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Interferon alfa-2b ist wirksam zur Behandlung der akuten Hepatitis C.

Verfasser: Michael Koller,

Frage:

Können durch eine frühe Interferon-Therapie der akuten Hepatitis C Übergänge in die chronische Verlaufsform reduziert werden?

Epidemiologischer Hintergrund:

50-84% der Fälle mit akuter Hepatitis C werden chronisch und ca. 10-30% entwickeln eine Leberzirrhose. Durch die Kombinationstherapie mit Interferon-alfa- 2b und Ribavirin kann in 54-56% der Fälle das HCV-Virus bei der chronischen Hepatitis eliminiert werden.

Einschlusskriterien:

  • 18-65 jährige Patienten mit akuter Hepatitis C: Nachweis von HCV-RNA mittels PCR und erhöhten Serum-Transaminasen.
  • Definition der akuten Hepatitis C: Vorliegen mindestens einer der untenstehenden Punkten: Bekannter oder vermuteter Kontakt mit dem Hepatitis C-Virus innerhalb der letzten 4 Monate. Dokumentierte Serokonversion im HCV-Antikörpertest ALT-Wert >350 U/Liter bei dokumentiertem normalem Wert im letzten Jahr.

Ausschlusskriterien:

  • Toxische Hepatitis oder Infektion mit anderen Hepatitis verursachenden Viren.
  • Andere Lebererkrankungen oder dekompensierte Leberzirrhose.
  • Anämie, Leukopenie oder Thrombocytopenie.
  • Niereninsuffizienz (Serum-Kreatinin> 130 mmol/L), Manifeste Schilddrüsenerkrankung, HIV-Co-infektion, Co-Infektion mit anderen Hepatitis-verursachenden Viren. Autoimmunerkrankungen, psychiatrische Erkrankungen, Zustand nach Organ-Transplantation, Drogen- oder Alkoholabusus.

Studiendesign:

Fall-Serie.

Studienort:

Deutschland. Studiendauer 1998 bis 2001.

Intervention:

  • 5 Mio. IE Interferon alfa-2b s.c. täglich während 4 Wochen, gefolgt von 3 Injektionen pro Woche mit derselben Dosis während 20 Wochen.

Outcome:

Primärer Outcome 

  • anhaltender Virusnachweis mittels PCR (HCV detektierbar) bis 24 Wochen nach Behandlungsende, im Vergleich zum Ausgangswert vor Therapiebeginn.

Sekundär:

  • HCV im Serum nicht detektierbar mittels PCR am Therapieende und Normalisierung der ALT-Werte, im Vergleich zu den Ausgangswerten vor Therapiebeginn.
  • Evaluation zum Zeitpunkt 0, nach2, 4, 12, 24 Wochen sowie 24 Wochen nach Therapieende.

Resultat:

  • 44 Patienten wurden eingeschlossen. 1 Patient unterbrach die Behandlung nach 12 Wochen wegen Haarausfall und Grippesymptomen. 43 Patienten schlossen die Studie gemäss Protokoll ab.
  • Durchschnittsalter 36 ± 11 Jahre. 57% waren Frauen und 68% hatten einen Ikterus. Transmission: 32% Nadelstichverletzung, 23% Sexualkontakte, 20% i.v.-Drogengebrauch, 16% via Operationsinstrumente, 9% unklar
  • Alle Patienten hatten erhöhte ALT-Werte. Bei 52% konnte eine Serokonversion festgestellt werden.
  • Bei allen Patienten verschwand das Virus im Blut während der Behandlungsdauer (24 Wochen). Im Durchschnitt geschah dies nach 3.2 (2-12 Wochen). Am Ende der Beobachtungsdauer (nach 48 Wochen) war das HC-Virus bei 42 von 43 Patienten nicht nachweisbar (98%), resp. zwei von 44 Patient hatte einen „relapse“, einer von diesen Patienten hatte die Studie vorzeitig beendet.
  • Nach 24 Wochen hatten 80% normale ALT-Werte, 20% eine leichte ALT-Erhöhung (< 2 fache der oberen Norm). Nach 48 Wochen hatten alle 42 Patienten ohne detektierbare HCV-Kopien normale ALT-Werte im Serum.
  • Schwere Nebenwirkungen traten keine auf. Ebenfalls war die Inzidenz von Nebenwirkungen während der täglichen Interferon-Gabe innerhalb der ersten 4 Wochen nicht häufiger als 3 Injektionen pro Woche verabreicht wurden. Bei allen Patienten kam es zu einer leichten, nach Therapieende reversiblen Thrombo-und Leukocytopenie.

Kommentar:

  • In dieser Fallserie konnte durch die Therapie der akuten Hepatitis C mit Interferon alfa-2b bei 98% der Patienten eine über den Zeitraum von 48 Wochen anhaltende Remission erreicht werden.
  • Der Übergang der akuten Hepatitis C in eine chronische Form kann durch die frühe Interferontherapie möglicherweise verhindert werden.
  • Da es bei dieser Fall-Serie keine mit Placebo behandelte Kontrollgruppe gibt, weiss man nicht, wie effektiv die Behandlung wirklich ist. Wir wissen nicht wie viele Patienten auch ohne Behandlung genesen wären. Um den Therapieeffekt abzuschätzen braucht es die randomisierte kontrollierte Studie. Bei einer Fallserie mit relativ geringen Fallzahlen kann zudem ein Selektionsbias (versehentliche Selektion von Patienten mit besserer Prognose) erheblich ins Gewicht fallen. Ein weiteres Problem an solchen Fallserien ist, dass eine spätere randomisierte Studie zu diesem Thema ethisch schwer vertretbar sein wird und zur Abschätzung des Therapieeffekts nur der Vergleich mit einer historischen Kontrollgruppe in Frage kommt.

Literatur:

Jaeckel, E. Treatment of Acute Hepatitis C with Interferon Alfa-2b N Engl J Med 2001 0: 112321-1