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Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse - Verbesserung der Adhärenz durch SMS

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Wirksamkeit unterschiedlicher Interventionen zur Verbesserung der Adhärenz in der Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse?

Hintergrund:

Aspirin®, Statine und blutdrucksenkende Medikamente reduzieren das Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses bei Patienten, die bereits schon ein kardiovaskuläres Ereignis hatten. Mediziner wie auch Patienten wissen, dass die empfohlenen Medikamente – hin und wieder bis oft - nicht regelmässig eingenommen werden.

Verschiedene Massnahmen zur Verbesserung der »Adhärenz« wurden in Studien auf ihre Wirksamkeit untersucht.

In dieser systematischen Übersicht wird die Wirksamkeit verschiedener Interventionen, die in den verschiedenen Originalstudien evaluiert wurden, untersucht.

Einschlusskriterien:

  • Randomisierte Studien
  • Patienten mit einer bereits bestehenden arteriosklerotischen kardiovaskulären Erkrankung
  • Die untersuchte Intervention hatte das Ziel die Adhärenz zu den verschriebenen Medikamenten zu verbessern
  • In der Studie wurden die Adhärenz und der Effekt auf einen Risikofaktor (z.B. Blutdruck) oder einen klinischen Outcome untersucht

Studiendesign und Methode:

Systematic review

Interventionen:

  • Unterschiedliche Interventionen zur Verbesserung der Adhärenz

Outcome:

Primärer Outcome

  • Adhärenz – Einnahme von Medikamenten zur Sekundärprävention (Aggregationshemmer, Blutzucker- und Lipidsenkende Medikamente)

Sekundäre Outcomes

  • Einfluss auf die Risikofaktoren
  • Fatale und nicht-fatale kardiovaskuläre Ereignisse

Resultat:

  • 17 Originalarbeiten mit über 17’000 Teilnehmern wurden in der Literatur gefunden.
  • Das mittlere Alter der Teilnehmer lag zwischen 54 und 69 Jahren.
  • Der Anteil an Frauen lag in den Studien zwischen 2% und 37%.
  • In zehn Studien wurden Patienten nach einem akuten Koronarsyndrom eingeschlossen, in zwei Studien wurden nur Patienten nach einem Schlaganfall eingeschlossen und in zwei Studien Patienten nach einer perkutanen koronaren Intervention.
  • Die Adhärenz-Raten lagen in den Interventionsgruppen zwischen 44% und 99% und in den Kontrollgruppen zwischen 13% und 96%.
  • Mit drei Interventionen wurde sowohl eine Verbesserung in der Adhärenz als auch bei den sekundären Outcomes erzielt; regelmässig Erinnerungen mit Kurznachrichten (z.B. SMS), mit einer Kombinationspille mit fixer Dosierung, durch »community health worker-based interventions«.

Kommentar:

  • Die einzelnen Studien sind sehr unterschiedlich und daher die Ergebnisse nur schwer miteinander zu vergleichen.
  • Die »Zusammenfassung« der Studien ergibt aber Hinweise, dass neue Technologien, wie SMS oder anderen Kurznachrichten zu einer Verbesserung der Adhärenz führen, ebenso eine Kombinationspille (man muss dann weniger Tabletten einnehmen).
  • Unklar ist wie lange der Effekt der Interventionen anhält.
  • Interessant ist, dass die Selbstverantwortung der Patienten mit keinem Wort erwähnt wird.

Literatur:

Fuller RH et al. Improving medication adherence in patients with cardiovascular disease: a systematic review. Heart 2018. doi: 10.1136/heartjnl-2017-312571.