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Infektionsrisiko ist bei Patienten mit Polymyalgia rheumatica oder Riesenzellarteriitis unter Therapie mit Glukokortikoiden erhöht

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Inzidenz von Infektionen unter Therapie mit Glukokortikoiden bei Patienten mit Polymyalgia rheumatica oder Riesenzellarteriitis?

Hintergrund:

Patienten mit einer Polymyalgia rheumatica oder Riesenzell-Arteriitis werden über längere Zeit, teilweise über Jahre, mit Glukokortikoiden, teilweise in hoher Dosierung, behandelt. Diese Behandlung richtet sich gegen die der Krankheit zu Grunde liegende Entzündung und lindert die Symptome. Ein unerwünschter Effekt dieser Therapie sind Infektionen. 
Die Polymyalgia rheumatica und Riesenzell-Arteriitis sind die beiden häufigsten Krankheiten, bei denen eine Langzeittherapie mit Glukokortikoiden indiziert ist. 
Diese Studie berichtet über das Risiko von Infektionen, die durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten ausgelöst werden. Bisher gibt es keine umfassende Studie zu dieser Fragestellung.

 Einschlusskriterien:

  • Alle Patienten älter als 18 Jahre, die mindestens ein Jahr in der Datenbank eines Grundversorgers registriert waren mit der Diagnose einer Polymyalgia rheumatica oder Riesenzell-Arteriitis.

Studiendesign und Methode:

Daten für diese Studie wurden verschiedenen Datenbanken in England entnommen; der Datenbank der Grundversorgung (Clinical Practice Research Datalink) und Spital-basierte Datenbanken. Validierungsstudien belegen, dass der Grad an Korrektheit der Diagnosen hoch ist und auch die verschriebenen Medikamente korrekt registriert sind. Neben den Diagnosen und den Glukokortikoid-Dosierungen wurden weitere Informationen zu Alter, Geschlecht, Ethnie, BMI, sozio-ökonomischer Status, Komorbiditäten, Einnahme anderer Medikamente, und Impfstatus erfasst.

Studienort:

England

Outcomes:

  • Auftreten einer ersten Infektion

Resultat:

  • Fast 40 Tausend Patienten mit einer Polymyalgie rheumatica oder einer Riesenzellarteriitis, oder beiden Erkrankungen (7% aller Patienten) wurden in die Auswertung der Daten eingeschlossen.
  • Etwas mehr als zwei Drittel waren Frauen, das mittlere Alter lag bei 73 Jahren.
  • Die mediane, kumulative Dosis von Glukokortikoiden in der Beobachtungsphase betrug 3’452 mg.
  • 56% aller Patienten erkrankten während der Beobachtungsphase an einem Infekt. Die Beobachtungsdauer betrug im Median 4.8 Jahre (Patienten erhielten aber nicht während dieser ganzen Zeit Glukokortikoide).
  • Die Inzidenz aller Infekte betrug 161 Infekte/1’000 Patientenjahre.
  • Die häufigsten Infekte waren Infekte der unteren Atemwege (27%), Konjunktividen (9%), und Herpes Zoster (7%).
  • Ein Viertel aller Patienten mit einem Infekt wurde hospitalisiert; zum Zeitpunkt der Diagnose des Infektes oder innerhalb der ersten Woche nach Diagnose des Infektes.
  • 9% der Patienten verstarben innert der ersten 30 Tage nach Diagnose des Infektes; die häufigsten Todesursachen infolge eines Infektes waren Pneumonie (53%), Harnwegsinfekt (3%) und Peritonitis (2%).
  • Die Inzidenz der Infekte korrelierte mit der täglich eingenommenen Dosis; in Zeiten, in denen Patienten keine Glukokortikoide einnahmen betrug die Infekt-Inzidenz 13%/Jahr, bei einer Dosierung bis 4.9 mg/Tag 18%/Jahr und bei einer Dosis über 25 mg/ 36%.

Kommentar:

  • Diese Studie zeigt, dass in Phasen in denen Patienten Glukokortikoide einnehmen das Risiko für einen Infekt um 50% (relativ) höher ist als in den Phasen, in denen sie keine Glukokortikoide einnehmen.
  • Diese Studie liefert auch Hinweise, dass die Höhe des Risikos dosisabhängig ist und auch schon bei einer geringen Dosierung bis 5mg/Tag das Risiko einer Infektion erhöht ist.

Literatur:

Wu J et alii. Incidence of infections associated with oral glucocorticoid dose in people diagnosed with polymyalgia rheumatica or giant cell arteritis: a cohort study in England. CMAJ 2019; 191: E680-8.doi: 10.1503/cmaj.190178.