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Stationäre Rehabilitation nach Kniegelenk-Ersatz: kein Vorteil gegenüber ambulanter Rehabilitation

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Wirksamkeit einer stationären Rehabilitation, im Vergleich zu einer ambulanten, bei Patienten mit Kniegelenksersatzoperation?

Hintergrund:

Rehabilitative Massnahmen nach Knie- oder Hüftgelenkersatzoperation sind angezeigt. Die Frage ist wo und in welcher Intensität. In der Schweiz und in USA erhalten die Patienten eine stationäre Rehabilitation, währen in Kanada und UK die Rehabilitation bei den meisten Patienten ambulant durchgeführt wird. Zur Wirksamkeit der verschiedenen Rehabilitationsformen wurden bis anhin wenig klinische Studien durchgeführt.

In dieser Studie wird der Effekt einer stationären Rehabilitation mit dem Effekt einer ambulanten Rehabilitation bei Patienten nach einem Kniegelenksersatz verglichen.

Einschlusskriterien:

  • Älter als 40 Jahre
  • Erster, einseitiger Kniegelenksersatz (total) wegen Arthrose

Ausschlusskriterien:

  • Gründe für eine stationäre Rehabilitation (keine Unterstützung daheim)
  • Andere körperliche Einschränkungen, zum Beispiel Hemiplegie
  • Konnten allein, ohne Unterstützung durch eine andere Person, die rehabilitativen Übungen nicht durchführen
  • Komplikationen nach der Operation

Studiendesign und Methode:

Randomisierte Studie

Studienort:

Mehrere Zentren in Australien

Interventionen:

  • Gruppe 1: stationäre Rehabilitation mit täglich Einzelphysiotherapie (1 Stunde) und Übungen in der Gruppe nach einem bestimmten Plan; alle Patienten blieben 10 Tage in stationärer Rehabilitation; Patienten wurden vor Austritt für ein Trainingsprogramm nach der Entlassung nach Hause instruiert.
  • Gruppe 2: ungefähr zwei Wochen nach der Operation erhielten die Patienten eine einstündige Instruktion für ein Rehabilitationsprogramm zu Hause. Die Patienten wurden eingeladen für weitere ein oder zwei Stunden Gruppenunterricht, nach etwa 3 und 10 Wochen.
  • Gruppe 3: Eine Gruppe von Patienten die eine ambulante Rehabilitation wünschten und sich nicht randomisieren liessen, wurde 6 Monate nach der Operation nachuntersucht und die Outcomeparameter erhoben.

Outcome:

Primärer Outcome

  • 6-Minuten Gehtest nach 26 Wochen (dieser Test wird als valider Test für die Mobilität und körperliche Funktion nach Knieersatztherapie gesehen)

Sekundäre Outcomes

  • Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score
  • Knieflexion in Grad
  • Lebensqualität und andere Scores, Patientenzufriedenheit

Resultat:

  • 525 für die Studie geeignete Patienten wurden identifiziert, 165 wurden randomisiert und 112 erklärten sich bereit die Outcomefragebogen nach einer ambulanten Rehabilitation auszufüllen.
  • Gut zwei Drittel waren Frauen, durchschnittlich waren die Patienten 67 Jahre alt, der BMI lag im Mittel bei 35.
  • Sowohl beim primären Outcome – Strecke im 6-Minuten Gehtest – noch bei den sekundären Outcomeparametern war ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen vorhanden; auch nicht im Vergleich zur dritten Gruppe. Einzig in der Zufriedenheit mit der Rehabilitation schnitt die stationäre Gruppe besser ab. Der Unterschied war statistisch signifikant, die klinische Bedeutung des Unterschiedes ist nicht abschätzbar.

Kommentar:

  • Diese Studie zeigt keine Überlegenheit bezüglich des Outcomes einer stationären Rehabilitation gegenüber einer ambulant durchgeführten Rehabilitation.
  • Das Ergebnis dieser Studie deckt sich mit den Ergebnissen anderer Studien (Mahomed NN. J Bone Joint Surg Am. 2008; 90: 1673-1680).
  • Einschränkend muss festgehalten werden, dass dieses Ergebnis nur für Patienten zutrifft, die nach der Entlassung aus dem Spital nach Hause gehen konnten; insgesamt, nach dieser Studie sind es zwischen 5 und 10% der Patienten, die nicht „nach Hause“ entlassen werden können.  

Literatur:

Buhagiar MA. Et al. Effect of Inpatient Rehabilitation vs a Monitored Home-Based Program on Mobility in Patients with Total Knee Arthroplasty. The HIHO Randomized Clinical Trail. JAMA 2017; 317: 1037-46.