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Nierenkolik: Nicht-steroidale Analgetika scheinen ein bisschen besser zu wirken als Opioide oder Paracetamol

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Wirksamkeit und Nebenwirkungen von nicht-steroidalen Analgetika, Opioiden oder Paracetamol bei Patienten mit Nierenkolik

Hintergrund:

Das primäre Ziel der Therapie eines Patienten mit einer Ureterkolik ist die möglichst baldige Schmerzfreiheit mit möglichst wenigen Nebenwirkungen. Obwohl es einige Evidenz dafür gibt, dass die nicht-steroidalen Analgetika (NSAR) eine sehr wirksame Therapie sind, werden zunehmend Opioide zur Behandlung dieser Schmerzen verschrieben. Seit der Publikation des letzten Cochrane Reviews, in dem die Autoren zur Konklusion kamen, dass NSAR den Opioiden, was Wirkung und Nebenwirkungen betrifft, überlegen sind, wurden einige randomisierte Studien mit teilweise konträren Ergebnissen publiziert. Unter anderem wurden NSAR auch mit Paracetamol verglichen.

In dieser Arbeit werden die Ergebnisse aller vorhandenen Studien zu diesem Thema synthetisiert.

Einschlusskriterien:

  • Alle randomisierten Studien, in allen Sprachen, in denen bei Patienten mit einer Nierenkolik der analgetische Effekt von Opioiden mit dem Effekt von NSAR oder dem Effekt von Paracetamol verglichen wurde; dies in unterschiedlichen Dosierungen und Applikationsarten.

Studiendesign und Methode:

Systematic Review und Metaanalyse

Studienort:

weltweit

Interventionen:

  • Bei Patienten mit einer Nierenkolik wurden die Effekte verschiedener Medikamente miteinander verglichen. Dazu zählen verschiedene Opioidpräparate, nicht-steroidale Analgetika und Paracetamol.

Outcome:

Primärer Outcome

  • Anteil Patienten, der nach 30 Minuten schmerzfrei war
  • Anteil mit mehr als 50%-iger Schmerzreduktion nach 30 Minuten
  • Notwendigkeit von »Rescue Medikamenten« (wenn die Schmerzen zu stark blieben)
  • Nebenwirkungen

Resultat:

  • Die Ergebnisse von 36 Studien mit annähernd 5’000 Patienten wurden für diesen Review synthetisiert. Die Daten stammen aus 16 Ländern und wurden zwischen 1982 und 2016 publiziert.
  • Schmerzen: 30 Minuten nach Erhalt der Therapie; NSAR schneiden marginal besser ab als Opioide (der Unterschied wird in einem Format angegeben, das für den Statistiker wichtig ist, klinisch aber nicht interpretierbar ist und deshalb auch nicht genau angegeben wird in dieser Zusammenfassung).
  • Anteil an Patienten mit einer mindestens 50%-igen Schmerzreduktion oder schmerzfrei nach 30 Minuten: Zwischen NSAR und Opioiden war kein relevanter Unterschied auszumachen.
  • Notwendigkeit von »Rescue Medikamenten«, also einer weiteren Gabe eines Medikamentes, wenn das erste die Schmerzen nicht oder zu wenig besserte; da scheinen die NSAR besser abzuschneiden als die Opioide.
  • Bei den Nebenwirkungen, in erster Linie Erbrechen, scheinen die NSAR ebenfalls besser abzuschneiden. Insgesamt sind die Ergebnisse aber heterogen.
  • Vergleich zwischen NSAR und Paracetamol; bezüglich der Schmerzreduktion nach 30 Minuten sind die beiden Medikamente gleich wirksam. In der Gruppe, die mit Paracetamol behandelt wurde, mussten etwas öfter «Rescue Medikamente» eingesetzt werden.

Kommentar:

  • Die Synthese dieser unterschiedlichen Studien gibt Hinweise, dass alle drei Medikamentenklassen – NSAR, Opioide, Paracetamol – Schmerzen bei Patienten mit Nierenkolik reduzieren und möglicherweise die NSAR einen grösseren Effekt haben als die beiden anderen Medikamente.
  • Von den NSAR wurden hauptsächlich Diclofenac oder Indomethacin (in unterschiedlichen Dosierungen und Applikationsarten; z. B. Diclofenac 75 mg i.m., Indomethacin 50 mg i.v., oder 100 mg als Suppositorium) verwendet.

Literatur:

Pathan SA et al. A systematic review and meta-analysis comparing the efficacy of nonsteroidal anti-inflammatory drugs, opioids, and paracetamol in the treatment of acute renal colic. Eur Urol 2017 PMID: 29174580