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Fördern finanzielle Anreize den Rauchstopp?
Frage:
Könnten finanzielle Anreize in Unternehmen die Mitarbeiter dazu bringen, mit dem Rauchen aufzuhören?Hintergrund:
Eine Unternehmensstruktur bietet verschiedene Möglichkeiten, den Mitarbeitern den Rauchstopp nahe zu legen, zumal der Arbeitgeber oft die finanziellen Folgen einer gesundheitlichen Schädigung tragen muss. Die aktuelle Studie untersucht, ob die Vergabe von finanziellen Anreizen eine Wirkung auf eine verlängerte Rauchabstinenz hat.
Einschlusskriterien:
· Mitarbeiter ≥18 Jahre mit einem Konsum von ≥5 Zigaretten täglich
· Ausgeschlossen wurde der Konsum anderer Tabakprodukte sowie Mitarbeiter, die in den nächsten 18 Monaten das Unternehmen verliessen.
Studiendesign und Methode:
Randomisiert kontrollierte Studie, die unter den Mitarbeitern eines multinationalen Unternehmens durchgeführt wurde. Alle Teilnehmer erhielten Informationen bezüglich Rauchstopp-Programmen in der Umgebung, sowie über gesundheitsfördernde Massnahmen, die das Unternehmen anbot (Bezahlung von Arztbesuchen sowie verschriebenen Rauchstopp-Therapien). Die Personen in der Interventionsgruppe wurden ausserdem informiert, dass sie für bestimmte Aktivitäten finanziell belohnt werden (100$ für eine vollständige Teilnahme an einem Rauchstoppprogramm; 250$ für einen Rauchstopp von mindestens 7 Tagen innerhalb der ersten 6 Monate der Studie, wenn er mit einem Kotinintest bestätigt werden konnte; 400$ für eine langdauernde Abstinenz über weitere 6 Monate nach dem ersten Rauchstopp). Follow-up Interviews wurden nach 3 beziehungsweise 6 Monaten und 9 beziehungsweise 12 Monaten durchgeführt. Die primäre Follow-up Dauer betrug 12 Monate. Mitarbeiter, die innerhalb dieses Zeitraums einen negativen Kotinintest hatten, wurden weitere 6 Monate beobachtet.
Primärer Endpunkt:
Selbstberichteter Rauchstopp nach 3 und 9 Monaten oder nach 6 und 12 Monaten nach Studienbeginn.
Unter Punktprävalenz wurde eine Abstinenz von mindestens 7 Tagen in der Zeit bis zum 3 oder 6 Monats-Follow-up verstanden. Als verlängerte Abstinenz wurde ein Rauchstopp vom 3- beziehungsweise 6-Monats-Follow-up bis zum 9- beziehungsweise 12-Monats-Follow-up definiert. Die von den Teilnehmern berichtete Abstinenz wurde durch einen biochemischen Kotinintest im Speichel oder Urin nachgeprüft.
Studienort:
USA
Resultat:
· 878 Personen konnten in die Studie eingeschlossen werden. Die Teilnehmer waren im Schnitt 45 Jahre alt, zu 65% männlich und zu 90% weiss. Der Zigarettenkonsum betrug bei Studienbeginn im Schnitt 20 Zigaretten am Tag (1 Pack) und ca. 5.5% der Teilnehmer rauchten mehr als 2 Päckchen am Tag (definiert als starke Raucher).
· Die mit dem Kotinintest bestätigte verlängerte Rauchstopp-Rate nach 9 beziehungsweise 12 Monaten betrug 14.7% in der Interventionsgruppe und 5% in der Kontrollgruppe.
· Die Teilnahme und die Beendigung eines Rauchstopp-Programms war signifikant höher in der Interventionsgruppe gegenüber der Kontrollgruppe (15.4% gegenüber 5.4% und 10.8% gegenüber 2.5%).
· Innerhalb der ersten 6 Studienmonate betrug die biochemisch bestätigte Rauchstopp-Rate 20.9% in der Interventionsgruppe und 11.8% in der Kontrollgruppe (signifikanter Unterschied). Nach 15 beziehungsweise 18 Monaten waren noch 9.4% in der Interventionsgruppe und 3.6% in der Kontrollgruppe abstinent (verlängerte Abstinenz seit Follow-up nach 3 beziehungsweise 6 Monaten, signifikanter Unterschied).
· Nach Adjustierung für mögliche Confounder war die Wahrscheinlichkeit, nach 9 beziehungsweise 12 Monaten mit dem Rauchen aufgehört zu haben (verlängerte Abstinenz), in der Interventionsgruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe (Odds Ratio 3.16, 95%CI 1.88-5.32).
· In den post-hoc definierten Subgruppen-Analysen hatten generell die Teilnehmer der Interventionsgruppe höhere Rauchstopp-Raten, als die der Kontrollgruppe. Dies zeigt, dass die dort untersuchten Patientencharakteristika keinen Einfluss auf die Wirkung der Intervention hatten.
Kommentar:
· Die Autoren schliessen aus den Ergebnissen, dass finanzielle Anreize bei Rauchern eines Unternehmens zu signifikant mehr verlängerten Abstinenzraten sowie Teilnahmen an Rauchstopp-Programmen gegenüber der Kontrollgruppe geführt haben. Dies schien unabhängig von verschiedenen geprüften Patientencharakterisika zu sein.
· Dies Ergebnis steht teilweise im Kontrast zu der bisherigen Evidenz. Allerdings waren in den bisherigen Studien die Teilnehmerzahl sowie die ausgezahlten Anreize meist bedeutend kleiner und die Follow-up Zeit kürzer. Dies könnte dazu beigetragen haben, dass die in dieser Studie gefundenen Unterschiede nicht festgestellt werden konnten.
· Eine positive Korrelation zwischen Rauchstopp und finanziellen Anreizen könnte für Arbeitgeber durchaus kosteneffektiv sein, da die somit reduzierte rauchbedingte Morbidität sich positiv auf den Output bei der Arbeit auswirken kann.
· Allerdings müssten Studien noch zeigen, welche Anreize sich am kosteneffizientesten für den Rauchstopp der Angestellten herausstellen.
· Da in der Studie vornehmlich weisse, gut verdienende Mitarbeiter mit einem hohen Bildungsniveau teilnahmen, ist die Generalisierbarkeit der Ergebnisse eingeschränkt.
· Ebenso ist es wahrscheinlich, dass Personen, die eher bereit sind, mit dem Rauchen aufzuhören, an einer solchen Studie teilnehmen (Selektionbias). Allerdings war in dieser Studie die Drop-out Rate relativ hoch (26%).
Literatur:
Volpp KG et al.: A randomized, controlled trial of financial incentives for smoking cessation. N Engl J Med. 2009 Feb 12;360(7):699-709.
Verfasser: Spaar Anne, 20.02.2009
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