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Zur Arbeit laufen oder Fahrradfahren ist gesundheitsförderlich

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Frage:

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Art den Arbeitsweg zurückzulegen (aktiv mit dem Fahrrad oder zu Fuss oder passiv) und der körperlichen Fitness sowie kardiovaskulären Risikofaktoren?

Hintergrund:

Die bisherige Evidenz zeigt eine negative Assoziation zwischen Freizeitlaufen und Fettleibigkeit sowie kardiovaskulären Risikofaktoren. Die vorliegende Studie untersucht, ob auch ein aktives Pendeln zur Verbesserung und Erhaltung der Gesundheit beitragen kann.

 

Einschlusskriterien:

·         Junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren, die an der CARDIA (Coronary Artery Risk Development in Young Adults) Studie teilnahmen

·         Arbeitsplatz ausserhalb des Wohnhauses (während des Jahres 20 der CARDIA Studie, 2005-2006)

 

Ausschlusskriterien:

·         Schwangerschaft, Teilnehmer mit fehlenden Daten bezüglich Exposition, Outcome und Kovariablen.

 

Studiendesign und Methode:

·         Beobachtungsstudie. Aufgrund der Auswahlkriterien bestand die eingeschlossene Population mehrheitlich aus weissen Nichtrauchern mit hohem Bildungsniveau, hohem Einkommen und hohem Grad an physischer Aktivität. Wenn der Arbeitsweg zu Fuss oder  mit dem Fahrrad zurückgelegt wurde, wurde dies als aktives Pendeln (?active commuting?) bezeichnet. Um dies zu erfassen, mussten die Teilnehmer die Länge des Arbeitsweges in Minuten und Kilometern notieren, sowie den prozentualen Anteil, den sie mit dem Auto, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuss oder mit dem Fahrrad zurückgelegten. Bei der Kalkulation der Assoziation mit den kardiovaskulären Risikofaktoren wurden Patienten unter medikamentöser Behandlung, die jeweilige Variable betreffend, ausgeschlossen.

 

Studienort:

USA

 

Outcome:

·         Outcome Parameter waren BMI, körperliche Aktivität während der Freizeit oder während des Berufs (Art und Dauer der Aktivitäten, erhoben mit Hilfe eines Aktivitätsmonitors), körperliche Fitness und kardiovaskuläre Risikofaktoren.

 

Resultat:

·         Vom 2364 Teilnehmern, die ausserhalb des Wohnhauses arbeiteten, führten 16.7% (18.0% Männer und 15.6% Frauen) aktives Pendeln durch. Die Teilnehmer waren im Schnitt  45 Jahre alt und zu 60% weisser Hautfarbe. 64% waren Nichtraucher.

·         Weisse Frauen mit einem höheren Grad an physischer Aktivität führten eher aktives Pendeln durch. Bei Männern führten eher die Männer mit einem höheren Alkoholkonsum aktives Pendeln durch (statistisch signifikant). 

·         Aktive Pendler legten im Schnitt 8 Kilometer (Männer: Range 3.2-21.6 Kilometer; Frauen: 1.6-16 Kilometer) in 20 Minuten (Männer, Range 10-40) beziehungsweise 17 Minuten (Frauen, Range 10-30) zurück. 64% der aktiven männlichen Pendler gingen einen Teil dieses Weges oder den ganzen Weg zu Fuss gegenüber 83% der aktiven weiblichen Pendler. Die nichtaktiven Pendler legten im Schnitt 22.4 (11.2-35.2, Männer) bzw. 16 (8-32, Frauen) Kilometer zurück und wählten zu 100% das Auto.

·         Nach Korrektur für mögliche Einflussfaktoren zeigten sich signifikante positive Assoziationen zwischen aktivem Pendeln und zu Fuss gehen in der Freizeit (regelmässig: Männer Odds Ratio (OR) 3.26, 95%CI 1.95-5.43, Frauen OR 5.62, 95%CI 3.10-10.18 oder intermittierend: Männer OR 1.96, 95%CI 1.25-3.08, Frauen OR 2.82, 95%CI 1.64-4.86), mit Aktivitätsmonitor gemessener moderater körperlicher Aktivität (Frauen: OR 1.83, 95%CI 1.25-2.69) sowie mit der Ausdauer auf dem Laufrad (Männer: Differenz der Sekunden zwischen aktiven und nicht aktiven Pendlern: 50.02, 95%CI 31.45-68.59, Frauen: 28.77, 95%CI 11.61-45.92). Ebenso war die Wahrscheinlichkeit eines hohen BMI (Ratio aktives Pendeln versus nicht aktives Pendeln: 0.95, 95%CI 0.92-0.97) und einer Adipositas (OR 0.50, 95%CI 0.33-0.76) niedriger bei Personen, die aktiv pendelten (wobei dieser Zusammenhang nur bei Männern signifikant war).

·         Bezüglich kardiovaskulären Risikofaktoren zeigte sich, dass aktives Pendeln bei Männern signifikant negativ assoziiert war mit Triglyzeridwerten (Ratio aktives Pendeln versus nicht aktives Pendeln: 0.88, 95%CI 0.80-0.98), diastolischen Blutwerten (Differenz aktives Pendeln versus nicht aktives Pendeln: -1.67, 95%CI -3.20 bis -0.15) und Nüchterninsulinwerten (Ratio aktives Pendeln versus nicht aktives Pendeln: 0.89, 95%CI 0.78-0.93) und grenzwertig positiv assoziiert mit HDL-Cholesterin Werten (Ratio aktives Pendeln versus nicht aktives Pendeln: 1.03, 95%CI 0.99-1.08).

 

Kommentar:

·         Die Autoren schliessen aus den Ergebnissen, dass aktives Pendeln bei Männern mit einer Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren und erhöhter Fitness assoziiert war und bei Frauen mit einer erhöhten Ausdauer und Fitness. Generell legten aber eher wenige Menschen einen Teil oder den ganzen Weg zur Arbeit mit aktivem Pendeln zurück. Dies kann an den längeren Arbeitswegen bei den nichtaktiven Pendlern liegen. Auffällig ist aber trotzdem, dass diese in keinem Fall auf öffentliche Verkehrsmittel auswichen.

·         Der signifikante Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Risikofaktoren und aktivem Pendeln bei Männern verschwand nach Adjustierung für BMI, was für einen möglichen Effekt von BMI als Störfaktor oder Mediator sprechen könnte. Es wäre deshalb interessant gewesen, welchen Effekt eine Adjustierung für BMI bei den anderen Assoziationen gehabt hätte.

·         Warum sich keine signifikanten Assoziationen zwischen aktivem Pendeln und kardiovaskulären Risikofaktoren bei Frauen zeigte, ist unklar.

·         Die kleine Anzahl aktiver Pendler, das Studiendesign (Beobachtungsstudie) und die selbstberichtete Datenerhebung sind wohl die Hauptfaktoren, die die Aussagekraft der Studie limitieren könnten. Auch die Kausalitätskette zwischen den untersuchten Faktoren zu bestimmen, ist mit diesem Design nicht möglich.

·         Die Studie unterstützt die bisherige Evidenz bezüglich der Wirkung von Freizeitlaufen und erweitert diese um den Aspekt des aktiven Pendelns. Zukünftige Forschung könnte auf den quantitativen Aspekt des aktiven Pendelns in Bezug auf den jeweiligen Gesundheitsbenefit eingehen.

 

Literatur:

Gordon-Larsen P. et al.: Active commuting and cardiovascular disease risk: the CARDIA study. Arch Intern Med. 2009 Jul 13;169(13):1216-23.



Verfasser: Spaar Anne, 29.07.2009
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