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Unterstützung von Patienten mit Diabetes mittels Mobiltelefon: Effekt mager

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Wirksamkeit eines über Mobiltelefone angebotenen Unterstützungsprogramms für Patienten mit Diabetes mellitus

Hintergrund:

Die Komplikationen des Diabetes mellitus sind bekannt. Die Verhinderung oder zumindest Verzögerung von Komplikationen mit einer «guten Einstellung» des Diabetes ebenfalls. Ein Teil der Patienten ändert sein Verhalten dementsprechend, ein anderer Teil nicht. Mit Hilfe der Mobilfunktechnologie werden Patienten mit unterschiedlichen Krankheiten unterstützt ihr Selbstmanagement zu verbessern und ihr Verhalten zu ändern.

In dieser Studie wird die Wirksamkeit einer Intervention mittels Mobiltelefonen bei Patienten mit nicht gut eingestelltem Diabetes mellitus 1 oder 2 untersucht.

Einschlusskriterien:

  • Älter als 16 Jahre mit Diabetes mellitus Typ 1 oder 2
  • Mit einem HbA1c-Wert ≥ 8% in den 9 Monaten vor Einschluss in die Studie
  • Verfügen über Zugang zu Mobiltelefon

Studiendesign und Methode:

Randomisierte Studie

Studienort:

Patienten der Primär- oder Sekundärversorgung in Neuseeland

Interventionen:

  • Gruppe 1: Unterstützung der Betreuung mit einem spezifischen Selbst-Management-Unterstützungs-Programm; mit den verschickten Nachrichten wird versucht die Motivation für eine Verhaltensänderung zu erhöhen; die Nachrichten sind individualisiert, enthalten Informationen zum Diabetes und können an die Wünsche der Teilnehmer angepasst werden. Patienten konnten jederzeit die Nachrichten abbestellen.
  • Gruppe 2: »usual care« (was immer das genau bedeutet)
  • Bei allen Patienten wurden zu Beginn, dann nach 3, 6 und 9 Monaten die HbA1c-Werte gemessen.

Outcome:

Primärer Outcome

  • Veränderung der HbA1c-Werte nach 9 Monaten

Sekundäre Outcomes

  • Veränderung der HbA1c-Werte nach 3 und 6 Monaten
  • Selbstwirksamkeit (self efficacy; gemeint mit diesem Begriff ist, wie sicher man ist, oder wie vertraut man damit ist, die Krankheit selbst zu »managen« und mit den Beschwerden umzugehen)
  • Verhalten bezüglich Diät, Bewegung, Blutzuckerselbstkontrolle, Fusspflege und andere
  • Lebensqualität

Resultat:

  • 366 Patienten wurden randomisiert, das mittlere Alter betrug 47 Jahre, die Dauer der Erkrankung lag bei etwa 10 Jahren, etwa die Hälfte waren Frauen, ein Drittel hatte einen Diabetes mellitus Typ 1; fast 80% aller Patienten wurden mit Insulin behandelt.
  • Nach 9 Monaten war der HbA1c-Wert in der Mobiltelefon-Gruppe um 0.3% niedriger als in der Gruppe, die mit »usual care« behandelt wurde. Der Unterschied ist statistisch signifikant. Eine Besserung der HbA1c-Werte nach 9 Monaten wurde in der Mobiltelefon-Gruppe bei 75% beobachtet, in der anderen Gruppe bei 59%; bei 27% in der Mobiltelefongruppe und bei 17% in der anderen Gruppe sanken die Werte unter 8.1%.
  • Von den über 20 sekundären Outcome-Parametern war bei folgenden Parametern ein Unterschied zwischen den beiden Gruppen, zum Vorteil der Mobiltelefone, feststellbar; Fusspflege war besser, Zufriedenheit mit der Unterstützung und Lebensqualität. 95% der Teilnehmer in der Mobiltelefon-Gruppe fanden die Unterstützung sinnvoll und 97% würden sie weiterempfehlen.

Kommentar:

  • Dieses auf einzelne Personen persönlich zugeschnittene »Unterstützungsprogramm« führt zu einer geringen Verbesserung der glykämischen Kontrolle, der klinische Nutzen ist allerdings schwierig abzuschätzen.
  • Bei immer mehr Krankheiten werden derartige Hilfen auf dem Mobiltelefon angeboten; welche Effekte diese haben ist noch nicht bekannt; aber der potentielle Nutzen der erhobenen Daten für verschiedenen Zwecke, weder wissenschaftliche noch altruistische, ist nicht zu unterschätzen.

Literatur:

Dobson R et al. Effectiveness of text message based, diabetes self management support programme (SMS4BG): two arm, parallel randomized controlled trial. BMJ 2018. doi: 10.1136/bmj.k1959