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Kein spezifischer Effekt der arthroskopischen Meniskektomie bei nicht traumatischer Meniskusläsion

Verfasser: Johann Steurer ,

Frage:

Effektivität einer arthroskopischen Teil-Meniskektomie, verglichen mit einer Scheinoperation, bei Patienten mit nicht traumatischem Meniskusriss aber ohne Kniearthrose?

Hintergrund:

Arthroskopische Teil-Meniskektomien sind die häufigsten orthopädischen Eingriffe. Das Ziel dieses Eingriffs ist Symptome zu lindern, die als Folge eines Meniskusrisses interpretiert werden. Die Anzahl arthroskopischer Eingriffe zur Behandlung der Kniearthrose mit und ohne Meniskusläsionen ist in den letzten Jahren stark gesunken. Zwei randomisierte Studien kamen zum Ergebnis, dass der Nutzen des arthroskopischen Eingriffs minim bis fehlend ist. Die Anzahl arthroskopischer Teil-Meniskektomien bei Menschen ohne Arthrose im Knie ist dagegen stark angestiegen.

In dieser Studie wird der Effekt der Teil-Meniskektomie im Vergleich zu einer Scheinoperation bei Patienten ohne Kniearthrose verglichen.

Einschlusskriterien:

  • 35 bis 65 Jahre alt, Patienten mit Knieschmerzen über drei Monate andauernd, die auf konservative Therapie nicht besserten.
  • klinische Zeichen, die mit einem Meniskusriss vereinbar sind
  • nachgewiesener Meniskusriss im MRI

Ausschlusskriterien:

  • Patienten, bei denen die Schmerzen durch ein Trauma ausgelöst wurden (z.B. Sporttrauma)
  • Patienten mit einer Kniearthrose (entweder definiert nach den Kriterien des American College of Rheumatology, oder radiologische Kriterien; Patienten mit Kellgren-Lawrence höher als Grad 1).

Studiendesign und Methode:

Randomisierte Studie; Patienten sind verblindet

Studienort:

Fünf orthopädische Kliniken in Finnland

Interventionen:

  • Bei jedem Patienten wurde eine diagnostische Arthroskopie durchgeführt und das mediale, laterale und patello-femorale Gelenkssegment inspiziert und die pathologischen Veränderungen klassifiziert. Während der diagnostischen Arthroskopie wurden die Patienten in eine der beiden Gruppen randomisiert.
  • Gruppe 1: partielle Meniskektomie
  • Gruppe 2: Scheinoperation, das heisst es wurde die diagnostische Arthroskopie durchgeführt

Outcome:

Primärer Outcome

  • Knieschmerzen (0 bis 10) nach Anstrengung (in den vergangenen 7 Tagen) und der Lysholm Knie-Score (0 bis 100); beide 12 Monate nach dem Eingriff.
  • Meniskus-Spezifischer Fragebogen zur Lebensqualität (WOMET)(Score zwischen 0 und 100)

Sekundäre Outcomes

  • Die gleichen drei Outcomes wie beim primären Outcome 2 und 6 Monate nach dem Eingriff
  • Knieschmerzen in Ruhe nach 12 Monaten

Resultat:

  • Von 205 Patienten, welche primär die Einschlusskriterien erfüllten konnten aus verschiedenen aber verständlichen Gründen 59 nicht in die Studie eingeschlossen werden; es verbleiben somit 146 Patienten, bei 70 wurde eine Teil-Meniskektomie durchgeführt, bei 76 wurde eine Scheinoperation durchgeführt.
  • Das mittlere Alter der Studienteilnehmer betrug 52 Jahre; 60% waren Männer, die mediane Dauer der Knieschmerzen lag bei 10 Monaten.
  • Weder bei den primären noch den sekundären Outcomes konnte eine Differenz zwischen den echt-operierten und den schein-operierten Patienten aufgezeigt werden. In beiden Gruppen trat eine deutliche Besserung der Beschwerden ein. Auch 2 und 6 Monate nach dem Eingriff war zwischen den beiden Gruppen kein Unterschied feststellbar.

Kommentar:

  • Das Ergebnis dieser Studie ist, dass eine arthroskopische Teil-Meniskektomie bei Patienten ohne Kniearthrose mit einem Meniskusriss im Vergleich zu einer Scheinoperation keinen Unterschied in patientenrelevanten Outcomes macht.
  • Ausgeschlossen aus dieser Studie waren aber Patienten mit einer traumatischen Meniskusläsion.

Literatur:

Shivonen R et al. Arthroscopic partial meniscectomy versus sham surgery for a degenerative meniscal tear. New Engl J Med 2013;369:2515-24