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Statine reduzieren Mortalität und kardiovaskuläre Morbidität bei Patienten mit niedrigem kardiovaskulären Risiko

Verfasser: Woitzek Katja,

Frage:

Wie wirksam sind Statine in der Primärprävention bei Patienten mit niedrigem kardiovaskulären Risiko?

Hintergrund:

Der Benefit von Statinen bei Patienten in der Sekundärprävention und bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko (CVR) ist unumstritten. In der Primärprävention gibt es allerdings widersprüchliche Resultate im Hinblick auf einen Nutzen. Insbesondere wurden die Primärprävention, respektive die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung, in vorherigen Studien oder Meta-Analysen unterschiedlich definiert, was eine Möglichkeit für divergierende Resultate sein könnte.

Einschlusskriterien:

  • Studien, die in EMBASE oder MEDLINE gelistet sind (veröffentlicht zwischen 2003 bis Januar 2011)
  • Studien oder Reviews zur Statintherapie versus Placebo oder keine Therapie bei Patienten mit niedrigem CVR eingeschlossen haben, Patienten älter 16 Jahren, Follow-up-Periode länger als 6 Monate
  • Untersuchungen zu einem der folgenden Statine: Fluvastatin, Atorvastatin, Lovastatin, Pravastatin, Rosuvastatin oder Simvastatin
  • Angaben zu mindestens einem der folgenden Outcomes: Gesamtmortalität, instabile Angina Pectoris, akuter Myokardinfarkt, Schlaganfall oder TIA, Revaskularisation, Lebensqualität, Dauer der Statintherapie, Nebenwirkungen
  • Daten von Studien, in die wenige Patienten mit bekannter CV Erkrankung eingeschlossen waren, wurden in die Datenanalyse integriert, falls die Kontrollgruppe ein niedriges CVR aufwies

Ausschlusskriterien:

  • Studien mit weniger als 30 Patienten pro Studienarm

Studiendesign und Methode:

Meta-Analyse

Studienort: Internationale Studien

Intervention

  • Studien oder Reviews, die eine Statintherapie versus Placebo oder „standard care“ untersuchten
  • niedriges CVR wurde definiert als ein kleiner als 20%-iges 10-Jahres-Risiko für ein CV-Todesereignis oder nicht tödlichen Myokardinfarkt,
  • Statine wurden unterschieden in hochpotente (Atorvastatin, Rosuvastatin) und niedrig-potente Statine (Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin, Simvastatin) in Bezug auf die Cholesterinsenkung

Outcome:

  • Outcomes: Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall, Revaskularisationen, Angina Pectoris, Nebenwirkungen

Resultat:

  • Es wurden 29 Studien mit insgesamt 80711 Studienteilnehmern eingeschlossen, 22 Studien waren placebo-kontrolliert, medianes Alter 58 Jahre, grösserer Anteil Männer, mittleres 10-Jahres-Risiko für kardiovaskulären Tod 6%, mediane Follow-Up-Dauer 2 Jahre
  • Die Gesamtmortalität war signifikant geringer bei Patienten mit Statineinnahme , sowohl bei Patienten, die ein kleiner 20% und bei Patienten mit einem kleiner 10%-igem 10-Jahres Risiko aufwiesen (relatives Risiko [RR] 0.90 und 0.83)
  • Geringere Rate an nicht-tödlichen Myokardinfarkten (RR 0.64), Angina pectoris (RR 0.71) nicht-tödlicher Schlaganfall (RR 0.81) und Koronar-Revaskularisationen (RR 0.66) in der Statingruppe
  • Vorteil der Statine unabhängig von der Potenz des Statins und der Höhe der Cholesterinsenkung (Metaregression)

Kommentar:

  • Statine reduzieren die CV Mortalität und Ereignisse bei Patienten mit niedrigem CVR, ähnlich der Reduktionen bei Patienten mit KHK in anderen grossen Studien.
  • Es ist zu bedenken, dass die zu behandelnde Patientenanzahl bei Patienten mit niedrigem CVR aufgrund der niedrigeren Ereignisrate höher als bei Patienten mit höherem Risiko ist (Number needed to treat 239 versus 86 um 1 CV Tod zu vermeiden)
  • Limitationen: Nicht alle Endpunkte wurden in allen Studien untersucht, kein Wirksamkeitsunterschied in Bezug auf die Statinpotenz in der Metaregression: Metaregressionen haben eine geringe statistische Teststärke; kurze Follow-Up-Dauer, die meisten Studien wiesen ein mässiges Risiko für einen systematischen Fehler auf

Literatur:

  • Tonelli M et al. Efficacy of statins for primary prevention in people at low cardiovascular risk: a meta-analysis. Canadian Medical Association Journal 2011, 183:E1189-E1202.