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Prednison (oral) verbessert Outcome bei Patienten mit akut radikulärem Syndrom

Verfasser: Johann Steurer ,

Frage:

Wirksamkeit und Sicherheit von Prednison bei Patienten mit akut radikulärem Syndrom bei Diskusprolaps?

Hintergrund:

Das akute radikuläre Syndrom ist charakterisiert durch Rückenschmerzen, ausstrahlend ins Gesäss und Bein im Versorgungsgebiet einer radikulären Nervenwurzel. Oft wird dieses Syndrom durch eine Herniation des Nukleus pulposus verursacht. Bei den meisten Patienten verschwinden die schmerzen nach einer bestimmten Zeit spontan, einige Patienten haben aber über längere Zeit Schmerzen und eine eingeschränkte Funktion. Diese Patienten werden oft mit epiduralen Steroiden – unter der Annahme einer inflammatorischen Komponente – oder chirurgisch behandelt. Obwohl die Wirksamkeit der epiduralen Steroidinjektionen fraglich ist, wird diese Methode immer häufiger eingesetzt. Eine einfachere Alternative wäre die orale Steroidtherapie.

In dieser Studie wird der Effekt einer oralen Steroidtherapie bei Patienten mit einem akuten, radikulären Syndrom infolge Diskushernie untersucht.

Einschlusskriterien:

  • 18 bis 70 Jahre alt
  • ausstrahlende Schmerzen bis unter das Knie entlang dem Verteilungsgebiet einer Nervenwurzel, und im MRI bestätigter Diskusprolaps
  • mehr als 30 Punkte im Oswestry Disability Index (ODI); das bedeutet, dass nur Patienten mit ausgeprägteren Beschwerden und Funktionseinschränkungen eingeschlossen wurden

Ausschlusskriterien:

  • Schmerzdauer über drei Monate
  • Operationen an der Wirbelsäule; epidurale oder orale Steroide in den vergangenen drei Monaten
  • Substantielle (nicht näher definiert) oder progressive motorische Defizite

Studiendesign und Methode:

Randomisiert, doppelt verblindet; in den drei ersten Wochen nach der Randomisierung waren nicht-steroidale Analgetika nicht erlaubt, alle Patienten erhielten „usual care“ (was immer das genau heisst!)

Studienort:

Allgemeinpraxen (Kaiser Permanente)

Interventionen:

  • Gruppe 1: 3 x 20 mg Prednison für 5 Tage, dann 2 x 20 mg Prednison für weitere 5 Tage und dann nochmals für 5 Tage 1 x 20 mg Prednison.
  • Gruppe 2: Plazebo-Tabletten in korrespondierender Zahl zu Gruppe 1

Outcome:

Primärer Outcome

  • Verbesserung im ODI-Score (Skala von 0 bis 100, höherer Score bedeutet stärkere Einschränkung) 3 Wochen nach Studieneinschluss

Sekundäre Outcomes

  • Schmerzskala NSR (0 bis 10), separat für unter- und oberhalb der Hüfte
  • SF 36- Lebensqualität
  • Wirbelsäulenchirurgie

Resultat:

  • Von 543 gescreenten Personen erfüllten 269 Patienten die Einschlusskriterien.
  • Das mittlere Alter betrug 46 Jahre, etwas mehr als die Hälfte waren Männer, die Schmerzepisode bis Studieneinschluss dauerte im Mittel etwa einen Monat, fast 90% der Patienten hatten ein positives Lasègue-Zeichen.
  • Nach drei Wochen waren die Werte für die ODI-Scores um 5.6 Punkte besser wie in der Plazebo-Gruppe, und nach 52 Wochen betrug der Unterschied 7.6 Punkte (auch statistisch signifikant)
  • Der Anteil Patienten mit einer Verbesserung im ODI um 30 Punkte oder 50% und mehr war in der mit Prednison behandelten Gruppe fast doppelt so hoch wie in der Plazebogruppe. (über 50%-ige Verbesserung nach 3 Wochen 33% versus 19.8%)
  • In der NSR Skala, ober- und unterhalb der Hüften, waren keine signifikanten Unterschiede zwischen der Prednison- und Plazebogruppe vorhanden.
  • Nach drei Wochen hatten Patienten in der Prednisongruppe im SF-36 Teil für somatische Beschwerden deutlich bessere Werte, verglichen zu Plazebo.
  • Etwas weniger als 10% in beiden Gruppen wurden im Beobachtungsjahr an der Wirbelsäule operiert.
  • Nebenwirkungen, die üblichen von Prednison (Insomnie, Appetitsteigerung, gesteigerte Nervosität), aber keine gravierenden.

Kommentar:

  • Bei Patienten mit akut radikulärem Syndrom in Folge eines Diskusprolapses verbessert eine zweiwöchige Prednisontherapie die körperlichen Einschränkungen, nicht aber die Schmerzen.
  • Warum der  Effekt einer Prednisontherapie nach einem Jahr grösser ist wie nach 3 Wochen ist nicht klar, und vielleicht ist es ein Zufall schreiben die Autoren.

Literatur:

Goldberg H et al. Oral steroids for acute radiculopathy due to a herniated lumbar disk. A randomized clinical trial. JAMA 2015; 313: 1915-23