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Tennisellbogen: Behandlung mit transkutaner Nerven-stimulation (TENS) ist wirkungslos

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Wirksamkeit einer transkutanen elektrischen Nervenstimulation bei Tennisellbogen, zusätzlich zur üblichen Therapie?

Hintergrund:

Der Tennisellbogen, auch laterale Epikondylitis, oder laterale Epikondylosis genannt, ist die häufigste schmerzhafte Läsion des Ellbogens. Meist ist der Ellbogen des dominanten Arms betroffen, und die Symptome sind rezidivierend. Verschiedene Therapiemodalitäten kommen zum Einsatz. Nicht-steroidale Analgetika, Steroidinjektionen und Physiotherapie. Steroide führen zwar zu einer kurzzeitigen Verbesserung der Schmerzen, erhöhen aber das Risiko für Rezidive. Nicht-steroidale Analgetika haben unerwünschte Nebenwirkungen und die Wirksamkeit der Physiotherapie ist klinisch nicht sehr relevant. Wünschenswert wäre schmerzreduzierende Therapie ohne nennenswerten Nebenwirkungen hat. Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) ist eine kostengünstige, nebenwirkungsarme Intervention, die in der Grundversorgung bei Patienten mit  muskuloskeletalen Beschwerden eingesetzt wird.

Einschlusskriterien:

  • Patienten älter 18 Jahre, die wegen einem neu aufgetretenen oder einem Rezidiv (allerdings keine Arztkonsultation in den vergangen 6 Monaten) eines Tennisellbogens den Grundversorger aufsuchen. (Tennisellbogen definiert als Ruheschmerz, Druckschmerz über dem lateralen Epikondylus, Zunahme der Beschwerden bei Dorsalflexion des Handgelenks gegen Widerstand)
  • Fähigkeit TENS selbständig durchzuführen

Ausschlusskriterien:

  • Behandlung wegen Tennisellbogen in den vergangenen 6 Monaten
  • Kontraindiktion für TENS (Epilepsie und andere)
  • Andere schwere Krankheiten

Studiendesign und Methode:

Randomisierte Studie

Studienort:

38 Grundversorgerpraxen in England

Interventionen:

  • Alle Patienten, die bereits Analgetika erhielten konnten diese weiternehmen, die Ärzte wurden gebeten während der ersten 6 Wochen keine Steroide zu injizieren und keine Physiotherapie zu verordnen.
  • Gruppe 1: Information, auch schriftlich verteilt, mit Instruktionen zu Aktivitäten, Selbst-Management, inklusive Analgetika, und gezielten Übungen.
  • Gruppe 2: Patienten erhielten zur Intervention wie die in Gruppe 1 ein TENS-Gerät mit 50 x 50 mm selbst-klebenden Elektroden und wurden instruiert sich 45 Minuten pro Tag, falls sie noch Schmerzen haben, zu therapieren. Bei Bedarf konnten die Patienten auch mehrere Therapien pro Tag durchführen.

Outcome:

Primärer Outcome

  • Schmerzen 6 Wochen nach Randomisierung (Schmerzen in den vorangegangenen 24 Stunden auf einer Skala zwischen 0 und 10).

Sekundäre Outcomes

  • Schmerzen nach 6 und 12 Monaten
  • Funktion (spezifischer Fragebogen)
  • Arbeitsunfähigkeit wegen Tennisellbogen in Anzahl Tagen
  • Die Einhaltung der Therapieempfehlungen (Adherence) war nicht besonders gut

Resultat:

  • 422 Patienten wurden gescreent und 241 in die Studie eingeschlossen (121 in die Gruppe mit und 120 in die Gruppe ohne TENS)
  • Das mittlere Alter lag bei 48 Jahren, 55% waren Männer.
  • In beiden Gruppen verbesserten sich die Beschwerden in den ersten 6 Wochen. Ein Unterschied zwischen den beiden Gruppen war für keinen der Outcomeparameter nachweisbar.

Kommentar:

  • Eine Therapie mit TENS hat zusätzlich zur „normalen“ Therapie und Beratung durch den Grundversorger keinen zusätzlichen Effekt. Patienten mit einer TENS Therapie hatten keinen besseren Outcome aber sie waren mit der Behandlung zufriedener wie die ohne TENS.

Literatur:

Chesterton LS et al. Transcutaneous electrical nerve stimulation as adjunct to primary care management for tennis elbow: pragmatic randomized controlled trial (TATE trial). BMJ 2013;347:f5160.