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Schnelle Aus- und Einschlussdiagnose eines Herzinfarktes bei Patienten mit Thoraxschmerzen

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Testgenauigkeit des 0/1-Stunden-Algorithmus für den Ausschluss oder Nachweis eines non-STEMI-Infarktes?

Hintergrund:

Etwa 10% aller Patienten, die eine Notfallstation aufsuchen, suchen ihn wegen Thoraxschmerzen auf. Eine der Herausforderungen ist bei diesen Patienten einen Myokardinfarkt so schnell als möglich zu diagnostizieren oder auszuschliessen. Das EKG und hochempfindliche Troponin-Assays (hs-cT) sind die beiden wichtigsten diagnostischen Indikatoren für eine schnelle Triage/Diagnose dieser Patienten.

Entwickelt wurde ein 0/1-Stunden Algorithmus – wenn bei Eintritt und nach einer Stunde die hochempfindlichen Troponinwerte normal sind, oder sich nicht wesentlich (das ist genau definiert) verändern, dann kann ein Myokardinfarkt ausgeschlossen werden.

In dieser Studie wurde dieser Algorithmus anhand der Daten von zwei unterschiedlichen Studien validiert; insbesondere wurden Patienten eingeschlossen, die schon bald nach Beginn der Thoraxschmerzen (innert 1 bis 2 Stunden) die Notfallstation aufsuchten.

Einschlusskriterien:

  • Patienten mit Thoraxbeschwerden, die suggestiv sind auf eine akute koronare Herzkrankheit (Myokardinfarkt mit oder ohne ST-Hebung).

Studiendesign und Methode:

  • Die Daten von zwei laufenden Studien wurden für diese Analyse verwendet; In 6 europäischen Ländern wurden Patienten eingeschlossen

Studienort:

multizentrisch

Diagnostischer Test:

  • Bei allen Patienten wurden die klinischen Informationen erfasst, EKGs angefertigt und bei Eintritt in den Notfall (0) und nach einer Stunde (1) das hochempfindliche kardiale Troponin (in einer Studie war es hs-cTnT und in der anderen Studie hs-cTnI) bestimmt.
  • Die Entscheidung, ob ein Patient einen Myokardinfarkt hatte oder nicht wurde von klinischen Experten nach vorgegebenen Kriterien getroffen.
  • Relevant in dieser Studie sind Patienten mit einem non-STEMI-Infarkt.

Resultat:

  • Die Daten von 4'368 Patienten bei denen das hs-cTnT bestimmt wurde und 3’500 Patienten bei denen hs-cTnI bestimmt wurde, wurden in die Analyse eingeschlossen.
  • Das mittlere Alter lag bei 62 Jahren, drei Viertel waren Männer.
  • Ein Drittel der Patienten hatte anamnestisch einen Myokardinfarkt in der Anamnese.
  • 30% der Patienten erschienen innert drei Stunden nach Beginn der Schmerzen in der Notfallstation; die durchschnittliche Dauer bei allen Patienten lag bei 5 Stunden.
  • Bei der Erstbeurteilung hatten 81% der Patienten keine signifikanten EKG-Veränderungen, 8% hatten eine ST-Senkung und 9% T-Inversionen.
  • Die Prävalenzrate für einen non-STEMI betrug 17%.
  • Die Testgenauigkeitsdaten des 0/1-Stunden-Algorithmus waren in beiden Kollektiven hoch (negativ prädiktive Werte 99.7 und 99.8%; d.h. wenn die Troponinwerte bei Eintritt und nach einer Stunde »nicht erhöht waren oder sich nicht relevant verändert haben«, dann war in über 99% ein non-STEMI ausgeschlossen.
  • Dieser hohe Grad an Testgenauigkeit zeigte sich auch bei Patienten bei denen die Zeitdauer zwischen Beginn der Schmerzen und dem Eintreffen im Notfall weniger als drei Stunden betrug.  

Kommentar:

  • Die Ergebnisse dieser Studie sind ein weiterer Hinweis, dass die hochsensitiven Troponin Assays – Troponin I und Troponin T – effiziente Tests für die Triage von Patienten mit Verdacht auf einen Myokardinfarkt sind.

Literatur:

Twerenbold R et al. Prospective Validation of the 0/1-h- Algorithm for Early Diagnosis of Myocardial Infarction. J Am Coll Cardiol 2018; 72: 620-32.