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Lebensqualität bei Patienten mit Vorhofflimmern: Katheter-Ablation ist der medikamentösen Therapie überlegen

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Effekt der Behandlung – Katheter-Ablation versus medikamentöse Behandlung – auf die Lebensqualität von Patienten mit Vorhofflimmern

Hintergrund:

Vor etwas mehr als 20 Jahren wurde bei Patienten mit einem Vorhofflimmern zum ersten Mal die Katheter-Ablation durchgeführt. Zu Beginn wurde diese Methode nur bei Patienten mit einem medikamentös nicht konvertierbaren Vorhofflimmern eingesetzt, später hat sich die Indikation dann ausgeweitet. Aufgrund der ersten Ergebnisse an einem ausgewählten Patientenkollektiv nahm man an, dass es sich bei der Ablation um eine kurative Therapie handelt. In späteren Studien hat sich dies nicht bestätigt und seither wird das Augenmerk in der Forschung nicht mehr nur auf die Heilungsrate, sondern auch auf die Lebensqualität gelenkt.
In dieser Arbeit wird der Effekt der Katheter-Ablation, verglichen zur medikamentösen Therapie, auf die Lebensqualität der Patienten untersucht.

Einschlusskriterien:

  • Patienten älter als 65 Jahre oder jünger als 65 Jahre mit mindestens einem Risikofaktor für einen Schlaganfall (Hypertonie, Herzinsuffizienz, Diabetes, Schlaganfall in der Anamnese, andere Herzkrankheiten) mit
  • zwei oder mehr Episoden von paroxysmalem Vorhofflimmern (im EKG dokumentiert) oder eine Episode permanenten Vorhofflimmerns in den sechs Monaten vor Einschluss in die Studie 

Ausschlusskriterien:

  • Katheter-Ablation in der Anamnese
  • Patienten, bei denen eine Therapie mit zwei oder mehr Antiarrhythmika kein Therapieerfolg erzielt wurde

Studiendesign und Methode:

Randomisierte Studie

Studienort:

126 Kliniken in 10 Ländern

Interventionen:

  • Gruppe 1: Katheter-Ablation (Isolierung der Pulmonalvene und Ablationsmethode nach Wahl des behandelnden Arztes)
  • Gruppe 2: antiarrhythmische Medikamente (Frequenz- und Rhythmuskontrolle) nach Empfehlungen in Guidelines und Wahl des behandelnden Arztes

Outcome:

  • Lebensqualität (mit zwei unterschiedlichen Fragebogen erfasst, die spezifisch für Patienten mir Vorhofflimmern entwickelt wurden)

Resultat:

  • 2’204 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen; das mediane Alter betrug 68 Jahre, fast zwei Drittel waren Männer, der mediane BMI lag bei 30, über 80% hatten Hypertonie, ein Viertel Diabetes.
  • 40% der Patienten waren schon einmal wegen Vorhofflimmern hospitalisiert, bei gut einem Drittel wurde schon einmal eine Elektrokonversion durchgeführt, 82% hatten ein Medikament zur Rhythmuskontrolle und fast zwanzig Prozent erhielten zwei Medikamente.
  • Ein Jahr nach Randomisierung hatten Patienten Vorhofflimmern oder gaben an im vergangenen Monat Vorhofflimmern gehabt zu haben: 21% in der Katheter-Ablationsgruppe und 40% in der medikamentös behandelten Gruppe; nach 5 Jahren waren dies 25% versus 35%.
  • Nach einem Jahr war die Lebensqualität, erfasst mit beiden Instrumenten, in der mit Katheter-Ablation behandelten Gruppe signifikant besser als in der medikamentös behandelten Gruppe. Der Unterschied war sowohl statistisch als auch klinisch signifikant.
  • In einer weiteren Publikation (JAMA.doi:10.1001/jama.2019.0693) wurden die Ergebnisse dieser Studie zu Morbidität und Mortalität berichtet. Erfasst wurde die Wirksamkeit mit einem kombinierten Endpunkt, zusammengesetzt aus Tod, Schlaganfall, relevante Blutung, Herzstillstand. Bei diesem Outcome war kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungen beobachtbar (8.2% versus 9% nach 4 Jahren).

Kommentar:

  • Diese Studie liefert Hinweise, dass bei Patienten mit Vorhofflimmern mit einer Katheter-Ablation die Lebensqualität mehr (in relevantem Ausmass) verbessert werden kann als mit einer medikamentösen Behandlung.
  • Das Ergebnis dieser Studie ist kongruent mit den Ergebnissen einer anderen, kürzlich publizierten Arbeit. (JAMA.doi:10.1001/jama.2019.0335)

Literatur:

Mark D B et al. Effect of Catheter Ablation vs Medical Therapy on Quality of Life Among Patients With Atrial Fibrillation. The CABANA Randomized Clinical Trial. JAMA.doi:10.1001/jama.2019.0692