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Rauchstop: Spontane Entschlüsse sind erfolgreich

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Frage:

Stellt beim Versuch das Rauchen zu stoppen ein spontaner Entschluss dazu oder eine stufenweise Vorbereitung die erfolgreichere Ausgangssituation dar?

Hintergrund:

Die Theorie der Verhaltensänderung postuliert eine schrittweise Vorbereitung für einen erfolgreichen Rauchstop (Nachdenken darüber- Planungsphase- Umsetzungsphase). Allerdings berichten Ex-Raucher auch oft über einen spontanen Entschluss zum Rauchstop, der letztlich erfolgreich war.

 

Einschlusskriterien:

·         Erwachsene Personen (Raucher, Ex-Raucher und Nie-Raucher; Alter ≥16 Jahre) aus einer repräsentativen Stichprobe der englischen Bevölkerung, befragt bei einer Haushaltsbefragung

·         Pro Haushalt wurde 1 Person befragt

 

Ausschlusskriterien:

·         Keine Angabe

 

Studiendesign:

Querschnittsstudie (Befragung: Frühjahr 2005)

 

Studienort:

England

 

Datenerhebung:

·         Neben anderen Fragen wurden bei dem Interview auch Standardfragen zum Rauchverhalten gestellt.

·         Personen, die jemals geraucht hatten (d. h. Raucher und Ex-Raucher) und einen Rauchstop versuchten hatten, wurden gefragt, ob beim letzten Versuch ihr Entschluss dazu spontan oder nach einer Vorbereitungsphase gefällt wurde (Vorgabe von 8 expliziten Kriterien im Fragebogen).

·         Zusätzlich wurde gefragt, wie lange ein eventueller Erfolg des Rauchstops anhielt.

 

Outcome:

·         Art der Entschlussfassung (spontan vs. geplant) beim letzten Versuch das Rauchen aufzugeben

·         Erfolgsquote (d.h. ≥ 6 Monate nicht geraucht) beim letzten Versuch das Rauchen aufzugeben

 

Resultat:

·         Insgesamt 5351 Personen wurden befragt (56% Frauen; 50% der Befragten im Alter < 45 Jahre).

·         Die Prävalenz an Rauchern betrug 25% (durchschnittliche Menge gerauchter Zigaretten: 14 pro Tag).

·         Von diesen Rauchern berichteten 918 Personen (etwa 68%), dass sie bereits mindestens einen ernsthaften Versuch zum Rauchstop unternommen hatten.

·         996 von allen befragten Personen berichteten, dass sie Ex-Raucher sind.

·         Bei knapp der Hälfte (48.6%) der letzten Versuche das Rauchen zu stoppen wurde der Entschluss dazu spontan gefasst (Basis: 1914 Raucher und Ex-Raucher; unabhängig vom Erfolg und wann der Versuch stattfand).

·         Die Erfolgsquote (definiert als ≥ 6 Monate nicht geraucht bei Versuchen innerhalb der letzten 5 Jahre) war bei spontan gefassten Entschlüssen höher als bei vorgängiger Planung (OR 2.0; 95%-CI: 1.2-3.2; adjustiert für verschiedene Risikovariablen; siehe Tabelle).

·         Auch bei alleiniger Auswertung der aktuellen Raucher erwiesen sich spontan gefasste Entschlüsse erfolgreicher (d.h. ≥ 6 Monate nicht geraucht bei Versuchen innerhalb der letzten 5 Jahre) als vorgängig geplante Versuche.

 

Outcome

 

(611 Personen mit Versuchen innerhalb der letzten 5 Jahre)

Letzter Versuch

spontan*

(n=280)

Letzter Versuch

nach Planung*

(n=331)

Odds ratio

(95%-CI)

Erfolgsquote

≥( 6 Monate nicht geraucht)

(95%-CI)

65.4%

(59.8-70.1)

42.3%

(37.0-47.6)

2.0**

(1.2-3.2)

(*Versuche innerhalb der letzten 5 Jahre; **Odds ratio adjustiert für mehrere Risikovariablen

 

Kommentar:

·         Die Studie bezieht sich auf repräsentative Bevölkerungsdaten.

·         Ein Erinnerungsbias für die Einordnung „spontan“ vs. „nach vorgängiger Planung“ könnte die Ergebnisse für weit zurückliegende Versuche beeinflusst haben. Allerdings beträgt auch für den Zeithorizont innerhalb der letzten 5 Jahre der Anteil spontaner Entscheide knapp 50%.

·         Der von den Autoren gewählte Zeithorizont für das Outcome „erfolgreicher Rauchstop“ (definiert als ≥ 6 Monate nicht geraucht) erscheint etwas kurz.

·         Nach Datenlage dieser Studie scheinen spontane Versuche zum Rauchstop zumindest für einen Zeithorizont ≥ 6 Monate erfolgreicher zu sein als Versuche mit einer vorgängigen Planung.

·         Die Autoren schlagen ein alternatives Modell der Verhaltensänderung vor: Anlehnend an die Chaostheorie könnten möglicherweise bereits geringgradige „Trigger“ im Umfeld von Personen weitreichende Verhaltenseränderungen auslösen, ohne dass ernsthafte Vorplanungen stattgefunden haben.

·         Möglicherweise werden sogenannte „ernsthafte Planungen“, welche Bestandteile der Theorie der schrittweisen Verhaltensänderung sind, oft als Vorwand benutzt, um eine aktive Verhaltensänderung, die Aufwand bedeutet, hinauszuschieben.

 

Literatur:

West R. et al.: “Catastrophic” pathways to smoking cessation: findings from national survey. BMJ (published online 27 January 2006).



Verfasser: Eichler Klaus, 02.02.2006
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