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Karpaltunnelsyndrom: Steroidinjektionen haben ein Kurzzeiteffekt, verhindern aber Operationen nicht

Verfasser: Johann Steurer ,

Frage:

Kurz- und Langzeiteffekte einer Injektion von Steroiden bei Patienten mit Karpaltunnelsyndrom?

Hintergrund:

Viele Patienten mit einem Karpaltunnelsyndrom werden operiert. Eine nicht-operative Therapie, wenn sie wirksam wäre, würde von vielen bevorzugt werden. Drei Viertel der Handchirurgen in USA gaben bei einer Umfrage an bei Patienten mit einem Karpaltunnelsyndrom Steroide zu injizieren. Es gibt zwei randomisierte Studien, die zeigten, dass ein Monat nach Injektion ein positiver Effekt der Steroide vorhanden ist. Ergebnisse über einen längeren Beobachtungszeitraum gibt es nicht. In dieser Studie wird die Wirksamkeit von zwei unterschiedlichen Dosen von Methylprednisolon evaluiert.

Einschlusskriterien:

  • Von Grundversorger zugewiesen an ein orthopädisches Zentrum
  • 18 bis 70 Jahre, idiopathisches Karpaltunnelsyndrom (Katz Kriterien)
  • nicht erfolgreiche Behandlung (2 Monate) mit einer Handgelenksschiene
  • Neuropathie (Nervenleitgeschwindigkeit) des N.medianus, wenn kein Schaden des N.medianus vorhanden, dann Untersuchung und Bestätigung der Diagnose durch zwei Handchirurgen.  

Ausschlusskriterien:

  • Frühere Steroidinjektionen, Atrophie der Thenar-Muskulatur
  • Sensibilitätsverlust, Diabetes mellitus,
  • Frühere Operation eines Karpaltunnelsyndroms, gleiche Seite oder Gegenseite

Studiendesign und Methode:

Randomisierte Studie

Studienort:

Schweden

Interventionen:

  • Gruppe 1: Methylprednisolon 40 mg und 1ml Lidocaine
  • Gruppe 2: Methylprednisolon 80 mg und 1ml Lidocaine
  • Gruppe 3: Placebo-Injektion und 1ml Lidocaine
  • Den Teilnehmern wurde gesagt, dass sie 3 Monate nach Einschluss in die Studie operiert werden können, wenn die Beschwerden nicht bessern. Fünf Wochen nach der Injektion wurde ein telefonisches Interview durchgeführt, ärztliche Konsultationen nach 10, 24 und 52 Wochen.

Outcome:

Primärer Outcome

  • Karpaltunnel (CTS) – Symptom Schweregrad Score
  • Operationsrate nach einem Jahr

Sekundäre Outcomes

  • Zeit bis zur Operation
  • Veränderung im CTS-Symptom Schweregrad Score nach einem Jahr
  • Verschiedene Scores zur Messung der Behinderung und Lebensqualität
  • Zufriedenheit mit der Behandlung nach 10 Wochen und einem Jahr

Resultat:

  • 111 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen, in jeder Gruppe waren 37 Patienten, das mittlere Alter lag bei gut 45 Jahren, 70% der Studienteilnehmer waren weiblich.
  • In beiden Gruppen die eine Prednisoninjektion erhielten waren die Beschwerden nach 10 Wochen signifikant besser; zwischen den beiden Gruppen mit Steroiden lag kein signifikanter Unterschied vor. Der Effekt der Steroide ist auch klinisch relevant, nicht nur statistisch signifikant.
  • Nach einem Jahr liessen sich in der 80 mg Prednisongruppe 73% der Patienten operieren, in der 40 mg Prednisongruppe 81% und in der Plazebogruppe 92%. Signifikant war der Unterschied nur zwischen der 80 mg und der Placebogruppe.
  • Beide Gruppen, die Steroide erhielten, hatten, verglichen mit Placebo, nach 10 Wochen weniger starke Behinderungen und eine bessere Lebensqualität. Nach einem Jahr war der Unterschied nicht mehr feststellbar.
  • Schwere Nebenwirkungen oder Komplikationen der Injektionen traten nicht auf.

Kommentar:

  • Steroidinjektionen bei Patienten mit einem Karpaltunnelsyndrom haben für kurze Zeit (zwei bis drei Monate) einen positiven Effekt auf die Beschwerden; auf die Operationshäufigkeit haben Steroidinjektionen aber keinen oder nur einen minimalen Effekt.

Literatur:

Atroshi I et al. Methylprednisolone injections for the carpal tunnel syndrome. Ann Intern Med. 2013;159:309-17.