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Inaktivierter und Lebendinfluenzaimpfstoff im Vergleich

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Frage:

Gibt es einen Unterschied in der Wirksamkeit zwischen dem inaktivierten und dem Lebendinfluenzaimpfstoff im Testjahr 2007/2008?

Hintergrund:

Verschiedene Faktoren können die Wirksamkeit der jährlich zusammengestellten Influenzaimpfstoffe beeinflussen (Alter, Gesundheitszustand der Personen und die Art sowie die Antigenähnlichkeit zwischen zirkulierendem Virus und Impfstoffvirusstämmen). Die aktuelle Studie vergleicht die Wirksamkeit der beiden zugelassenen Impftypen (inaktivierter Impfstoff und abgeschwächter Lebendimpfstoff) über 4 Jahre mit Schwerpunkt auf die Impfsaison 2007/2008. In diesem Jahr war die Influenzainzidenz hoch, es zirkulierte hauptsächlich der Virusstamm Typ A (H3N2).

 

Einschlusskriterien:

·         Gesunde Erwachsene zwischen 18 und 49 Jahre alt

 

Ausschlusskriterien:

·         Besondere Indikation für eine der beiden Impftypen oder Kontraindikationen gegen die Impfungen

 

Studiendesign und Methode:

·         Randomisierte, Placebo-kontrollierte, doppelt verblindete Studie über eine 4-Jahresperiode ab 2004 (Serie von jährlichen Studien, vorliegende Studie basiert jedoch nur auf der Impfsaison 2007/2008). Die Studienteilnehmer wurden jährlich zu folgenden Gruppen zufällig zugeteilt:

·         1) Inaktivierter Influenzaimpfstoff (trivalent [für die genaue Zusammensetzung siehe bitte Artikel], Fluzone, Sanofi Pasteur) oder entsprechendes Placebo (matched), welche durch eine intramuskuläre Injektion verabreicht wurden.

·         2) Abgeschwächter Lebendinfluenzaimpfstoff (trivalent [für die genaue Zusammensetzung siehe bitte Artikel], FluMist, MedImmune) oder entsprechendes Placebo (matched), welche als intranasales Spray im Verhältnis 5:1:5:1 verabreicht wurden. Beide Impfstoffe wurden den internationalen Empfehlungen entsprechend betreffend die drei Komponenten angepasst. Die Patienten führten anschliessend selbstständig über 7 Tage ein Tagebuch zur Erfassung der Nebenwirkungen. Im Winter 2007/2008 (Fokusjahr für die Durchführung und Outcome-Erhebung der vorliegenden Studie) sollten die Teilnehmer über respiratorische oder systemische Influenzasymptome berichten, falls diese zweimal oder häufiger auftraten, um Proben zur Identifikation einer Influenzainfektion (Zellkultur oder PCR) zu sammeln.

 

Studienort:

Rekrutierung auf 4 Universitätsgeländen, Michigan, USA

 

Intervention:

·         2 Interventionsgruppen mit der Gabe eines inaktivierten Influenzaimpfstoffes oder eines abgeschwächten Lebendinfluenzaimpfstoffes.

 

Outcome:

·         Primäre Outcomes:

o        Jährliche Erhebung der absoluten (gegenüber Placebo) sowie der relativen (beide Impfstoffe im Vergleich) Wirksamkeit der beiden Impfstoffe, um laborbestätigte, symptomatische Influenzaerkrankungen, verursacht durch aktuell zirkulierende Stämme, zu verhindern.

 

Resultat:

·         1952 Personen konnten in der Influenzasaison 2007/2008 in die Studie einbezogen werden. Die Teilnehmer waren im Schnitt 23 Jahre alt und zu 62% weiblich. 37% der Teilnehmer hatten bereits einmal eine Influenzaimpfung erhalten.

·         Leichte Nebenwirkungen, die bei den Impfgruppen häufiger als bei der Placebogruppe vorkamen, waren Armschmerzen (52.6% in der Gruppe der inaktivierten Impfung gegenüber 21.3% in der Placebogruppe) und eine laufende oder verstopfte Nase (52.3% in der Gruppe des Lebendimpfstoffes gegenüber 37.7% in der Placebogruppe).

·         Insgesamt zeigten 119 Patienten (6.1%) eine bestätigte Influenzainfektion, 108 (90.8%) Patienten mit einem Influenza A Virusstamm und 11 (9.2%) mit einem Influenza B Virusstamm. Unter Einbezug aller Diagnosetestverfahren lag die absolute Wirksamkeit des inaktivierten Impfstoffes bei 68% (95%CI 46-81, Relatives Risiko (RR) 0.32, [0.19-0.54]) und die des Lebendimpfstoffs bei 36% (95%CI 0-59, RR 0.64, [0.41-1.00]). Bezüglich der relativen Wirksamkeit zeigte sich eine 50% (95%CI 20-69, RR 0.50, [0.31-0.80]) Reduktion der Influenzainfektionen bei der Gruppe mit dem inaktivierten Impfstoff gegenüber der Gruppe mit dem Lebendimpfstoff.

·         Bezogen auf die Infektion mit einem Influenza A Virusstamm war die absolute Wirksamkeit 72% (95%CI 49-84, RR 0.28, [0.16-0.51]) für den inaktivierten Impfstoff und 29% (95%CI -14 bis 55, RR 0.71, [0.45-1.14]) für den Lebendimpfstoff. Die relative Wirksamkeit betrug 60% (95%CI 33-77, RR 0.40, [0.23-0.67]) für den inaktivierten gegenüber dem Lebendimpfstoff. 

 

Kommentar:

·         Die Autoren schliessen aus den Ergebnissen, dass für die Grippesaison 2007/2008 in ihrer Studie eine signifikant höhere Wirksamkeit gegen Influenza A (hauptsächlich H3N2) (sowohl absolut wie auch relativ gesehen) des inaktivierten Impfstoffes gegenüber dem Lebendimpfstoff in der getesteten Population gezeigt werden konnte. Nur in dieser Population sind auch beide Impfstoffe für den Gebrauch zugelassen. Dieses Ergebnis war unabhängig von der diagnostischen Methodik.

·         In den Vorjahren der Studie konnte diesbezüglich bereits ein Trend gezeigt werden, der aber wegen einer zu geringen Zahl an Outcomes nicht verlässlich war. Für die Influenza B Virenstämme können bisher keine validen Aussagen getroffen werden.

·         Diese Ergebnisse scheinen aber auch von den jährlich wechselnden zirkulierenden Virenstämmen und deren Ähnlichkeit zu den Impfstämmen beeinflusst zu werden (obwohl für die Jahre 2004/2005 und 2007/2008 trotz unterschiedlichem Uebereinstimmungsgrad der Stämme zwischen Infektion und Impfung ähnliche Wirksamkeiten für Influenza Typ A gefunden wurden).

·         Ob eine altersspezifische Wirksamkeit der Impfungen besteht und dadurch ein Einsatz verschiedener Impfstoffe bei verschiedenen Altersgruppen sinnvoll ist, ist Gegenstand aktueller Forschung.

 

Literatur:

Monto AS et al.: Comparative efficacy of inactivated and live attenuated influenza vaccines. N Engl J Med. 2009 Sep 24;361(13):1260-7.



Verfasser: Spaar Anne, 09.10.2009
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