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Keine Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen durch Antioxidantien bei Frauen

Verfasser: Spaar Anne,

Frage:

Hat die Einnahme von Vitamin C, Vitamin E und Beta-Karotin, einzeln und kombiniert, einen positiven Effekt für die Sekundärprävention von kardiovaskulären Ereignissen bei Hochrisikopatientinnen?

Hintergrund:

Obwohl verschiedene Beobachtungsstudien den protektiven Effekt von Antioxidantien auf kardiovaskuläre Erkrankungen unterstützen, konnten randomisierte Studien bisher keinen Effekt von Antioxidantien auf kardiovaskuläre Erkrankungen zeigen. Interaktionen verschiedener Antioxidantien und Vitamin C als Einzelsubstanz wurden bisher wenig untersucht.

Einschlusskriterien:

Frauen, die

  • Mindestens 40 Jahre alt waren
  • Postmenopausal waren oder keine Schwangerschaftsintentionen hatten
  • St.n. kardiovaskulären Ereignissen oder mindestens 3 kardiovaskuläre Risikofaktoren hatten (Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes mellitus, Eltern mit Status nach Myokardinfarkt vor dem 60. Lebensjahr, Adipositas (BMI ≥30), Raucher).

Ausschlusskriterien:

Frauen mit

  • Status nach Karzinomleiden (ausgenommen nicht-melanotischer-Hautkrebs) in den letzten 10 Jahren
  • Schwerer, nicht kardiovaskulärer Erkrankung
  • Aktuellem Gebrauch von Antikoagulantien

Studiendesign:

Randomisiert placebokontrollierte Studie (The Women`s Antioxidant Cardiovascular Study)

Studienort:

USA

Intervention:

8 verschiedene Gruppen mit jeder möglichen Tablettenkombination aus Vitamin C (500 mg täglich/Placebo Vitamin C, Vitamin E (600 IU jedem 2. Tag)/Placebo Vitamin E und Beta-Karotin (50 mg jeden 2. Tag)/Placebo Beta-Karotin (2x2x2 faktorielles Design). Somit gab es eine Gruppe, die nur Placebo bekam, eine Gruppe, die alle aktiven Medikamente einnahm und die verschiedenen Abstufungen dazwischen.

Outcome:

Primärer Outcome:

  • Kombinierter Outcome von kardiovaskulärer Morbidität (Myokardinfarkt, Schlaganfall, koronare Revaskularisierungseingriffe) und kardiovaskulärer Mortalität.

Sekundärer Outcome:

  • Die oben genannten Outcomes wurden ebenso als individuelle Komponenten untersucht.

Resultat:

  • 8171 Patientinnen konnten randomisiert werden. Die Frauen waren im Schnitt 61 Jahre alt.
  • Die mittlere Follow-up Dauer betrug 9.4 Jahre. In dieser Zeit erlitten 1450 Frauen ein- oder mehrere kardiovaskuläre Ereignisse, davon 274 Myokardinfarkte, 298 Schlaganfälle, 889 koronare Revaskularisierungseingriffe und 395 kardiovaskuläre Todesfälle. 995 Frauen starben während des Follow-ups.
  • Vitamin C hatte weder einen Einfluss auf den kombinierten Outcome (RR 1.02, 95% CI 0.92-1.13, p=0.71) noch auf die individuellen Komponenten (RR 0.95, 95% CI 0.83-1.09, p=0.47).
  • Vitamin E hatte keinen Einfluss auf den kombinierten Outcome (RR 0.94, 95% CI 0.85-1.04, p=0.23).

Wurde die Analyse auf die Patienten mit guter Compliance beschränkt, zeigte sich eine statistisch signifikante Reduktion des primären kombinierten Outcomes um 13% (RR 0.87, 95% CI 0.76-0.99, p=0.04), eine Reduktion von Schlaganfällen um 27% (RR 0.73, 95% CI 0.54-0.98, p=0.04) und eine Reduktion des kombinierten Outcomes Mykardinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskuläre Mortalität um 23% (RR 0.77, 95% CI 0.64-0.92, p=0.005).

In der Subgruppe der Patientinnen mit Status nach kardiovaskulärer Erkrankung zeigte die Einnahme von Vitamin E eine signifikante Reduktion des kombinierten Outcome (RR 0.89, 95% CI 0.79-1.00, p=0.04).

  • Beta-Karotin hatte weder einen Einfluss auf den kombinierten Outcome (RR 1.02, 95% CI 0.92-1.13, p=0.71) noch auf die individuellen Komponenten (Assoziationswerte und Präzisionswerte nicht angegeben). Wurden die Patienten mit schlechter Compliance ausgeschlossen, zeigte sich eine statistisch signifikante Zunahme in der kardiovaskulären Mortalität (RR 1.48, 95% CI 1.08-2.02, p=0.02).
  • Hinsichtlich Wirkungsinteraktionen von mehreren Antioxidantien zeigte nur die Kombination von Vitamin C und Vitamin E hinsichtlich Schlaganfallhäufigkeit eine positive signifikante Interaktion (RR 0.69, 95% CI 0.49-0.98, p=0.04).

Kommentar:

  • Die Autoren schliessen aus den Resultaten, dass die Einnahme von Vitamin C, Vitamin E und Beta-Karotin, einzeln oder in Kombination (mit der erwähnten Ausnahme für Vitamin C und E auf Schlaganfallhäufigkeit), keinen Einfluss auf das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen bei Hochrisiko-Patientinnen hat.
  • Diese Ergebnisse entsprechen den Resultaten früherer Studien.
  • Es konnte zwar für Patientinnen mit guter Compliance ein positiver Effekt von Vitamin E und Beta-Karotin gezeigt werden, da aber keine Angaben über die Charakteristika noch die Anzahl dieser Patientinnengruppe gegeben wurde, kann nicht nachgeprüft werden, ob diese Ergebnisse valide sind.
  • Ob Vitamin E eine Rolle in der sekundären Prävention bei Frauen mit Status nach kardiovaskulärer Erkrankung haben könnte, muss von weiteren Studien geprüft werden.

Literatur:

  • Cook NR et. al: A randomized factorial trial of vitamins C and E and beta carotene in the secondary prevention of cardiovascular events in women: results from the Women's Antioxidant Cardiovascular Study. Arch Intern Med. 2007 Aug 13-27;167(15):1610-8.