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Veränderungen des Lebensstils bei älteren Menschen tragen zum Erhalt der Fähigkeit bei tägliche Aktivitäten selbständig ausführen zu können

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Effekt einer multidimensionalen Intervention bei älteren Menschen auf den Erhalt der Fähigkeit tägliche Aktivitäten selbständig ausführen zu können

Hintergrund:

Ältere Menschen wollen so lange wie möglich selbständig bleiben. Das heisst, fähig sein die täglichen Aktivitäten wie Waschen oder sich Ankleiden zu erledigen oder den Haushalt selbstständig oder gemeinsam mit dem Partner/Partnerin besorgen zu können. Der Verlust dieser Fähigkeiten ist oft ein langsamer Prozess und frühe Anzeichen dieser Fähigkeiten sind Verschlechterungen der Körperfunktionen, wie das Halten der Balance, die Zeit um von einem Stuhl aufzustehen und die Zeit um vier Meter weit zu gehen.

In einer grossen finnischen Studie (FINGER) wurde der Effekt einer multidimensionalen Intervention – Ernährungsberatung, körperliche Aktivität, kognitives Training und andere – auf das »alltägliche Funktionieren« älterer Menschen untersucht.

Einschlusskriterien:

  • 60 bis 77 Jahre alte Menschen
  • Kognitive Leistung entsprach dem altersentsprechenden Durchschnitt oder war geringer

Ausschlusskriterien:

  • Menschen mit diagnostizierter oder vermuteter Demenz
  • Krankheiten, die eine aktive Teilnahme an den Interventionen einschränkte oder verunmöglichte (wie z.B. Malignome, schwere Depression, starke Hör- oder Seheinschränkungen)

Studiendesign und Methode:

Randomisierte Studie

Studienort:

In sechs finnischen Städten

Interventionen:

  • Gruppe 1: multidimensionale Intervention mit Ernährungsberatung, von Physiotherapeuten geleitetes körperliches Training, kognitives Training (webbasiertes Programm), Monitoring kardiovaskulärer Risikofaktoren, inklusive präventiver Massnahmen und soziale Aktivitäten (durch das regelmässige körperliche Training). Die Intervention dauerte zwei Jahre.
  • Gruppe 2: ein »Ratschläge für ein gesundes Leben« (nicht genau spezifiziert)

Outcome:

Primärer Outcome

  • Fähigkeit tägliche Aktivitäten auszuführen (erfasst mit dem ADL-Fragebogen [»activities of daily living«]; dieser Fragebogen enthält Fragen wie: selbständig in und aus dem Bett zu kommen, Fingernägel selbständig schneiden, Kochen, ein Telefon bedienen, Wäsche waschen, die öffentlich Verkehrsmittel benutzen usw.). Der ADL-Score hat eine Range von 17 bis 85 Punkte. Ein Score von 17 bedeutet keine Einschränkungen in den täglichen Aktivitäten und einer von 85 bedeutet vollkommene Abhängigkeit von anderen Personen in der Verrichtung täglicher Aktivitäten.

Sekundäre Outcomes

  • Körperliche Leistungsfähigkeit, bestehend aus einem Test die Balance zu halten, die Zeit um vier Meter zu gehen und fünfmal hintereinander von einem Stuhl aufzustehen.

Resultat:

  • 1’260 Teilnehmer wurden randomisiert.
  • Das mittlere Alter lag bei 69 Jahren, der Mini-Mental-Score lag im Mittel bei 26.7 Punkten, der mittlere BMI war 28.2.
  • Zu Beginn der Studie lagen die ADL-Werte zwischen 17 und 46 Punkten, nach einem Jahr zwischen 17 und 51 Punkten und nach zwei Jahren zwischen 17 und 59 Punkten.
  • Die ADL-Scores stiegen in der Interventionsgruppe langsamer an als in der Kontrollgruppe; nach einem Jahr um 0.95 und nach zwei Jahren um 1.2 Punkte langsamer.
  • Bei der körperlichen Performance hatten die Teilnehmer in der Interventionsgruppe eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Verbesserung der Performance und eine geringere Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung, im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Kommentar:

  • Die Autoren interpretieren die Ergebnisse der Studie zurückhaltend. Diese zweijährige Lebensstil-Intervention hatte einen positiven Einfluss auf die Durchführung täglicher Aktivitäten, die klinische Relevanz bleibt aber unklar.
  • Wahrscheinlich hat die Intervention nach Einschätzung der Autoren aber einen positiven Effekt auf den Erhalt der Selbständigkeit älterer Menschen.

Literatur:

Kulmala J et al. The Effect of Multidomain Lifestyle Intervention on Daily Functioning in Older People. J Am Geriatr Soc. 1019 doi: 10.1111/jgs.15837.