Springe zum Inhalt: Artikel

Stabile Fibulafraktur vom Typ Weber B: Drei Wochen Immobilisation sind ausreichend

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Outcome – Beschwerden und Funktion – bei Patienten mit stabiler Fibulafraktur Typ Weber B nach drei- oder sechswöchiger Behandlung mit einem Gipsverband, respektive einer Orthese.

Hintergrund:

Siebzig Prozent aller Frakturen der Fibula sind vom Typ Weber B. Entscheidend für die Behandlung ist ob die Fraktur stabil oder instabil ist. Instabile Frakturen werden in der Regel operativ behandelt und stabile, in etwa der Hälfte sind die Frakturen stabil, werden mit einem Unterschenkelgips oder einer Orthese behandelt. Die Frakturheilung dauert in etwa 6 Wochen und daher tragen Patienten für 6 Wochen einen Unterschenkelgips. Die Nachteile einer so langen Immobilisation sind eine potentielle Steifheit des Sprunggelenks und venöse Thrombosen.
Ein Teil der Patienten, das zeigten kleine Studien, kann sogar ohne Gipsverband erfolgreich behandelt werden.
In dieser Studie wird untersucht ob eine dreiwöchige Immobilisation mit Unterschenkelgips oder einer Orthese zu nicht »schlechteren« Behandlungsergebnissen führt als eine sechswöchige Behandlung.

Einschlusskriterien:

  • Patienten mit abgeschlossenem Knochenwachstum (älter als 16 Jahre) mit einer stabilen Typ Weber B-Fibulafraktur (die Stabilität wurde mit einem Rotationsstress-Test unter Durchleuchtung getestet; Kriterien publiziert in McConnell et al. J Bone Joint Surg Am 2004; 86-A: 2171-8)
  • Patienten konnten vor dem Trauma ohne Gehhilfe gehen

Ausschlusskriterien:

  • Trauma lag mehr als 7 Tage zurück
  • Sprunggelenkfrakturen in der Anamnese oder Verletzung des Deltoid-Ligaments, die mit einem Gips behandelt wurde.

Studiendesign und Methode:

Randomisierte, nicht-Inferioritäts-Studie

Studienort:

Zwei Traumazentren in Finnland

Interventionen:

  • Gruppe 1: Unterschenkelgips für sechs Wochen
  • Gruppe 2: Unterschenkelgips für drei Wochen
  • Gruppe 3: Orthese für drei Wochen (vom mittleren Drittel der Tibia bis zum Calcaneus)

Outcome:

Primärer Outcome

  • OMAS (Olerud-Molander Ankle Score; Skala von 0 bis 100; höhere Scores bedeuten einen besseren Outcome); OMAS ist ein validierter Fragebogen zur Erfassung der Symptome nach einer Fraktur in der Knöchelregion)

Sekundäre Outcomes

  • FAOS (Foot and Ankle Outcome Score; Erfassung der Funktion und der Schmerzen)

Resultat:

  • 560 Patienten wurde auf die Eignung zur Teilnahme an der Studie untersucht, 272 waren geeignet, 247 wurden randomisiert. Der häufigste Grund der Nicht-Eignung war eine instabile Fraktur.
  • Das mittlere Alter war 45 Jahre und die Hälfte waren Frauen.
  • Nach einem Jahr lagen die OMAS Werte im Mittel bei 88 Punkten in der Gruppe mit sechswöchigem Gipsverband, bei 92 Punkten in der Gruppe mit dreiwöchigem Gipsverband, bei 90 Punkten in der Gruppe mit dreiwöchiger Orthese. Auch nach sechs und 12 Wochen waren keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen beobachtbar.
  • Die Ergebnisse der dreiwöchigen Behandlung sind damit nicht «schlechter» als die einer sechswöchigen Immobilisation.
  • Die Häufigkeit tiefer Venenthrombosen war in der Gruppe mit dreiwöchiger Orthese signifikant geringer als in der mit sechswöchigem Gipsverband.  

Kommentar:

  • Nach den Ergebnissen dieser Studie sind bei stabiler Fibulafraktur Typ Weber B die Ergebnisse einer dreiwöchigen Behandlung einer sechswöchigen Behandlung nicht unterlegen.
  • Bei dreiwöchiger Behandlung mit einer Orthese ist das Risiko tiefer Venenthrombosen signifikant tiefer als bei sechswöchiger Ruhigstellung mit einem Gipsverband.

Literatur:

Kortekangas T et al. Three week versus six week immobilization for stable Weber B type ankle fractures: randomised, multicenter, non-inferiority clinical trial. BMJ 2019; 364: k5432.