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Hypothyreose: Substitution mit Schilddrüsenhormon damit der TSH-Wert im Normbereich liegt

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Risiko von kardiovaskulären Ereignissen, Frakturen und Sterblichkeit bei Patienten mit Hypothyreose und unterschiedlichen TSH-Werten unter Substitution

Hintergrund:

Bei Patienten mit einer Hypothyreose wird, gemäss den amerikanischen und europäischen Guidelines, empfohlen die Hormonersatztherapie so zu dosieren, dass die Patienten keine Symptome mehr haben und die TSH-Werte im Normbereich liegen. Der Normbereich ist relativ breit und wird als Wert zwischen 0.4 und 4.0 mIU/L definiert. Die Frage ist, ob die TSH-Werte eher an der oberen oder unteren Normgrenze liegen sollten.

Das Ziel dieser Studie ist zu untersuchen ob bei Patienten mit Hypothyreose die TSH-Werte unter Substitution mit kardiovaskulären Erkrankungen, der Sterblichkeit oder Frakturen assoziiert sind.

Einschlusskriterien:

  • Älter als 18 Jahre mit der Diagnose einer neu aufgetretenen Hypothyreose

Ausschlusskriterien:

  • Alle Patienten, die bei möglichem Einschluss in die Studie eine (dokumentierte) kardiovaskuläre Erkrankung oder eine Fraktur hatten
  • Patienten mit Hypothyreose bei dem nicht mindestens eine TSH-Bestimmung im Verlauf durchgeführt wurde

Studiendesign und Methode:

Retrospektive Studie, Studienperiode 1995 bis 2017; Daten sind aus einer Datenbank in UK mit etwa 15 Millionen Patienten aus 787 Praxen.

Studienort:

Praxen in UK

Verlaufsparameter:

  • TSH-Konzentration

 Outcomes:

  • Ischämische Herzerkrankung
  • Herzinsuffizienz
  • Schlaganfall/TIA
  • Vorhofflimmern
  • Frakturen
  • Sterblichkeit

Resultat:

  • Etwas mehr als 162 Tausend Patienten mit einer Hypothyreose und über 800 Tausend TSH-Bestimmungen konnten in die Analyse eingeschlossen werden. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 6 Jahre.
  • Ein Viertel waren Männer, das mittlere Alter aller Patienten lag bei 58 Jahren.
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen; bei TSH-Werten über 10 mIU/L ist, verglichen zu Werten von 2.5 mIU/L, das Risiko für ischämische Ereignisse und Herzinsuffizienz, signifikant erhöht; für Werte innerhalb des empfohlenen Normbereichs sind keine Unterschiede beobachtbar. Was Schlaganfälle/TIA’s betrifft waren keine relevanten Unterschiede beobachtbar.
  • TSH-Werte im tief-normalen Bereich scheinen, was die Herzinsuffizienz betrifft, einen gering protektiven Effekt zu haben.
  • Das Risiko für Frakturen war auch in der Gruppe mit TSH-Werten über 10 mIU/L, verglichen zu Werten von 2.5 mIU/L, erhöht.
  • Die Sterblichkeit war etwas erhöht in der Gruppe mit tiefen und hohen TSH-Werten, vergleichen mit Werten im mittleren Normbereich.

Kommentar:

  • Die Ergebnisse dieser Studie – und das ist die derzeit bestmögliche Evidenz – liefern keine Hinweise für ein erhöhtes Risiko kardiovaskulärer Ereignisse, Frakturen und Sterblichkeit, wenn die TSH-Werte im empfohlenen Normbereich liegen. Es gibt also keine Hinweise dafür eher höhere als tiefere Werte – innerhalb des Normbereichs – anzustreben.
  • Bei TSH-Werten über 10mIU/L steigt allerdings das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Frakturen und die Sterblichkeit.

Literatur:

Thayakaran R. et alii. Thyroid replacement therapy, thyroid stimulating hormone concentrations, and long term health outcomes in patients with hypothyroidism: longitudinal study. BMJ 2019; 366: 14892. Doi: 10.1136/bmj.14892.