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Schnuppern an einem mit Isopropylalkohol getränkten Tupfer hilft bei Übelkeit

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Wirksamkeit von Isopropylalkohol-Inhalation bei Nausea?

Hintergrund:

In verschiedenen Berichten wurde der positive Effekt von Isopropylalkohol (in vielen Hautreinigungs-Tupfer enthalten) bei postoperativer Übelkeit und postoperativem Erbrechen beschrieben. Bei Versuchen an Tier und Mensch wurden noch keine negativen Effekte nach dem Einatmen von Isopropylalkohol-Dämpfen beobachtet. In einer Studie wurde der Effekt in den ersten 10 Minuten nach Isopropylalkohol-Inhalation untersucht und es konnte eine Wirksamkeit gegen Nausea gezeigt werden.

In dieser Studie wird bei Patienten mit Nausea auf einer Notfallstation (in USA ist Nausea der Grund für etwa 5 Millionen/Jahr Konsultationen von Notfallstationen) der Effekt einer Isopropylalkohol-Inhalation untersucht und mit der Wirksamkeit von Ondansetron verglichen.

Einschlusskriterien:

  • Patienten über 18 Jahre alt, die wegen Nausea und/oder Erbrechen die Notfallstation aufsuchten. (Schwere der Nausea von 3 oder mehr auf einer Skala von 0 bis 10)

Ausschlusskriterien:

  • Allergien gegen Ondansetron oder Isopropylalkohol
  • Unmöglichkeit durch die Nase zu inhalieren (akute Rhinitis)
  • Vor Eintritt in den Notfall Einnahme von Disulfiram, Metronidazol oder Cefoperazone (Kontraindikationen für eine Alkoholeinnahme)
  • Verlängerte QT-Zeit im EKG
  • Verdacht auf Serotonin-Syndrom
  • Schwangerschaft

Studiendesign und Methode:

Randomisiert, dreiarmige Studie

Studienort:

Notfallstation eines akademischen Spitals in den USA mit etwa 85 Tausend Konsultationen pro Jahr

Interventionen:

  • Gruppe 1: Inhalation von Isopropylalkohol (von einem mit Isopropylalkohol getränkten ‘Tupfer’, tief einatmen mit dem Tupfer 1 bis 2 cm von der Nase entfernt, bis die Übelkeit abnahm) und 4 mg Ondansetron (oral)
  • Gruppe 2: Inhalation von Isopropylalkohol und Placebo (oral)
  • Gruppe 3: Inhalation von Kochsalzlösung (von einem mit Kochsalzlösung getränkten ‘Tupfer’) und 4 mg Ondansetron (oral)

Outcome:

Primärer Outcome

  • Abnahme der Übelkeit (gemessen auf einer Skala zwischen 0 bis 100)

Sekundäre Outcomes

  • Antiemetische Medikamente (wenn Nausea sich nicht verbesserte)
  • Nebenwirkungen

Resultat:

  • 122 Patienten wurden randomisiert (208 Patienten wurden für die Eignung an der Studie mitzumachen befragt; die meisten Patienten wurden wegen zu geringer Nausea nicht eingeschlossen).
  • Das mittlere Alter lag bei etwa 30 Jahren, etwas weniger als die Hälfte waren Frauen, die mittlere Dauer der Symptome lag bei gut 12 Stunden, über 80% hatten auch erbrochen, die initiale »Nausea-Stärke« betrug etwa 50 (auf einer Skala von 0 bis 100).
  • Die häufigsten der Nausea zugrundeliegenden Erkrankungen waren akute Gastroenteritis, Lebensmittel-Intoxikationen und akute Harnwegsinfekte.
  • Die mittlere Abnahme der Nausea nach 30 Minuten betrug 30 mm (Isopropylalkohol plus Ondansetron), 32 mm (Isopropylalkohol plus Placebo) und 9 mm (Kochsalzinhalation und Ondansetron).
  • Die Anzahl Patienten die eine zusätzliche antiemetische Medikation benötigten waren 27.5% (Isopropylalkohol plus Ondansetron), 25% (Isopropylalkohol plus Placebo) und 45% (Kochsalzinhalation und Ondansetron).
  • Nebenwirkungen wurden keine berichtet.

Kommentar:

  • Die Inhalation von Isopropylalkohol ist einfach, nicht teuer, aber wirksam zur Reduktion von Nausea.

Literatur:

April MD eta l. Aromatherapy versus oral Ondansetron for antiemetic therapy among adult emergency department patients: a randomized controlled trial. Ann Emerg Med 2018, PMID:29463461