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MRI-Verlaufskontrolle bei Patienten mit Diskushernie und radikulärer Ischialgie: Ergebnisse nicht interpretierbar

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Aussagekraft einer MRI-Verlaufskontrolle bei Patienten mit bekannter Diskushernie und radikulärer Ischialgie?

Hintergrund:

Eine radikuläre Ischialgie ist meist durch eine Diskushernie verursacht und beim Grossteil der Patienten klingen die Beschwerden innert zwei Monaten spontan ab. Eine chirurgische Therapie wird in der Regel erst dann empfohlen, wenn die Beschwerden trotz konservativer Therapie über eine längere Zeit persistieren.

Nach Angaben der Autoren werden bei Patienten mit persistierender oder rezidivierender radikulärer Ischialgie immer wieder und immer mehr MRI Aufnahmen der Wirbelsäule gemacht, obwohl die Interpretation hinsichtlich ihrer klinischen Relevanz meist sehr schwierig oder unmöglich ist.

In einer randomisierten Studie untersuchten die Autoren, die auch diese Arbeit publizieren, den Outcome nach früher Operation verglichen mit Operation erst dann, wenn die Beschwerden sich nicht besserten. Das Ergebnis der Studie ist, dass die Besserung der Beschwerden nach der Operation schneller eintritt als bei konservativer Therapie, dass aber nach einem Jahr kein klinischer Unterschied zwischen den beiden Gruppen nachweisbar ist.

In dieser Studie berichten die Autoren über die Befunde im MRI, das ein Jahr nach Randomisierung der Patienten durchgeführt wurde.

Einschlusskriterien:

  • Patienten, die in die randomisierte Studie eingeschlossen wurden, mit radikulärer Ischialgie von mindestens 6 bis 12 Wochen Dauer und einer mit MRI nachgewiesenen Diskushernie.
  • Zusätzlich mussten die Beschwerden und neurologischen Symptome oder Ausfälle kongruent mit der im MRI gefunden Lokalisation der Diskushernie sein.

Studiendesign und Methode:

Randomisierte Studie

Studienort:

Niederlande

Untersuchung:

  • MRI (standardisierte Durchführung und Auswertung) ein Jahr nach Einschluss in die Studie und Randomisierung

Outcome:

Primärer Outcome

  • Komplettes oder annähernd komplettes Verschwinden der Beschwerden wurde als „guter“ Outcome klassifiziert; diese Frage wurde mit einem einfachen Fragebogen von den Patienten selbst beantwortet.

Resultat:

  • Von den ursprünglich 599 gescreenten Patienten wurden 283 in die Studie eingeschlossen und bei 267 Patienten konnte auch nach einem Jahr noch ein MRI gemacht werden.
  • Von den 267 Patienten wurden 131 in die Gruppe mit früher Operation randomisiert, der Rest (136) in die Gruppe mit Operation erst dann, wenn die Beschwerden sich nicht besserten.
  • Von den 131 Patienten mit „früher Operation“ besserten sich 15 Patienten spontan und wurden nicht operiert; von den 136 Patienten der anderen Gruppe wurden im Verlauf des ersten Jahres doch 54 (ein gutes Drittel) wegen persistierender Beschwerden operiert.
  • Insgesamt gaben 84% aller Patienten, operierte und konservativ behandelte, eine komplette oder annähernd komplette Besserung an.
  • Diskushernie im MRI ein Jahr nach Randomisierung: bei 21% in der Gruppe operierter Patienten und 60% bei den konservativ behandelten Patienten.
  • Kompression einer Nervenwurzel im MRI: bei 16% der operierten und 39% der konservativ behandelten Patienten.
  • Eine Diskushernie ein Jahr nach Randomisierung war nachweisbar bei 35 % der Patienten mit einer kompletten oder annähernd kompletten Besserung und bei 33% der Patienten ohne deutliche Besserung, also kein Unterschied.

Kommentar:

  • Ein Jahr nach Einschluss in die Studie, in der ein Teil der Patienten operiert wurde und der andere Teil nicht, ist der Nachweis einer Diskushernie im MRI nicht mit dem klinischen Outcome – Besserung versus nicht-Besserung – assoziiert.
  • Befunde einer MRI-Verlaufs-kontroll-Aufnahme bei Patienten mit bekannter Diskushernie sind sehr schwer zu interpretieren, da nach den Ergebnissen dieser Studie MRI Befunde mit den Beschwerden der Patienten kaum korrelieren.

Literatur:

El Barzouhi A et al. Magnetic Resonance Imaging in follow-up assessment of sciatica. New Engl J Med 2013;368:999-1007