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Postherpetische Neuralgie im Thoraxbereich: gepulste Radiofrequenztherapie ist wirksam

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Wirksamkeit und Sicherheit der gepulsten Radiofrequenzbehandlung bei Patienten mit postherpetischer Neuropathie im Thoraxbereich

Hintergrund:

Schmerzen bei Patienten mit einer postherpetischen Neuralgie sind teilweise schwierig zu beeinflussen. Pregabalin ist eine der wirksamen Substanzen, zeigt aber ein unterschiedliches Ansprechen und hilft nicht allen Patienten. Eine weitere, nicht-pharmakologische Behandlungsmethode ist die gepulste Radiofrequenzbehandlung (hochfrequenter Wechselstrom), deren Wirksamkeit bei verschiedenen Neuropathieformen schon untersucht wurde. Im Gegensatz zur ablativen Radiofrequenzbehandlung treten bei der gepulsten Form keine Gewebeschädigungen auf.
In dieser Studie wurde der Effekt einer ultraschallgesteuerten gepulsten Radiofrequenz-behandlung bei Patienten mit thorakaler postherpetischer Neuropathie untersucht.

Einschlusskriterien:

  • Moderate oder starke Schmerzen bei leichten Berührungen in der Thoraxregion (T2 bis T11) nach einem Herpes zoster Infekt
  • Dauer der Schmerzen länger als 6 Monate

Ausschlusskriterien:

  • Milde Schmerzen (weniger als 30 auf Visual Analog Skala VAS)
  • Koagulopathie oder andere schwerwiegende Erkrankungen

Studiendesign und Methode:

Randomisierte Studie. Für die Studie geeignete Patienten erhielten Pregabalin 2 mal 150 mg/d für 2 Wochen. Wenn die Schmerzen nach 2 Wochen in der Visual Analog Skala VAS weniger als 30 waren, wurden sie von der Studie ausgeschlossen.

Studienort:

Klinik in Ägypten

Interventionen:

  • Bei allen Teilnehmern wurde der betroffene Interkostalnerv mittels Ultraschalles lokalisiert, die Nadel für die gepulste Radiofrequenzbehandlung unter sterilen Kautelen positioniert und in
  • Gruppe 1: 2 Zyklen Radiofrequenzbehandlung (42°C Temperatur für 2 Minuten)
  • Gruppe 2: keine Radiofrequenzbehandlung (Scheineingriff) 

Outcome:

Primärer Outcome

  • Schmerzreduktion (erfasst mittels einer Visual Analog Skala VAS 0 bis 100)

Sekundäre Outcomes

  • Dauer der Schmerzlinderung
  • Auswirkungen auf Analgetikaverbrauch (Pregabalin und/oder Acetaminophen)

Resultat:

  • 70 Patienten wurden rekrutiert, 50 davon konnten randomisiert werden.
  • Von vier Patienten in Gruppe 1 und drei in Gruppe 2 sind keine Angaben über den weiteren Verlauf vorhanden.
  • Das mittlere Alter der Patienten lag bei 59 Jahren, die Dauer der Schmerzen war im Durchschnitt knapp länger als ein Jahr; knapp weniger als die Hälfte waren Frauen.
  • Bei Einschluss in die Studie lagen die Werte für die Schmerzen auf der VAS bei etwa 73; nach der zweiwöchigen Behandlung mit Pregabalin bei Werten von knapp über 50.
  • 10 Wochen nach dem Eingriff waren die Schmerzen auf der VAS in der Gruppe mit Radiofrequenztherapie unter 30; das war bei keinem Patienten aus der anderen Gruppe der Fall.
  • Nach der zehnten Woche stiegen die VAS-Werte bei einigen Patienten wieder über 30 an, der Mittelwert aller Patienten in der aktiv behandelten Gruppe blieb unter 30 bis zu einem halben Jahr nach der Behandlung.
  • Während der gesamten Beobachtungsdauer von einem Jahr lagen die VAS-Werte in der aktiv behandelten Gruppe immer tiefer als in der Gruppe ohne aktive Behandlung.
  • Der Verbrauch an Analgetika war in der aktiv behandelten Gruppe signifikant niedriger, verglichen mit der Gruppe ohne die Radiofrequenztherapie.
  • Keine relevanten Nebenwirkungen sind aufgetreten.

Kommentar:

  • Aufgrund der Ergebnisse dieser Studie hat die gepulste Radiofrequenztherapie bei Patienten mit postherpetischer Neuralgie einen deutlich positiven Einfluss auf die Schmerzen und dieser Effekt hält über längere Zeit an.

Literatur:

Makharita MY et al. Ultrasound-guided Pulsed Radiofrequency in the Management of Thoracic Postherpetic Neuralgia: A Randomized, Double-blinded, Controlled Trial. Clin J Pain. 2018; 34: 1017-1024.