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Leberzirrhose bei viraler Hepatitis: Einfluss von Interferon-a auf die Progression von der Zirrhose zum hepatozellulären Karzinom

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Leberzirrhose bei viraler Hepatitis: Einfluss von Interferon-a auf die Progression von der Zirrhose zum hepatozellulären Karzinom

Patienten:

  • 637 Patienten mit chronisch viraler Hepatitis und kompensierter Leberzirrhose (Child A), histologisch gesichert
  • Normalwerte für Thrombozyten, Bilirubin, Albumin und Quick
  • HbsAg positiv, anti HCV positiv oder beides positiv
  • Während der Beobachtungszeit mindesten einmal jährlich ein Ultraschall der Leber und eine a1-Fetoproteinbestimmung
  • Patienten, die nicht mit Interferon behandelt wurden, mit einer Nachbeobachtungszeit von mindestens 3 Jahren
  • Patienten, die mit Interferon behandelt wurden, wurden nur eingeschlossen, wenn über mindestens 3 Monate dreimal wöchentlich 3 x 106 IU Interferon erhielten und über mindestens drei Jahre weiter beobachtet wurden

Studiendesign:

retrospektive Kohortenstudie

Studienort:

21 Zentren in Italien und Argentinien

Outcome:

Relatives Risiko für Leberzellkarzinome (LZK)

Resultate:

  • höheres Alter, männliches Geschlecht und Zeichen der portalen Hypertension sind mit einer höheren Inzidenz von Leberzellkarzinomen assoziiert
  • Relatives Risiko eines hepatozellulären Karzinoms bei allen Patienten 
Anzahl Pat. mit Progression zu einem LZK Relatives Risiko
(95 % CI)
Behandelt (n=281) Unbehandelt (n=356)
Alle Patienten 10.3 % 18.5 % 1.99 (1.09 - 3.64)
Hepatitis B positiv 16 % 19 % 0.98 (0.33 - 2.92)
HCV positiv 9.1 % 18.5 % 3.14 (1.46 - 6.80)

Relatives Risiko eines hepatozellulären Karzinoms bei Patienten mit Hepatitis C Infektion 

Anzahl Pat. mit Progression zu einem LZK Relatives Risiko
(95 % CI)
Behandelt
(n=201)
Unbehandelt (n= 250)
Alle Patienten mit HCV 9.5% 18.8%
Anti-HBc negativ 5.2% 20.1% 6.28 (1.65 - 24.0)
Anti-HBc positiv 15% 17% 1.53 (0.43 - 5.46)

Kommentar:

  • Da es sich um eine retrospektive Kohortenstudie handelt sind die Resultate mit Vorsicht zu interpretieren. Die Probleme dieses Studiendesigns sind eventuelle Faktoren 8confounder), welche die Prognose mitbestimmen, die man aber nicht kennt und durch die fehlende Randomisierung in den Gruppen ungleichmässig verteilt sein können.
  • Eine Interferontherapie hat bei Patienten mit Hepatitis B und kompensierter Leberzirrhose (Child A) keinen Einfluss auf die Progression von einer Leberzirrhose zum Leberzellkarzinom
  • Bei Patienten, die eine Hepatitis C verursachte Leberzirrhose (kompensiert, Child A)Infektion haben, reduziert Interferon das Risiko einer Progression zum Leberzellkarzinom. Im Vergleich zur behandelten Gruppe ist das Risiko in der unbehandelten Gruppe etwa 6 mal höher.
  • Höheres Alter, männliches Geschlecht und Anzeichen einer portalen Hypertension sind mit einer höheren Leberzellkarzinominzidenz assoziiert.

Literatur:

International Interferon -a Hepatocellular Carcinoma Study Group: Effect of Interferon a on progression of cirrhosis to hepatocellular carcinoma: a retrospective cohort study Lancet 1998; 351:1535-39