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Yoga zur Behandlung von chronischen lumbalen Rückenschmerzen – eine Alternative zur Physiotherapie

Verfasser: Gabriela Galliker,

Frage:

Ist Yoga bei chronischen lumbalen Rückenschmerzen gleich wirksam wie Physiotherapie?

Hintergrund:

Chronische lumbale Rückenschmerzen sind weit verbreitet und verursachen hohe Kosten. Physiotherapie ist die häufigste nicht-medikamentöse Behandlung. Es gibt Hinweise aus Metaanalysen und randomiserten Studien (RCT), dass Yoga, mit der Kombination von Bewegungsübungen, Atemübungen und Meditation, zur Therapie chronischer lumbaler Rückenschmerzen eine gute Alternative sein könnte. Das Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob Yoga gleich wirksam (non-inferior) wie Physiotherapie ist.

Einschlusskriterien:

  • Patienten mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen (mindestens 12 Wochen persistierenend)
  • Die durchschnittliche Schmerzintensität von 4 oder mehr Punkten auf einer Skala von 0 bis 10

Ausschlusskriterien:

  • Alter unter 18 oder über 64 Jahre
  • Nicht englischsprechend
  • Personen mit spezifischer Pathologie als Ursache für die lumbalen Rückenschmerzen, wie z.B. Spinalkanalstenose.

Studiendesign und Methode:

Randomisierte, kontrollierte Nicht-Unterlegenheitsstudie; Teilnehmer wurden von Juli 2012 bis November 2013 rekrutiert, das Follow-up wurde im November 2014 abgeschlossen.

Studienort:

Akademisches Spital und 7 angeschlossene Gesundheitszentren in Boston (USA)

Interventionen:

  • Gruppe 1: wöchentlicher 75-minütiger Yogakurs über 12 Wochen mit max. 5 Personen pro Instruktor. Zusätzlich wurde den Teilnehmern geraten, mit Hilfe einer Anleitung (DVD & Handbuch) zu Hause täglich 30 Minuten Yogaübungen durchzuführen.
  • Gruppe 2: Physiotherapie (PT) 15x 60 Minuten verteilt über 12 Wochen in Einzeltherapie. Zusätzlich wurde den Teilnehmern mit Hilfe einer schriftlichen Anleitung zu Übungen zu Hause geraten.
  • Gruppe 3: Patienten erhielten eine Informationsbroschüre über das Selbstmanagement von lumbalen Rückenschmerzen, Dehnungs- und Kraftübungen, Emotionseinfluss und angstbedingtem Vermeidungsverhalten mit einem Leseplan. Alle 3 Wochen wurde ein 1-2 seitiger Newsletter versandt mit den wichtigsten Punkten und es erfolgte ein 5-10-minütiger Anruf eines Studienmitarbeiters.

Outcome:

Primärer Outcome

  • Veränderung der Beeinträchtigung durch die Rückenprobleme gemessen mittels des Roland Morris Disability Questionnaire (RMDQ) vor und 12 Wochen nach Beginn der Interventionen.
  • Veränderng der Schmerzintensität gemessen mittels einer Skala von 0 bis 10 (NRS) vor und 12 Wochen nach Beginn der Intervention.

Sekundäre Outcomes

  • Schmerzmitteleinnahme in der Vorwoche
  • allgemeine Verbesserung und Zufriedenheit der Patienten mit der Intervention
  • gesundheitsbezogene Lebensqualität

Resultat:

  • Randomisiert wurden 320 Patienten: Durchschnittsalter 46 Jahre, 64% Frauen, zwischen 50 und 60% waren Afro-Amerikaner, 15.5 – 20.5% Kaukasier. Zwei Drittel hatten in der Woche vor Einschluss Schmerzmittel, vorwiegend NSAIDs, eingenommen.
  • Primärer Endpunkt «Funktion»: Die Verbesserung im RMDQ für Yoga war der unter PT nicht-unterlegen: die durchschnittliche Differenz zwischen Joga und PT war -0.26 (1-seitiges Confidenz Interval (CI) ∞ bis 0.83) mit einer Reduktion in der Yogagruppe von -3.8 (95% CI, -4.6 bis -2.9) und für PT-3.5 (CI, -4.5 bis -2.6).
  • Primärer Endpunkt «Schmerz»: Die Verbesserung im NRS für Yoga war der PT nicht unterlegen: die durchschnittliche Differenz zwischen Joga und PT war 0.51 (1-seitiges CI ∞ bis 0.97) mit einer Reduktion in der Yogagruppe von -1.7 (CI, -2.1 bis -1.4) und der PT Gruppe -2.3 (CI, -2.7 bis -1.9).
  • Die Reduktion im RMQ und NRS waren verglichen zur Edukationsgruppe weder für die Yoga- noch für die PT-Gruppe signifikant unterschiedlich. Verglichen zur Edukationsgruppe war der Anteil an Patienten mit MCID in beiden Gruppen grösser.
  • Eine allgemeine Verbesserung gaben 42% der Yogagruppe, 47% der PT-Gruppe und 13% der Edukationsgruppe an. Sehr zufrieden waren 54% der Yoga-, 56% der PT- und 13% der Edukationsgruppe. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität war gleich in den Gruppen.

Kommentar:

  • Diese Studie zeigte, dass Yoga einer klassischen Physiotherapie nicht unterlegen war. Schade, dass die Unterschiede der PT- und Yogagruppe zur Edukationsgruppe nicht signifikant waren. Der Anteil an MCID, sowie die reduzierte Einnahme von Schmerzmedikamenten, sind jedoch Hinweise dafür, dass die Intervention sinnvoll ist und Yoga für selektionierte Patienten eine valable Alternative ist.
  • Die Motivation zur Teilnahme war bei den Gruppen zwar ausgeglichen, aber eher tief. Weniger als die Hälfte der Teilnehmenden erfüllten die Adhärenzkritieren (44% Yogagruppe (9 oder mehr von 12 Kursen), 46% der PT-Gruppe (11 oder mehr der 15 Therapiestunden) und 44 % der Edukationsgruppe (75% der erhaltenen Broschüre und Newsletter).

Literatur:

Saper RB et al. Yoga, Physical Therapy, or Education for Chronic Low Back Pain: A Randomized Noninferiority Trial. Ann Intern Med. 2017; doi: 10.7326/M16-2579.