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Korrekte »Patientenschulung« verbessert bei Patienten mit COPD die Lebensqualität und reduziert Exazerbationen

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Wirksamkeit – gemessen an der Lebensqualität und der Exazerbationsrate – einer korrekten »Schulung« von Patienten mit COPD?

Hintergrund:

Die Betreuung von Patienten mit einer chronisch, obstruktiven Bronchitis (COPD) beschränkt sich in der Praxis oft nur auf die Information des Patienten über seine Krankheit, die Verschreibung von Medikamenten und die Behandlung von akuten Exazerbationen. Bei chronischen Erkrankungen, wie der COPD, ist eine alleinige Vermittlung von Informationen an den Patienten nicht ausreichend und es besteht Verbesserungspotential.

Wichtig ist die Instruktion oder die Ausbildung des Patienten zum Selbst-Management und zur Veränderung seines Verhaltens. Die Patienten sollen Selbst-Management-Fähigkeiten erwerben und diese im täglichen Leben auch anwenden können. Bereits in einer anderen Studie mit einem heterogenen Patientenkollektiv (hospitalisierte Patienten mit unterschiedlichen Schweregraden der COPD) wurden positive Effekte – Reduktion von Exazerbationen und Verbesserung der Lebensqualität – aufgezeigt.

Das Ziel dieser Studie ist den Effekt eines Bündels an Interventionen (‘Living well with COPD’) zur Verbesserung des Selbst-Managements bei Patienten in der Grundversorgerpraxis zu untersuchen.

Einschlusskriterien:

  • Über 40 Jahre alt mit einer Nikotinabusus von mehr als 10 ‘packyears’
  • In der Spirometrie bestätigte Diagnose einer COPD (FEV1/FVC ≤ 0.7 und nach Gabe eines Bronchodilatators weniger als 12% oder weniger als 200ml Zunahme des FEV1)
  • Deutschsprechend; möglich an wöchentlichen Trainingssitzungen im Verlauf von 6 Wochen teilzunehmen

Ausschlusskriterien:

  • Schwere psychiatrische oder andere Erkrankungen

Studiendesign und Methode:

Vergleichende, nicht randomisierte Studie; Verglichen wurde der Outcome zwischen Patienten der Grundversorgung in der Schweiz und Patienten einer Studie, die in der Schweiz und den Niederlanden in der Grundversorgung durchgeführt wurde (‘ICE COLD ERIC’). Die Einschlusskriterien waren in beiden Gruppen gleich

Studienort:

Grundversorgerpraxen in der Schweiz und in den Niederlanden

Interventionen:

  • Gruppe 1: Intervention nach dem Programm des ‘Living well with COPD Programms’ (JAMA 2002; 288: 1909-1914) mit den Dimensionen von Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten und Stärkung des Vertrauens und der Motivation das Verhalten zu ändern.
  • Gruppe 2: keine spezifische Intervention, »gewöhnliche« Behandlung der Patienten

Outcome:

Primärer Outcome

  • Lebensqualität, erfasst mit dem Chronic Respiratory Questionnaire (CRQ)

Sekundäre Outcomes

  • Moderate oder schwere Exazerbationen
  • Anzahl Patienten, die mit dem Rauchen aufgehört haben
  • Self-Efficacy (nicht in der Kontrollgruppe)

Resultat:

  • 467 Patienten, 71 in der Interventionsgruppe (Gruppe 1) und 396 in der Kontrollgruppe (Gruppe 2).
  • Das mittlere Alter lag bei 68 Jahren, in Gruppe 2 waren mehr Männer (57%), in Gruppe 1 39%. Patienten in Gruppe 1 hatten zu einem grösseren Anteil Exazerbationen im vergangenen Jahr (72% vs. 22%).
  • Beim primären Outcome, der Lebensqualität nach einem Jahr, zeigte sich in der Interventionsgruppe ein klinisch relevantes und statistisch signifikant besseres Ergebnis als in der Kontrollgruppe.
  • Die Anzahl Exazerbationen nach 2 Jahren war in der Interventionsgruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe.
  • Die Anzahl Patienten, die mit dem Rauchen aufhörte, war in der Interventionsgruppe niedriger als in der Kontrollgruppe – der Unterschied war aber statistisch nicht signifikant.
  • Selbst-Management: eine signifikante Besserung, verglichen mit Baseline, trat in folgenden Dimensionen auf: Vertrauen eine Verschlechterung des Gesundheitszustands frühzeitig zu erkennen, Inhalationen korrekt durchzuführen und den Aktionsplan korrekt anzuwenden.

Kommentar:

  • Die Ergebnisse dieser Studie sind ein klarer Hinweis auf die Wirksamkeit der Intervention um das Selbst-Management zu verbessern und damit die Lebensqualität der Patienten zu steigern und die Anzahl Exazerbationen zu reduzieren.
  • Da diese Intervention der »Patientenschulung« von den Krankenkassen nicht vergütet wird, wird die Implementierung in der Praxis eher selten passieren.

Literatur:

Steurer-Stey C et al. Effects of the »Living well with COPD« intervention in primary care: a comparative study.