Grundimmunisierung erhalten hatten.
  • Alle Rekruten eines italienischen Militärstandortes, die als Jugendliche zwischen 1991 und 1994 im Rahmen der gesetzlichen Impfverordnung in Italien eine komplette Hepatitis B Grundimmunisierung erhalten hatten

Ausschlusskriterien:

  • Kinder von damals Hepatitis B-positiven Müttern
  • Personen mit unvollständigem Grundimmunisierungsschema

Studiendesign:

Querschnittstudie (zusätzlich prospektive Nachverfolgung von Boosterimpfungen)

Studienort:

Italien (Einschluss der Teilnehmer: März – Dezember 2003)

Datenerhebung:

Soziodemografische Daten via Fragebogen; Durchsicht der Impfunterlagen auf vollständiges Grundimmunisierungsschema; serologische Tests

Follow-Up:

Nachverfolgung von Boosterimpfungen (bis maximal 7 Monate nach zweiter Boosterimpfung)

Outcome:

Anteil Teilnehmer mit intaktem Immunschutz (anti-HBs ≥ 10 IU/l)

Resultat:

  • Insgesamt wurden 90% der gescreenten Kinder (1212 von 1350) und 95% der gescreenten Rekruten (446 von 468) eingeschlossen.
  • Das mittlere Alter bei Studieneinschluss betrug 10.9 Jahre für die Kinder (davon 50% Knaben) und 21.8 Jahre für die Rekruten (100% Männer).
  • Die Grundimmunisierung lag im Mittel zwischen 10.6 Jahren (Kinder) und 10.3 Jahren (Rekruten) zurück.
  • Keiner der Teilnehmer hatte in der Vorgeschichte eine Hepatitis B Erkrankung erlitten oder wies aktuell klinische Zeichen einer Hepatitis B auf.
  • 64% der Kinder (95%-CI: 61.6-67.0) und 89% der Rekruten (95%-CI: 86.4-92.1) wiesen nach mehr als 10 Jahren noch einen intakten Immunschutz (anti-HBs ≥ 10 IU/l) auf (siehe Tabelle).
Outcome

Kinder
(n=1212)
Rekruten
(n=446)

Anteil Teilnehmer mit intaktem Immunschutz
10 Jahre nach Grundimmunisierung (95%-CI)
(d.h. anti-HBs ≥ 10 IU/l)

64%
(61.6-67.0)

89%
(86.4-92.1)
  • Personen mit einem anti-HBs-Titer < 10 IU/l wurde eine Boosterimpfung angeboten. Dabei zeigten 332 (97%) von 342 Kindern und 46 (98%) von 48 Rekruten einen Anstieg des anti-HBs-Titers auf ≥ 10 IU/l innerhalb von 2 Wochen.
  • Alle 8 Personen mit nicht ausreichendem Titeranstieg, die danach noch an einer kompletten Nachimpfung teilnahmen, wiesen nach 7 Monaten einen anti-HBs-Titer von ≥ 10 IU/l auf.

Kommentar:

  • Die Studie beleuchtet ein relevantes Thema, da die Datenlage aus Bevölkerungsstudien zur Notwendigkeit einer Hepatitis B - Boosterimpfung unvollständig ist.
  • Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte nach dem Zufallsprinzip und deckte verschiedene Gebiete des Landes ab. Streng genommen gelten die Ergebnisse jedoch für im Kindesalter geimpfte Jungen und Mädchen nur bis zum Alter von etwa 10-11 Jahren und für im Jugendalter geimpfte Personen nur für Männer.
  • Die Autoren kommen zum Schluss, dass auch 10 Jahre nach der Hepatitis B Grundimmunisierung noch ein ausreichender immunologischer Schutz besteht: Es findet sich ein hoher Anteil mit anti-HBs-Titern von ≥ 10 IU/l und bei den restliche Personen spricht das meist schnelle Ansprechen der Boosterimpfung für ein intaktes immunologisches Gedächtnis. Eine generelle Boosterimpfung nach 10 Jahren scheint Ihnen auf Basis dieser Daten nicht nötig.

Literatur:

Zanetti A. et al.: Long-term immunogenicity of hepatits B vaccination and policy for booster: an Italian mulitcentre study. Lancet 2005; 366:1379-84.