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Strontiumranelat verlangsamt die Abnahme der Gelenkspaltbreite bei Patienten mit Gonarthrose

Verfasser: Johann Steurer ,

Frage:

Wirksamkeit von Strontiumranelat auf radiologische und klinische Parameter bei Patienten mit Kniearthrose?

Hintergrund:

Die meisten konservativen Therapieoptionen der Kniegelenksarthrose sind nicht besonders erfolgsversprechend, dementsprechend intensiv ist die Suche nach alternativen, nicht-operativen Therapiemöglichkeiten. Strontiumranelat, ein Medikament das bisher in der Prävention/Therapie der postmenopausalen Osteoporose eingesetzt wird, inhibiert die subchondrale Knochenresorption und stimuliert die Matrixformation des Knorpelgewebes.

Das Ziel der vorliegenden Studie ist die Untersuchung des Effektes von Strontiumranelat auf die radiologische und klinische Progression der Kniearthrose.

Einschlusskriterien:

  • Frauen und Männer, Kaukasier, über 50 Jahre, Arthrose nach den Kriterien des American College of Rheumatology,
  • Mindestens an der Hälfte der Tage des vergangenen Monats Schmerzen (grösser 40 mm auf einer 100 mm Skala)
  • Radiographisch Stadien 2 oder 3 nach Kellgren und Lawrence
  • Kniegelenksspaltweite 2.5 bis 5 mm und prädominant Arthrose im medialen tibio-femoralen Kompartiment

Ausschlusskriterien:

  • Knieprothese, intra-artikuläre Injektion von Medikamenten in den vergangenen 6 Monaten
  • Venöse Thrombose in der Anamnese oder sehr hohes Thromboserisiko

Studiendesign und Methode:

Randomisiert, doppelblind, multizentrisch

Studienort:

98 Zentren in 18 Ländern

Interventionen:

  • Gruppe 1: 1 g/d Strontiumranelat für drei Jahre
  • Gruppe 2: 2 g/d Strontiumranelat für drei Jahre
  • Gruppe 3: Placebo

Outcome:

Primärer Outcome

  • Radiologische Veränderungen (Gelenksspaltweitenabnahme, zwischen Beginn und Ende der Studie)

Sekundäre Outcomes

  • Radiologische Verschlechterung mit einer Abnahme der Gelenksspaltweite um 5 mm oder mehr
  • Radiologisch-klinische Progression; Klinische (Abnahme der Gelenkspaltweite um 5 mm oder mehr und keine Verbesserung im WOMAC Score um mehr als 20 %).
  • WOMAC Score, globale Knieschmerzen, C-telopeptide type II procollagen,

Resultat:

  • 1683 Patienten konnten eingeschlossen werden (558 in die Gruppe mit 1 g, 566 mit 2g Strontiumranelat und 559 Placebo)
  • Das mittlere Alter betrug 63 Jahre, 70% waren Frauen, die durchschnittliche Beschwerdedauer betrug etwa 6 Jahre.
  • 974, das sind 58% der zu Beginn eingeschlossenen Patienten beendeten die Studie.
  • Die Gelenkspaltverschmälerung über drei Jahre war in der mit dem aktiven Medikament behandelten Gruppen geringer als in der Placebogruppe (Placebo 0.37 mm, 1g Strontiumranelat 0.23 mm und 2 g 0.27 mm)
  • Gemessen mit dem WOMAC Score (erfasst Schmerzen, Steifheit und funktionelle Parameter) ist nach drei Jahren zwischen Placebo und 1 g Strontiumranelat kein Unterschied feststellbar, wohl aber mit 2 g pro Tag.
  • Radiologisch-klinische Progression: 12% in der Plazebogruppe, 8% in der mit 1 g und 7% in der mit 2g behandelten Gruppe.
  • Die Nebenwirkungsrate war klein, das Risiko für venöse Thrombosen unter 1%. Bei einigen kam es unter Strontiumranelat zu einem Anstieg der CPK, teilweise auf über das  fünffache der Norm.

Kommentar:

  • Das Interessante an der Studie ist der Effekt des Medikamentes auf die Struktur des Knorpels und der verminderten Abnahme der Gelenkspaltbreite.
  • Welche klinische Relevanz das Medikament, allerdings auch nur 2 g pro Tag, hat, wird aus der Studie nicht klar.
  • Die Tatsache, dass 40% der Teilnehmer die Studie nicht beendet haben, erschwert die Interpretation der Ergebnisse.

Literatur:

Reginster J-Y et al. Efficacy and safety of strontium ranelate in the treatment of knee osteoarthritis: results of a double-blind, randomized placebo-controlled trial. Ann Rheum Dis 2013;72:179-86.