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Störungen im Bewegungsapparat des Oberkörpers sind häufige Komplikationen von Typ 1 Diabetes

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Prävalenz von Cheiroarthropathien bei lang bestehendem Typ 1 Diabetes?

Hintergrund:

Muskuloskeletale Beschwerden in den oberen Extremitäten sind eine nicht sehr bekannte Folge eines lange bestehenden Typ 1 Diabetes. Zusammengefasst werden die Veränderungen unter dem Begriff Cheiroarthropathie. Es sind dies eine Verdickung der Haut und eine Abnahme der Gelenkbeweglichkeit an Händen, Fingern und Schultern. Die Verdickungen können zu Flexionskontrakturen der Finger führen. Ein weiterer Typ der Cheiroarthropathie ist die adhäsive Schultergelenkskapsulitis („frozen shoulder“). Es wird angenommen, dass der frozen shoulder  der gleiche Pathomechanismus wie den Hautverdickungen an den Fingern zugrunde liegt. Als Ursache wird eine vermehrte Akkumulation glykosylierter Substanzen im Kollagen vermutet.

In dieser Studie wird die Prävalenz der Cheiroarthropathie bei Patienten mit Typ 1 Diabetes untersucht. Zusätzlich wird die Relevanz prädisponierender Faktoren untersucht und Assoziationen mit anderen Folgeerscheinungen oder Komplikationen des Diabetes Typ 1, wie Retino-, Nephro- und Neuropathie evaluiert.

Einschlusskriterien:

  • In diese Analyse eingeschlossen wurden Patienten der „Diabetes Control and Complications Trial/Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications (DCCT/EDIC) Studie. Diese Studie wurde 1983 bis 1993 durchgeführt um den Effekt einer  intensiven Insulintherapie (verglichen mit einer weniger invasiven Insulintherapie) zu untersuchen.
  • Die Patienten dieser Kohorte werden bis heute jährlich untersucht um unter anderem die Prävalenz diabetischer Komplikationen zu erfassen

Studiendesign und Methode:

Querschnittsstudie

Studienort:

USA

Outcome:

Bei der jährlichen Kontrolle der Patienten wurde eine gezielte Anamnese mit Hilfe eines Fragebogens aufgenommen. Das Ziel war Angaben über die Diagnose und eventuelle Therapie einer Cheiroarthropathie zu erfassen. Zudem wurden eventuelle Einschränkungen durch diese Langzeitfolge des Diabetes erfasst und quantifiziert (DASH, disabilities of the arm, shoulder, and hand) und eine körperliche Untersuchung durchgeführt.

Resultat:

  • 2011- 2012, das ist das 18. und 19. Beobachtungsjahr, waren 1281 Patienten in der Studie und 1217 (95%) Patienten konnten in diese Querschnittstudie eingeschlossen werden.
  • Das mittlere Alter betrug 52 Jahre, die mittlere Dauer des Diabetes betrug 31 Jahre.
  • Eine Cheiroarthropathie war bei 807 Patienten (66%) vorhanden, die häufigste Form der Cheiroarthropathie war eine adhäsive Kapsulitis (31%) gefolgt vom Karpaltunnelsyndrom (30%).
  • Pateinten mit einer Cheiroarthropathie waren im Durschnitt etwas älter und hatten im Schnitt höhere HbA1c-Werte wie Patienten ohne diese Langzeitfolge.

Kommentar:

  • Muskuloskeletale Störungen an Händen und Schulter sind bei langbestehendem Diabetes Typ 1 nicht selten. In dem in dieser Studie untersuchten Kollektiv und einem seit 30 Jahren bestehenden Diabetes liegt die Prävalenz bei 66%.
  • Das Risiko des Auftretens korreliert mit den HbA1c-Werten und korreliert auch mit dem Vorhandensein mikrovaskulärer Komplikationen wie Neuro-, Retino- und Nephropathie.
  • Die Cheiroarthropathie kann zu relevanten Einschränkungen der Lebensqualität der Patienten führen.

Literatur:

Larkin ME et al. Musculoskeletal complications in Type 1 Diabetes. Diabetes Care 2014 PMID: 24722493